Serverless

Serverless bedeutet, dass ein Anbieter die Computer im Hintergrund vollständig verwaltet und Entwickler nur noch ihren Programmcode abliefern. Bezahlt wird nur die Zeit, in der der Code tatsächlich läuft.

Der Name führt in die Irre: Server gibt es weiterhin. Gemeint ist, dass sich niemand mehr um sie kümmern muss. Wer eine App oder eine Website betreibt, braucht normalerweise einen Computer, der ständig läuft und erreichbar ist. Diesen Rechner muss man einrichten, mit Sicherheitsupdates versorgen und im Auge behalten. Bei Serverless übernimmt das ein großer Anbieter wie Amazon, Microsoft oder Google komplett. Man lädt nur noch ein Stück Programmcode hoch und legt fest, wann es ausgeführt werden soll.

Bezahlen nach Millisekunden statt nach Monatsmiete

Der wichtigste Unterschied liegt bei den Kosten. Ein gemieteter Server kostet Geld, ob er arbeitet oder nicht. Nachts um drei, wenn niemand die Seite besucht, läuft die Rechnung genauso weiter. Bei Serverless wird nur die tatsächliche Rechenzeit abgerechnet, oft in Schritten von Millisekunden. Ohne Anfragen entstehen praktisch keine Kosten.

Der zweite Vorteil ist die automatische Anpassung an die Last. Wenn ein Video plötzlich viral geht und statt hundert Menschen eine Million die Seite aufrufen, startet der Anbieter im Hintergrund einfach mehr Kopien des Codes. Ein klassischer Server wäre unter dieser Last zusammengebrochen. Für kleine Teams ist das enorm wertvoll, weil sie keine eigenen Fachleute für Serverbetrieb brauchen.

Es gibt aber eine Kehrseite. Wer alles bei einem Anbieter aufbaut, kann später nur schwer wechseln, weil jeder Anbieter eigene Regeln und Werkzeuge hat. Fachleute nennen das Lock-in. Außerdem wird Serverless bei sehr großer, gleichmäßiger Dauerlast oft teurer als ein fest gemieteter Server.

Funktionen, Auslöser und das Problem des Kaltstarts

Der Code wird in kleine, abgeschlossene Einheiten zerlegt, sogenannte Funktionen. Eine Funktion erledigt genau eine Aufgabe: ein hochgeladenes Foto verkleinern, eine Bestellung in die Datenbank schreiben, eine E-Mail verschicken. Jede Funktion wartet auf einen Auslöser, also ein bestimmtes Ereignis. Das kann ein Klick auf einer Website sein, eine neue Datei im Speicher oder ein fester Zeitpunkt.

Passiert nichts, existiert die Funktion nur als gespeicherte Datei. Kommt eine Anfrage, startet der Anbieter innerhalb von Sekundenbruchteilen eine kleine, abgeschottete Umgebung, führt den Code aus und räumt sie danach wieder ab. Dieses Hochfahren aus dem Nichts heißt Kaltstart und kostet spürbar Zeit, manchmal eine halbe Sekunde oder mehr. Bei häufig genutzten Funktionen bleibt die Umgebung eine Weile warm, dann entfällt die Verzögerung.

Daraus folgt eine wichtige Eigenschaft: Serverless-Funktionen dürfen sich nichts merken. Alles, was gespeichert werden soll, muss in eine externe Datenbank oder einen Speicherdienst. Fachleute nennen das zustandslos. Auch die Laufzeit ist begrenzt, oft auf wenige Minuten. Für lange Rechenaufgaben ist die Technik deshalb ungeeignet.

Von der Handy-App bis zur KI-Abfrage

Serverless steckt hinter vielen Diensten, ohne sichtbar zu sein. Wenn eine Streaming-Plattform nach dem Hochladen automatisch Vorschaubilder erzeugt, läuft dahinter oft eine solche Funktion. Auch Kontaktformulare, Chat-Benachrichtigungen und die Abrechnung in Online-Shops werden häufig so gebaut. Der Nutzer merkt davon nichts, er sieht nur eine Website, die reagiert.

In den Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff vor allem im Zusammenhang mit Cloud-Anbietern auf, also Firmen, die Rechenleistung übers Internet vermieten. Amazon Web Services startete 2014 mit dem Dienst Lambda die Entwicklung, Microsoft und Google zogen nach. Serverless gilt als eines der Geschäftsfelder, mit denen diese Konzerne Kunden langfristig an sich binden.

Zunehmend wird die Idee auch auf KI übertragen. Statt eine teure Grafikkarte dauerhaft zu mieten, ruft man ein KI-Modell über eine Schnittstelle auf und zahlt pro Anfrage. Anbieter werben dafür mit Begriffen wie serverless inference. Das Prinzip bleibt dasselbe: fremde Hardware, eigene Aufgabe, Abrechnung nach Verbrauch.

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