
Commoditization
Commoditization beschreibt, wie ein Produkt vom besonderen Angebot zur austauschbaren Massenware wird. Wenn viele Anbieter fast dasselbe liefern, entscheidet nur noch der Preis — in der KI-Branche gilt das inzwischen für viele Sprachmodelle.
Manche Produkte sind so ähnlich, dass es kaum einen Unterschied macht, bei wem man sie kauft. Benzin ist so ein Fall, Zucker auch, oder Strom aus der Steckdose. Der Käufer schaut dann nur noch auf den Preis, nicht auf die Marke. Commoditization ist der englische Fachbegriff für diese Entwicklung: Ein Produkt verliert seine Besonderheit und wird zur Massenware. Das Wort stammt von „commodity“, also Handelsware oder Rohstoff. Wichtig ist: Das Produkt wird dabei nicht schlechter. Es wird nur von so vielen Anbietern so ähnlich hergestellt, dass niemand mehr einen Aufpreis verlangen kann.
Was passiert, wenn die Marge verschwindet
Für Unternehmen ist Commoditization meist eine schlechte Nachricht. Solange ein Produkt einzigartig ist, kann man hohe Preise durchsetzen. Sobald es Austauschware ist, drücken die Konkurrenten den Preis so weit, dass kaum Gewinn übrig bleibt. Wirtschaftlich nennt man diesen Gewinnanteil pro verkaufter Einheit die Marge.
Für Kunden ist genau das dagegen eine gute Nachricht. Fernseher, Speicherkarten und Solarmodule sind über Jahre dramatisch billiger geworden, weil sehr viele Firmen sie bauen können. Wer eine Technologie nur benutzen will, profitiert also von Commoditization.
Für Anleger ist der Begriff deshalb ein Warnsignal. Wenn Analysten sagen, ein Geschäft „commoditisiere“, meinen sie: Die hohen Gewinne von heute sind nicht sicher. Firmen versuchen dann, sich anders abzugrenzen — über Service, Geschwindigkeit, Datenschutz oder eine besonders bequeme Bedienung.
Der Weg von der Erfindung zur Massenware
Am Anfang steht meistens ein Anbieter mit einem Vorsprung. Er hat etwas erfunden, das sonst niemand kann, und verlangt dafür viel Geld. Diese hohen Gewinne locken Nachahmer an. Mit der Zeit verbreitet sich das Wissen, über Fachartikel, über Mitarbeiter, die wechseln, über Nachbau.
Dann kommen zwei Beschleuniger hinzu. Erstens Standards: Wenn alle Anbieter dieselben Schnittstellen benutzen, kann der Kunde ohne Aufwand wechseln. Zweitens Open Source, also Software, deren Bauplan öffentlich und kostenlos verfügbar ist. Wenn eine brauchbare Gratisversion existiert, sinkt der Preis für alle anderen automatisch.
Ein häufiger Irrtum ist, Commoditization mit Billigware zu verwechseln. Weizen ist eine Commodity, aber nicht minderwertig. Entscheidend ist allein die Austauschbarkeit. Und Commoditization ist kein Naturgesetz: Sie lässt sich bremsen, etwa durch Patente, durch schwer beschaffbare Rohstoffe oder durch riesige Fabriken, die sich kaum jemand leisten kann.
Sprachmodelle als Austauschware
In den KI-Nachrichten der letzten Jahre ist Commoditization eines der Hauptthemen. Sprachmodelle wie ChatGPT waren 2022 noch eine Sensation. Heute gibt es Dutzende Modelle mit ähnlicher Qualität, viele davon frei herunterladbar. Die Preise pro verarbeiteter Textmenge sind seit dem Start um mehr als das Hundertfache gefallen.
Deshalb streiten Fachleute darüber, wo in der KI-Branche das Geld künftig verdient wird. Bei den Modellen selbst wird es enger. Anders sieht es bei den Spezialchips für KI-Berechnungen aus: Sie sind schwer herzustellen, und wenige Firmen beherrschen das. Dort ist die Commoditization noch weit entfernt.
Wer Aktiennachrichten liest, trifft den Begriff auch weit außerhalb der KI. Bei Smartphones, Cloud-Speicher oder Elektroautobatterien wird ständig gefragt, ob das Produkt austauschbar wird. Die Antwort entscheidet oft darüber, ob eine Firma an der Börse als Wachstumshoffnung oder als reiner Massenhersteller gilt.