Sherman Antitrust Act

Sherman Antitrust Act

Der Sherman Antitrust Act ist ein US-Gesetz von 1890, das Absprachen zwischen Unternehmen und den Missbrauch von Marktmacht verbietet. Es ist die Rechtsgrundlage, auf die sich die US-Regierung in großen Verfahren gegen Konzerne wie Microsoft oder Google stützt.

Der Sherman Antitrust Act ist ein Gesetz der USA aus dem Jahr 1890. Es verbietet zwei Dinge. Erstens dürfen sich Firmen nicht miteinander absprechen, um den Wettbewerb auszuschalten, etwa indem sie gemeinsam Preise festsetzen. Zweitens darf eine Firma, die einen Markt fast allein beherrscht, diese Stellung nicht mit unfairen Mitteln ausbauen oder verteidigen. Das Gesetz ist erstaunlich kurz: Die entscheidenden Teile passen auf eine Seite. Was genau « unfair » bedeutet, haben über 130 Jahre lang Gerichte durch Urteile festgelegt.

Ein 130 Jahre altes Gesetz trifft Tech-Konzerne

Als das Gesetz entstand, ging es um Öl, Eisenbahnen und Zucker. Der Ölkonzern Standard Oil kontrollierte damals fast den gesamten US-Markt. 1911 wurde er auf Grundlage des Sherman Act in 34 Einzelfirmen zerschlagen. Dieselben Sätze gelten heute für Suchmaschinen, App-Stores und Cloud-Dienste.

Das macht den Sherman Act für Anleger und Tech-Beobachter wichtig. Ein verlorenes Verfahren kann ein Geschäftsmodell zerstören, nicht nur Geld kosten. Im Extremfall kann ein Gericht anordnen, dass ein Konzern Teile von sich verkaufen muss. Schon die Aussicht darauf bewegt Aktienkurse.

Ein häufiger Irrtum: Groß sein ist nicht verboten. Ein Unternehmen darf 90 Prozent Marktanteil haben, wenn es die schlicht durch besseres Produkt erreicht hat. Verboten ist erst das Verhalten, mit dem Konkurrenten künstlich ausgebremst werden.

Wie ein Verfahren nach dem Sherman Act abläuft

Klagen kann das US-Justizministerium, die Wettbewerbsbehörde FTC, ein einzelner Bundesstaat oder ein geschädigtes Unternehmen. Zuerst muss das Gericht klären, welcher Markt überhaupt betrachtet wird. Diese Frage klingt technisch, entscheidet aber oft den Fall. Ist der Markt « Suchmaschinen » oder « Online-Werbung insgesamt »? Im ersten Fall wirkt ein Anbieter übermächtig, im zweiten nur groß.

Danach prüfen die Richter das Verhalten. Typische Vorwürfe sind Exklusivverträge, die Konkurrenten aussperren, oder die Verknüpfung zweier Produkte, sodass man das eine nur mit dem anderen bekommt. Meist wägen Gerichte ab: Überwiegt der Schaden für den Wettbewerb den Nutzen für Kunden?

Am Ende steht eine Abhilfe, im Fachjargon « Remedy ». Die mildeste Form sind Verhaltensauflagen, etwa das Verbot bestimmter Verträge. Die härteste ist die Aufspaltung des Unternehmens. Solche Verfahren ziehen sich oft fünf bis zehn Jahre hin, weil jede Instanz erneut prüft.

Von Microsoft bis zu den heutigen KI-Deals

Der bekannteste moderne Fall ist Microsoft um das Jahr 2000. Vorwurf: Der Konzern band seinen Browser Internet Explorer so eng an Windows, dass Konkurrenten keine Chance hatten. Eine erste Instanz ordnete die Aufspaltung an, ein Berufungsgericht kippte das wieder. Am Ende blieben Verhaltensauflagen.

2024 entschied ein US-Gericht, dass Google im Bereich Internetsuche ein illegales Monopol unterhält. Zentral waren Milliardenzahlungen an Apple, damit Google auf dem iPhone als Standardsuche eingestellt ist. Ähnliche Verfahren laufen gegen Amazon, Apple und Meta. Sie berufen sich alle auf denselben Text von 1890.

Auch in der KI-Branche taucht der Begriff inzwischen in Nachrichten auf. Behörden schauen genau hin, wenn ein großer Cloud-Anbieter Milliarden in ein KI-Labor investiert und dieses das Geld dann fast vollständig für Rechenleistung beim Investor ausgibt. Zur Abgrenzung: Reine Firmenübernahmen werden meist nach einem anderen Gesetz geprüft, dem Clayton Act. Der Sherman Act greift vor allem beim laufenden Verhalten eines Konzerns.

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