Schema der Wurmverbreitung: Ein infizierter Rechner scannt das Netzwerk, dringt über eine Sicherheitslücke in zwei weitere Rechner ein, die sich ihrerseits verdoppeln – daneben ein abgetrennter Kasten mit der Schadfunktion (Payload).

Selbstreplizierender Wurm

Ein selbstreplizierender Wurm ist ein Schadprogramm, das sich ohne Zutun eines Menschen selbst kopiert und von Computer zu Computer weiterverbreitet. Anders als ein Virus braucht er dafür kein Wirtsprogramm und keinen unvorsichtigen Klick.

Ein selbstreplizierender Wurm ist ein schädliches Programm, das sich selbst kopiert und die Kopien an andere Computer weiterschickt. Das Besondere daran: Es braucht dafür keinen Menschen. Niemand muss eine Datei öffnen oder einen Anhang anklicken. Der Wurm sucht selbst über das Netzwerk nach weiteren Rechnern und nutzt dort Sicherheitslücken, also Programmierfehler, durch die er unerlaubt eindringen kann. Deshalb kann sich ein Wurm innerhalb von Stunden über die ganze Welt ausbreiten. Der Name stammt aus den 1970er-Jahren und beschreibt, wie sich so ein Programm durch ein Netz „gräbt“.

Warum Würmer schneller wachsen als jede Gegenmaßnahme

Die Gefahr eines Wurms liegt in seiner Vermehrungsart. Ein befallener Rechner infiziert mehrere weitere, jeder davon wieder mehrere. Diese Verdopplung nennt man exponentielles Wachstum. Aus einem Rechner werden so in wenigen Stunden Hunderttausende. Menschen, die reagieren müssen, sind dafür einfach zu langsam.

Ein bekanntes Beispiel ist WannaCry aus dem Jahr 2017. Der Wurm befiel innerhalb weniger Tage rund 200.000 Computer in über 150 Ländern. Betroffen waren unter anderem britische Krankenhäuser, die Operationen absagen mussten, und die Deutsche Bahn, deren Anzeigetafeln ausfielen. Der Schaden wird auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. Der Wurm verschlüsselte Dateien und forderte Lösegeld.

Für Börsen und Unternehmen ist das ein reales Finanzrisiko. Ein Wurm kann Produktionsanlagen stoppen, Logistik lahmlegen und Kundendaten unbrauchbar machen. Versicherer bieten deshalb eigene Cyber-Policen an. Und Regierungen behandeln solche Angriffe inzwischen als Frage der nationalen Sicherheit.

Vom Einbruch bis zur nächsten Kopie

Ein Wurm arbeitet in drei Schritten. Zuerst sucht er nach erreichbaren Rechnern, indem er Adressen im Netz systematisch abklopft. Dann versucht er, dort einzudringen. Meist nutzt er dafür eine bekannte Sicherheitslücke oder ein schwaches Passwort. Gelingt das, kopiert er sich auf den neuen Rechner und startet dort von vorn.

Oft trägt ein Wurm zusätzlich eine Schadfunktion mit sich, die Fachleute Payload nennen. Das kann Datenverschlüsselung sein, das Ausspähen von Passwörtern oder der Einbau des Rechners in ein Botnetz, also ein Netz fremdgesteuerter Computer. Die Verbreitung und der eigentliche Schaden sind technisch getrennte Teile. Ein Wurm ohne Schadfunktion verstopft trotzdem Netzwerke, einfach durch seinen Datenverkehr.

Häufig verwechselt man Wurm und Virus. Ein Virus hängt sich an eine bestehende Datei und wird nur aktiv, wenn ein Mensch diese Datei ausführt. Ein Wurm ist ein eigenständiges Programm und verbreitet sich von allein. Deshalb ist die wirksamste Abwehr das schnelle Einspielen von Sicherheitsupdates, denn sie schließen genau die Lücken, die der Wurm braucht.

KI-Agenten als neues Wurm-Umfeld

In den Nachrichten tauchen Würmer meist nach großen Ausfällen auf. Wenn Kliniken, Häfen oder Autowerke plötzlich stillstehen, steckt oft ein solches Schadprogramm dahinter. Auch der Begriff Stuxnet fällt regelmäßig: Dieser Wurm beschädigte um 2010 Zentrifugen in iranischen Atomanlagen. Er gilt als erster Fall, in dem Software gezielt physische Maschinen zerstörte.

Neu diskutiert wird das Thema wegen KI-Systemen, die selbstständig Aufgaben erledigen und dabei E-Mails lesen oder Programme aufrufen. Forscher haben Versuchsaufbauten gezeigt, in denen eine präparierte Nachricht ein solches System dazu bringt, dieselbe Nachricht an weitere Kontakte zu schicken. Das ist die Grundidee eines Wurms, nur in Textform statt in Programmcode. Marktreife Angriffe dieser Art sind bisher nicht bekannt, das Risiko wird aber ernst genommen.

Im Alltag begegnet man dem Schutz davor häufiger als dem Wurm selbst. Automatische Updates von Windows, Android oder dem Router sind genau diese Verteidigung. Auch Firmen-IT trennt Netzwerke in Abschnitte, damit ein Wurm nicht überall hinkommt. Das Prinzip erinnert an Schotten in einem Schiff: Ein Leck soll nicht das ganze Schiff fluten.

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