SMTP
SMTP ist die Regelsprache, mit der Computer im Internet E-Mails weiterreichen. Es kümmert sich nur um den Versand vom Absender zum Postfach des Empfängers, nicht um das Lesen der Nachricht.
Wenn zwei Computer im Internet miteinander sprechen, brauchen sie feste Regeln dafür. Solche Regelsätze nennt man Protokolle: Sie legen fest, wer wann was sagen darf. SMTP ist das Protokoll für den Versand von E-Mails. Die Abkürzung steht für Simple Mail Transfer Protocol, also etwa « einfaches Protokoll zur Postübertragung ». Es regelt, wie dein Mailprogramm eine Nachricht an einen Versandrechner übergibt und wie dieser sie an den Rechner des Empfängers weiterleitet. Für das Abholen und Lesen der Mail ist SMTP dagegen nicht zuständig.
Warum jede Mail diesen Umweg nimmt
E-Mail funktioniert weltweit, obwohl niemand sie zentral betreibt. Google, ein Firmenserver in Stuttgart und ein kleiner Anbieter in Brasilien gehören verschiedenen Leuten. Trotzdem kommen Nachrichten zwischen ihnen an. Der Grund ist, dass sich alle an dieselbe gemeinsame Sprache halten. Genau das leistet SMTP seit den frühen 1980er Jahren.
Diese Offenheit ist zugleich das größte Problem. Das ursprüngliche Protokoll prüft nicht, ob ein Absender wirklich der ist, für den er sich ausgibt. Man kann in eine Mail nahezu beliebige Absenderadressen hineinschreiben. Darauf beruhen Spam und Phishing, also gefälschte Mails, die Passwörter oder Geld abgreifen sollen. Schätzungen zufolge ist über die Hälfte des weltweiten Mailverkehrs unerwünschter Massenversand.
Deshalb wurden nachträglich Prüfverfahren ergänzt. Sie heißen SPF, DKIM und DMARC. Vereinfacht gesagt hinterlegt der Inhaber einer Domain öffentlich, welche Server in seinem Namen versenden dürfen. Der Empfänger kann das nachschlagen und verdächtige Mails aussortieren.
Der Dialog zwischen zwei Mailservern
SMTP ist ein Textprotokoll. Die beiden Rechner tauschen kurze Befehle in lesbaren Buchstaben aus, keine unverständlichen Datenblöcke. Der sendende Rechner meldet sich mit HELO oder EHLO. Dann nennt er mit MAIL FROM den Absender und mit RCPT TO den Empfänger. Erst danach folgt mit DATA der eigentliche Text der Nachricht.
Auf jeden Befehl antwortet die Gegenseite mit einer dreistelligen Zahl. 250 bedeutet « in Ordnung », 550 heißt « Empfänger unbekannt ». Das erinnert an ein knappes Funkgespräch: kurze Ansage, kurze Bestätigung, nächster Schritt. Wenn du eine Fehlermeldung zurückbekommst, stammt der Zahlencode meist genau aus diesem Dialog.
Wichtig ist die Arbeitsteilung mit anderen Protokollen. SMTP bringt die Mail nur bis zum Postfach des Empfängers. Damit du sie auf Handy und Laptop lesen kannst, kommen IMAP oder POP3 zum Einsatz. Ein Vergleich: SMTP ist der Postbote, IMAP ist der Schlüssel zu deinem Briefkasten. Moderne Verbindungen laufen zusätzlich verschlüsselt, damit niemand unterwegs mitlesen kann.
SMTP im Alltag und in Softwareprojekten
Du begegnest dem Begriff, sobald du ein Mailkonto von Hand einrichtest. Dort fragt das Programm nach einem Posteingangsserver und einem Postausgangsserver. Der Postausgangsserver ist der SMTP-Server, meist mit Port 587 und Passwortabfrage. Ohne diese Angabe kannst du Mails empfangen, aber keine verschicken.
In der Technikbranche taucht SMTP vor allem hinter automatischen Nachrichten auf. Bestellbestätigungen, Passwort-Links und Systemwarnungen werden von Programmen über SMTP verschickt. Dienste wie Amazon SES, Postmark oder Mailgun verkaufen genau das als Produkt. Auch KI-Assistenten, die selbstständig Mails senden, nutzen am Ende dieselbe alte Technik.
Ein häufiger Irrtum ist, SMTP sei ein Programm oder eine App. Es ist nur eine Vereinbarung darüber, wie Rechner reden. Programme wie Postfix oder Exim setzen diese Vereinbarung um. Und ein zweiter Irrtum: SMTP ist nicht veraltet, sondern täglich milliardenfach in Betrieb.