Ablaufschema einer Anzeigenauktion: Links der Seitenaufruf im Browser, dann die Supply-Side-Platform mit hinterlegten Mindestpreisen und Ausschlussregeln, von dort Anfragen an mehrere Demand-Side-Platforms, die Gebote zurücksenden, und schließlich die Auslieferung des Werbemittels des Höchstbietenden zurück in den Browser.

Supply-Side-Platform

Eine Supply-Side-Platform ist ein technischer Dienst, über den Website- und App-Betreiber ihre Werbeflächen automatisch zum Verkauf anbieten. Sie holt in Sekundenbruchteilen Gebote von vielen Werbekäufern ein und vergibt den Platz an das höchste davon.

Fast jede Nachrichtenseite finanziert sich zu einem großen Teil über Werbung. Früher hat eine Anzeigenabteilung diese Flächen von Hand verkauft, mit Telefonaten und Verträgen. Heute übernimmt das eine Software. Eine Supply-Side-Platform ist genau so ein Programm: Sie gehört zur Seite des Anbieters, also des Website- oder App-Betreibers, und stellt dessen freie Werbeplätze automatisch zum Verkauf. Jedes Mal, wenn jemand die Seite aufruft, meldet sie den freien Platz an mögliche Käufer und sammelt deren Preisangebote ein. Der Platz geht an das höchste Gebot, und all das dauert weniger als eine Zehntelsekunde.

Was Verlage davon haben

Eine einzelne Nachrichtenseite hat oft Millionen Seitenaufrufe pro Monat, aber nur eine kleine Anzeigenabteilung. Von Hand ließe sich dieses Angebot niemals verkaufen. Eine Supply-Side-Platform macht auch kleine Restmengen verwertbar, weil sie jeden einzelnen Aufruf einzeln versteigert. Ohne solche Technik bliebe ein großer Teil der Werbeflächen schlicht leer.

Der zweite Vorteil ist der Wettbewerb. Wenn nur ein Käufer da ist, bestimmt dieser den Preis. Sind zehn Käufer gleichzeitig im Rennen, steigt der Erlös. Genau dafür ist die Plattform gebaut: Sie verbindet einen Anbieter mit vielen Nachfragern auf einmal. Verlage nennen die dabei erzielten Durchschnittserlöse oft in Euro pro tausend Auslieferungen.

Zugleich behält der Betreiber Kontrolle. Er kann Mindestpreise festlegen, unter denen er nicht verkauft. Er kann außerdem ganze Branchen ausschließen, etwa Glücksspiel oder politische Werbung. Diese Regeln hinterlegt er einmal in der Plattform, und sie gelten dann bei jeder Auktion automatisch.

Der Ablauf einer Anzeigenauktion

Der Vorgang beginnt beim Aufruf einer Seite. Der Browser meldet an die Supply-Side-Platform, dass ein bestimmter Werbeplatz frei ist. Mitgeliefert werden Angaben wie Land, Gerätetyp, Seitenthema und Größe der Fläche. Die Plattform schickt diese Anfrage an viele Einkaufssysteme gleichzeitig.

Auf der anderen Seite sitzen Demand-Side-Platforms, also die Einkaufssysteme der Werbetreibenden. Sie prüfen, ob der Platz zu einer laufenden Kampagne passt, und antworten mit einem Preis. Diesen Austausch nennt man Real-Time-Bidding, zu Deutsch Echtzeit-Versteigerung. Die Supply-Side-Platform vergleicht die eingegangenen Gebote und wählt das höchste aus. Der Gewinner liefert daraufhin sein Werbemittel aus, das der Nutzer als Banner oder Video sieht.

Ein häufiger Irrtum ist, die Supply-Side-Platform wähle die Werbung nach Inhalt aus. Das tut sie nicht. Sie organisiert nur die Versteigerung und setzt die Regeln des Betreibers durch. Welche Anzeige inhaltlich passt, entscheidet der Käufer auf der Gegenseite. Künstliche Intelligenz kommt trotzdem ins Spiel: Modelle sagen etwa voraus, wie hoch der erzielbare Preis eines Platzes sein dürfte, und passen Mindestpreise laufend an.

SSPs in Börsenmeldungen und im Browser

Sichtbar ist von einer Supply-Side-Platform im Alltag wenig. Man bemerkt höchstens, dass eine Werbefläche kurz leer bleibt und sich dann füllt. In dieser Millisekunde lief die beschriebene Auktion. Wer im Browser die Netzwerkanfragen einer Nachrichtenseite ansieht, findet dort Namen von Anbietern wie Google Ad Manager, Magnite, PubMatic oder Xandr.

In Wirtschaftsnachrichten tauchen diese Firmen regelmäßig auf, denn einige sind börsennotiert. Ihre Umsätze gelten als Frühindikator für den gesamten Werbemarkt. Ebenso oft geht es um Regulierung: Datenschutzregeln und Kartellverfahren gegen große Anbieter betreffen genau diese Technik. Wichtig für das Verständnis solcher Meldungen ist die Rollenverteilung. Die Supply-Side-Platform vertritt den Verkäufer, die Demand-Side-Platform den Käufer, und beide treffen sich auf einem Marktplatz, der Ad Exchange heißt.

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