Spec-Phase

Spec-Phase

Die Spec-Phase ist der Abschnitt eines Projekts, in dem genau aufgeschrieben wird, was gebaut werden soll – noch bevor jemand mit dem Bauen anfängt. Das Ergebnis ist ein Dokument, an dem sich später alle Beteiligten messen lassen.

Bevor ein Team eine Software oder ein Gerät baut, muss klar sein, was genau entstehen soll. Genau dafür gibt es die Spec-Phase. « Spec » ist die Kurzform des englischen Wortes « specification », also Spezifikation oder Beschreibung. In dieser Phase schreibt das Team auf, welche Funktionen das Produkt haben muss, wie es sich verhalten soll und woran man am Ende erkennt, dass es fertig ist. Erst danach beginnt die eigentliche Arbeit am Produkt. Man kann sich das wie den Bauplan eines Architekten vorstellen: Er wird gezeichnet, bevor der erste Stein gesetzt wird.

Der Preis eines vergessenen Satzes

Fehler sind in einem Projekt umso teurer, je später sie auffallen. Ein fehlender Satz in der Beschreibung kostet fünf Minuten. Derselbe Fehler, entdeckt nach sechs Monaten Programmierarbeit, kostet unter Umständen Monate. Deshalb gilt die Spec-Phase als die billigste Stelle im Projekt, um sich zu streiten.

Der zweite Grund ist Verständigung. In einem Projekt arbeiten Leute mit sehr unterschiedlichen Blickwinkeln zusammen: Entwickler, Designer, Vertrieb, oft auch Juristen. Alle benutzen dieselben Wörter, meinen aber verschiedene Dinge. Wenn jemand « das System soll schnell antworten » sagt, denkt der eine an eine Sekunde, der andere an eine Minute. Eine Spezifikation zwingt dazu, solche Sätze in Zahlen zu übersetzen.

Drittens ist die Spezifikation ein Maßstab. Ohne sie lässt sich nicht sagen, ob ein Produkt fertig ist oder nicht. Mit ihr kann man Punkt für Punkt abhaken. Bei Aufträgen zwischen Firmen ist das Dokument sogar Teil des Vertrags.

Vom Wunsch zum prüfbaren Satz

Am Anfang stehen Gespräche mit denen, die das Produkt später nutzen oder bezahlen. Aus diesen Gesprächen entsteht eine Liste von Anforderungen. Jede Anforderung wird so umformuliert, dass man sie überprüfen kann. Aus « die App soll benutzerfreundlich sein » wird zum Beispiel: « Ein neuer Nutzer schließt die Anmeldung in unter drei Minuten ab. » Solche Sätze nennt man Akzeptanzkriterien.

Wichtig ist die Trennung zwischen dem Was und dem Wie. Die Spezifikation beschreibt, was passieren soll. Wie es technisch gelöst wird, entscheidet später das Entwicklungsteam. Wer beides vermischt, nimmt sich die Freiheit, bessere Lösungen zu finden.

Zum Schluss lesen alle Beteiligten das Dokument gegen und geben es frei. Danach ist es aber nicht in Stein gemeißelt. Änderungen sind erlaubt, sie laufen nur über ein festes Verfahren, damit niemand überrascht wird. Ein verbreiteter Irrtum ist, die Spec-Phase müsse jede Kleinigkeit vorab klären. In der Praxis reicht oft ein knappes Dokument, das die riskanten Punkte sauber festhält und den Rest offenlässt.

Specs bei KI-Produkten und in der Techpresse

In Nachrichten über Tech-Konzerne taucht der Begriff auf, wenn ein Projekt sich verzögert. Sätze wie « das Produkt steckt noch in der Spec-Phase » bedeuten: Es wird noch nicht gebaut, es wird noch beschrieben. Für Anleger ist das ein Signal, dass bis zum Verkaufsstart viel Zeit vergeht.

Auch bei KI-Systemen wird spezifiziert, allerdings anders. Ein Sprachmodell lässt sich nicht Zeile für Zeile festlegen, weil es aus Beispielen lernt und nicht streng nach Regeln arbeitet. Firmen schreiben deshalb Verhaltensregeln auf: Welche Fragen darf das Modell beantworten, welche nicht, welchen Ton soll es treffen. OpenAI hat so ein Dokument unter dem Namen « Model Spec » veröffentlicht.

Ein verwandter Begriff ist das Lastenheft: Darin schreibt der Auftraggeber, was er will, während das Pflichtenheft die Antwort des Auftragnehmers ist. Wer selbst programmiert, begegnet dem Prinzip im Kleinen. Bevor man Code an eine KI-Assistenz oder an Mitschüler übergibt, hilft es, in drei Sätzen aufzuschreiben, was herauskommen soll.

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