Sextortion
Sextortion ist Erpressung mit intimen Bildern oder Videos: Täter drohen damit, solche Aufnahmen zu veröffentlichen, wenn das Opfer nicht zahlt oder weitere Bilder schickt. Oft existieren die Aufnahmen gar nicht – und immer häufiger werden sie von KI-Programmen gefälscht.
Sextortion ist eine Form der Erpressung. Jemand behauptet, intime Fotos oder Videos einer Person zu besitzen. Dann fordert er Geld, meist in digitalem Ersatzgeld wie Bitcoin, oder verlangt weitere Aufnahmen. Wer nicht zahlt, dem wird gedroht: Die Bilder gehen an Familie, Freunde und Mitschüler. Das Wort setzt sich aus dem englischen « sex » und « extortion » zusammen, was Erpressung bedeutet. In vielen Fällen gibt es die angeblichen Bilder überhaupt nicht – die Drohung allein reicht den Tätern oft schon.
Warum Jugendliche besonders betroffen sind
Sextortion trifft alle Altersgruppen, aber besonders häufig junge Menschen zwischen 13 und 20 Jahren. Ermittler in Deutschland, den USA und Australien melden seit einigen Jahren stark steigende Fallzahlen. Der Grund ist einfach: Die Täter schreiben tausende Leute gleichzeitig an. Es genügt, wenn ein kleiner Teil reagiert.
Das Gefährliche an Sextortion ist nicht in erster Linie der Geldverlust. Es ist die Scham. Viele Betroffene trauen sich nicht, mit Eltern oder Lehrern zu sprechen. Sie zahlen im Stillen weiter – und die Forderungen hören nicht auf. Genau darauf setzen die Täter.
In mehreren Ländern gab es Fälle, in denen Jugendliche sich das Leben genommen haben. Polizei und Beratungsstellen betonen deshalb einen einzigen zentralen Rat: nicht zahlen, sofort mit einem Erwachsenen sprechen, Anzeige erstatten. Erpresser hören nach der ersten Zahlung fast nie auf.
Vom Fake-Profil bis zur Drohnachricht
Der klassische Ablauf beginnt mit einem gefälschten Profil in einem sozialen Netzwerk. Dahinter steckt oft eine Bande, die aus Nigeria, Marokko oder den Philippinen arbeitet. Es entsteht scheinbar eine Freundschaft oder ein Flirt. Nach kurzer Zeit wechselt das Gespräch auf einen Video-Chat, und das Opfer wird zu intimen Aufnahmen überredet. Diese werden heimlich mitgeschnitten – Stunden später kommt die Drohung.
Daneben gibt es eine reine Bluff-Variante. Massenhaft verschickte E-Mails behaupten, ein Schadprogramm habe die Webcam heimlich eingeschaltet. Als Beweis steht oft ein echtes Passwort in der Mail. Das stammt aber nur aus einem alten Datenleck, bei dem Zugangsdaten eines Onlinedienstes gestohlen wurden. Aufnahmen existieren in diesen Fällen praktisch nie.
Neu ist die Rolle von KI. Sogenannte Deepfakes sind mit Software erzeugte Bilder oder Videos, die eine echte Person zeigen, obwohl die Szene nie stattgefunden hat. Dafür reicht ein normales Porträtfoto aus einem öffentlichen Profil. Täter brauchen also gar kein echtes Material mehr, um glaubhaft zu drohen. Zugleich helfen Chatbots dabei, in fließendem Deutsch zu schreiben – die früher typischen Sprachfehler in solchen Nachrichten verschwinden.
In den Schlagzeilen und in der Gesetzgebung
Sextortion taucht regelmäßig in Nachrichten über Plattformen wie Instagram, Snapchat und TikTok auf. Meta und Snap stehen unter Druck, Kontaktversuche durch Unbekannte bei Minderjährigen stärker einzuschränken. Instagram verschleiert deshalb inzwischen automatisch Nacktbilder in Direktnachrichten von Jugendlichen. Auch das amerikanische FBI und das deutsche Bundeskriminalamt veröffentlichen dazu eigene Warnungen.
Rechtlich ist die Sache eindeutig. In Deutschland ist Sextortion als Erpressung strafbar, bei Minderjährigen kommen weitere Straftatbestände hinzu. Seit 2024 ist auch das Verbreiten gefälschter Nacktbilder Gegenstand mehrerer Gesetzesinitiativen in der EU und den USA. Betroffene machen sich selbst nicht strafbar, auch wenn sie die Bilder freiwillig geschickt haben.
Ein häufiger Irrtum: Sextortion wird gern mit Revenge Porn verwechselt. Dabei veröffentlicht ein Ex-Partner aus Rache echte Aufnahmen. Sextortion dagegen zielt auf Geld oder weitere Bilder, und die Täter kennen ihre Opfer meist gar nicht persönlich. Hilfe bieten in Deutschland unter anderem die Nummer gegen Kummer und die Beratungsstelle JUUUPORT.