Low Earth Orbit
Der Low Earth Orbit ist der Bereich rund 200 bis 2.000 Kilometer über der Erdoberfläche, in dem die meisten Satelliten kreisen. Weil sie dort sehr nah sind, funken sie schneller und brauchen weniger Sendeleistung – müssen die Erde aber alle 90 Minuten einmal umrunden.
Der Low Earth Orbit ist eine Umlaufbahn dicht über der Erde. Ein Satellit dort fliegt etwa 200 bis 2.000 Kilometer hoch. Zum Vergleich: Ein Passagierflugzeug bleibt bei rund 10 Kilometern. Die Entfernung Berlin–Rom beträgt etwa 1.200 Kilometer. Solche Satelliten sind also überraschend nah. Dafür bewegen sie sich sehr schnell, mit ungefähr 28.000 Kilometern pro Stunde. Eine volle Erdumrundung dauert nur etwa 90 Minuten. Von einem festen Punkt am Boden aus gesehen zieht so ein Satellit in wenigen Minuten über den Himmel und verschwindet wieder. Die englische Abkürzung LEO ist auch im Deutschen gebräuchlich.
Warum das wichtig ist
Die Nähe zur Erde entscheidet über zwei Dinge: Verzögerung und Kosten. Funksignale brauchen Zeit für den Weg nach oben und zurück. Aus 550 Kilometern Höhe ist diese Verzögerung kaum spürbar, etwa 20 bis 50 Millisekunden. Klassische Fernsehsatelliten stehen dagegen fast 36.000 Kilometer hoch. Dort summiert sich die Verzögerung auf eine halbe Sekunde und mehr. Für Videotelefonie oder Online-Spiele ist das störend.
Außerdem sind erdnahe Satelliten kleiner und billiger. Man kann sie in Serie bauen und dutzendweise mit einer Rakete starten. Genau das hat einen Boom ausgelöst: Firmen wie SpaceX, Amazon oder der europäische Anbieter Eutelsat OneWeb bringen tausende Satelliten nach oben. Für Anleger ist LEO deshalb ein eigenes Investmentthema geworden.
Wie es funktioniert
Ein Satellit fällt eigentlich ständig zur Erde. Er fliegt aber gleichzeitig so schnell seitwärts, dass er die Erdkrümmung immer wieder “verpasst”. Dieses ewige Vorbeifallen ist die Umlaufbahn. Je niedriger die Bahn, desto schneller muss er dafür sein.
Ein einzelner LEO-Satellit ist für Internet nutzlos, weil er nach Minuten weiterzieht. Deshalb baut man Konstellationen: hunderte oder tausende Satelliten, die sich abwechseln. Sobald einer den Horizont verlässt, übernimmt der nächste, ähnlich wie ein Handy von Funkmast zu Funkmast wechselt. Viele dieser Satelliten geben Daten zusätzlich per Laser untereinander weiter, statt jedes Mal über eine Bodenstation zu gehen.
In dieser Höhe gibt es noch Spuren von Luft. Die bremsen den Satelliten langsam ab. Ohne gelegentliches Nachschieben mit einem kleinen Antrieb sinkt er nach wenigen Jahren ab und verbrennt. Das ist einerseits praktisch, weil kein Dauermüll entsteht. Andererseits müssen Betreiber ihre Flotte ständig ersetzen.
Wo man dem Begriff begegnet
Am bekanntesten ist Starlink, das Satelliteninternet von SpaceX. Es liefert Anschlüsse an Orte ohne Kabel: Bauernhöfe, Schiffe, Flugzeuge, Krisengebiete. Auch die Internationale Raumstation ISS kreist im Low Earth Orbit, ebenso das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus der EU. Dessen Bilder stecken hinter Wetterdiensten und Klimastudien.
In Wirtschaftsnachrichten taucht LEO bei Milliardeninvestitionen und Regulierung auf. Ein Dauerthema ist Weltraumschrott: Je voller die Bahnen, desto höher das Risiko von Kollisionen. Astronominnen und Astronomen kritisieren zudem, dass die Satelliten helle Streifen über Teleskopbilder ziehen. Auch die KI-Branche interessiert sich für LEO. Es gibt erste Pläne, Rechenzentren in die Umlaufbahn zu bringen, weil dort Sonnenlicht dauerhaft verfügbar ist und Kühlung anders funktioniert. Ob sich das rechnet, ist offen.