
Colocation
Colocation heißt: Ein Unternehmen stellt seine eigenen Computer in ein fremdes Gebäude, das dafür gebaut ist – mit Strom, Kühlung, Internetanschluss und Bewachung. Die Geräte gehören der Firma, das Haus und die Versorgung gehören dem Anbieter.
Große Computer, die rund um die Uhr Daten für andere bereitstellen, nennt man Server. Sie brauchen viel Strom, erzeugen viel Wärme und dürfen nie ausfallen. Ein normales Bürogebäude ist dafür ungeeignet. Deshalb mieten viele Firmen Platz in einem Gebäude, das genau dafür gebaut wurde: mit starker Stromversorgung, Kühlung, schnellen Leitungen und Zugangskontrolle. Diese Miete von Stellplatz für eigene Geräte heißt Colocation. Die Firma besitzt die Maschinen weiter, sie stehen nur woanders.
Warum Firmen ihre Server nicht im eigenen Keller lassen
Ein eigener Serverraum ist teuer, und zwar dauerhaft. Man braucht eine Klimaanlage, Notstrom für den Fall eines Stromausfalls, eine Brandmeldeanlage und Techniker. Diese Kosten fallen an, egal ob zehn oder tausend Geräte darin stehen. Ein Colocation-Anbieter baut das einmal für hunderte Kunden und verteilt die Kosten. Für die einzelne Firma wird es dadurch deutlich günstiger.
Der zweite Grund ist die Anbindung. In großen Colocation-Häusern treffen sich viele Internetanbieter unter einem Dach. Daten müssen dann nicht quer durchs Land, sondern nur ein Kabel weiter. Das senkt die Verzögerung, also die Zeit zwischen Anfrage und Antwort. Für Online-Spiele, Videostreaming und den Börsenhandel ist das der entscheidende Punkt.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Cloud. Bei der Cloud mietet man Rechenleistung auf fremden Geräten und besitzt selbst keine Hardware. Bei Colocation gehören die Geräte weiter der Firma. Man mietet nur das Drumherum. Wer besondere Hardware braucht oder aus rechtlichen Gründen wissen muss, wo genau seine Daten liegen, wählt oft Colocation.
Racks, Strom und Kühlung: was man tatsächlich mietet
Server sind flache Kästen, die in Metallgestelle geschoben werden. Diese Gestelle heißen Racks und sind etwa zwei Meter hoch. Gemietet wird entweder ein Teil eines Racks, ein ganzes Rack oder ein abgeschlossener Käfig mit mehreren Racks. Abgerechnet wird aber selten nach Fläche. Der eigentliche Maßstab ist die Strommenge, die man beziehen darf, gemessen in Kilowatt.
Das klingt merkwürdig, hat aber einen einfachen Grund. Jedes Watt, das ein Server verbraucht, wird am Ende zu Wärme. Diese Wärme muss weggekühlt werden, sonst schalten die Geräte ab. Kühlung ist damit die eigentliche Grenze eines Rechenzentrums, nicht der Platz. Ein Anbieter verkauft also im Kern Strom und die Fähigkeit, die entstehende Hitze abzuführen.
Dazu kommt Sicherheit auf zwei Ebenen. Physisch gibt es Zäune, Kameras, Vereinzelungsanlagen und abschließbare Racks. Technisch gibt es doppelte Stromwege, Batterien für die ersten Minuten und Dieselgeneratoren für längere Ausfälle. Anbieter versprechen dafür eine Verfügbarkeit von oft 99,99 Prozent im Jahr. Das entspricht ungefähr einer Stunde Ausfall pro Jahr.
KI-Boom, Aktienkurse und der Blick in die Nachbarschaft
In Wirtschaftsnachrichten tauchen Colocation-Anbieter derzeit ständig auf. Der Grund ist der Bedarf an Rechenleistung für Künstliche Intelligenz. Die dafür genutzten Spezialchips verbrauchen pro Rack ein Vielfaches herkömmlicher Server. Alte Rechenzentren schaffen diese Leistungsdichte nicht, neue werden im Rekordtempo gebaut. Häufig ist inzwischen der Anschluss ans Stromnetz der Engpass, nicht das Baugrundstück.
Ein zweiter Bereich ist der Börsenhandel. Handelsplätze bieten Firmen Stellplätze direkt neben dem eigenen Handelssystem an. Wenige Meter Kabel weniger bedeuten Mikrosekunden Vorsprung. Diese Praxis ist umstritten, weil sie Geschwindigkeit käuflich macht.
Im Alltag merkt man von Colocation nichts, nutzt sie aber ständig. Ein Videostream startet schnell, weil Kopien des Films in einem Rechenzentrum in der Nähe liegen. Auch Frankfurt spielt hier eine Rolle: Dort steht ein der weltweit größten Internetknoten, und rundherum viele Colocation-Häuser. Wer über Standorte, Strompreise oder Rechenzentrumsflächen in Nachrichten liest, liest fast immer über dieses Geschäft.