Selfware

Selfware bezeichnet Software, die sich selbst schreibt, anpasst oder repariert – meist mithilfe von KI-Systemen, die Programmcode erzeugen. Der Begriff ist ein Schlagwort aus der Tech-Branche und beschreibt keine feste Technik, sondern eine Richtung, in die sich das Programmieren gerade bewegt.

Ein Computerprogramm besteht aus Anweisungen, die bisher Menschen Zeile für Zeile aufgeschrieben haben. Selfware meint Programme, die diese Anweisungen ganz oder teilweise selbst erzeugen. Ein solches Programm kann sich also verändern, ohne dass jemand den Text der Anweisungen von Hand umschreibt. Möglich wird das durch KI-Systeme, die aus riesigen Mengen vorhandenen Programmcodes gelernt haben, wie Code aussieht und funktioniert. Der Begriff ist eine Wortmischung aus dem englischen „self“ für selbst und „software“. Er ist kein geschützter Fachausdruck, sondern ein Sammelbegriff, den Firmen und Fachmedien unterschiedlich weit fassen.

Was sich am Programmieren dadurch ändert

Software zu schreiben ist teuer, weil es Zeit von gut bezahlten Fachleuten kostet. Ein großer Teil dieser Zeit fließt in Routine: Standardbausteine bauen, Fehler suchen, alten Code an neue Anforderungen anpassen. Genau hier setzt Selfware an. Wenn ein System diese Routine übernimmt, verschiebt sich die Arbeit des Menschen vom Schreiben zum Prüfen und Entscheiden.

Wirtschaftlich ist das einer der Gründe, warum Anleger und Unternehmen so aufmerksam auf KI-Programmierwerkzeuge schauen. Software steckt in Autos, Banken, Krankenhäusern und Fabriken. Sinken die Kosten für ihre Herstellung deutlich, betrifft das fast jede Branche. Manche Unternehmen berichten bereits, dass ein spürbarer Anteil ihres neuen Codes von KI stammt.

Es gibt aber auch eine unangenehme Seite. Code, den niemand vollständig gelesen hat, birgt Risiken für Sicherheit und Zuverlässigkeit. Wenn ein System sich selbst verändert, wird zudem schwerer nachvollziehbar, wer für einen Fehler verantwortlich ist. Diese Frage ist rechtlich bis heute nicht sauber geklärt.

Vom Auftrag zum fertigen Code

Am Anfang steht meist eine Beschreibung in normaler Sprache. Ein Mensch schreibt zum Beispiel: „Erstelle eine Funktion, die Rechnungsbeträge zusammenzählt.“ Ein Sprachmodell, also ein KI-System für Text, erzeugt daraus passenden Programmcode. Danach wird dieser Code automatisch ausgeführt und getestet. Schlägt ein Test fehl, bekommt das Modell die Fehlermeldung zurück und schreibt eine neue Fassung.

Diese Schleife aus Erzeugen, Testen und Verbessern ist der Kern der Idee. Sie ähnelt dem Vorgehen eines Schülers, der eine Matheaufgabe löst, die Probe macht und bei einem Widerspruch neu rechnet. Der entscheidende Punkt ist die Rückmeldung: Ohne automatische Tests hätte das System keinen Maßstab dafür, ob sein Ergebnis brauchbar ist.

Ein häufiger Irrtum ist, Selfware sei ein Programm, das sich unkontrolliert selbst weiterentwickelt. In der Praxis läuft fast alles in engen Grenzen ab. Der Mensch gibt das Ziel vor, prüft das Ergebnis und gibt es frei. Man sollte Selfware außerdem nicht mit maschinellem Lernen verwechseln: Dort passt ein Modell interne Zahlenwerte an, hier entsteht lesbarer Programmtext.

Wo dir selbstschreibender Code schon begegnet

Am sichtbarsten ist die Entwicklung in Programmierwerkzeugen wie GitHub Copilot, Cursor oder Claude Code. Sie schlagen beim Tippen ganze Abschnitte vor oder bearbeiten auf Zuruf mehrere Dateien gleichzeitig. Millionen Entwickler nutzen solche Assistenten inzwischen täglich.

Daneben gibt es Werkzeuge, mit denen auch Menschen ohne Programmierkenntnisse kleine Anwendungen bauen. Man beschreibt eine Idee, etwa eine Webseite für einen Vereinsterminplan, und erhält ein lauffähiges Ergebnis. In Nachrichten taucht dafür oft das Schlagwort „Vibe Coding“ auf.

In Wirtschaftsmeldungen begegnet dir der Begriff meist in zwei Zusammenhängen. Zum einen bei Firmen, die mit KI ihre Entwicklungskosten senken wollen. Zum anderen in der Debatte darüber, wie sich Berufsbilder in der IT verändern. Wenn du den Begriff liest, lohnt sich die Rückfrage, was genau gemeint ist: ein Assistent, der Vorschläge macht, oder ein System, das eigenständig Änderungen einspielt.

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