
Class-A-Aktien
Class-A-Aktien sind eine von mehreren Aktiengattungen eines Unternehmens, die sich meist im Stimmrecht unterscheiden. Wer solche Aktien besitzt, hat oft mehr oder weniger Einfluss auf Unternehmensentscheidungen als Besitzer anderer Gattungen desselben Unternehmens.
Eine Aktie ist ein kleiner Anteil an einem Unternehmen. Wer sie besitzt, gehört zu den Eigentümern und darf bei wichtigen Entscheidungen mitstimmen. Manche Unternehmen geben aber nicht nur eine Sorte Aktien aus, sondern mehrere. Diese Sorten heißen Gattungen oder Klassen und werden mit Buchstaben unterschieden. Class-A-Aktien sind die Aktien der Klasse A. Was genau sie von Klasse B oder C unterscheidet, legt jedes Unternehmen selbst fest. Meistens geht es um die Frage, wie viele Stimmen eine einzelne Aktie bei Abstimmungen zählt.
Warum Gründer die Kontrolle behalten wollen
Ein Unternehmen an die Börse zu bringen bedeutet, Anteile an Fremde zu verkaufen. Damit gibt man normalerweise auch Macht ab. Wer die Mehrheit der Stimmen besitzt, kann die Führung austauschen oder das Unternehmen verkaufen. Genau davor haben viele Gründer Angst. Mehrere Aktienklassen sind ihre Lösung für dieses Problem.
Das Prinzip ist einfach. Die Gründer behalten eine Klasse mit vielen Stimmen pro Aktie. An der Börse verkaufen sie eine andere Klasse mit wenigen oder gar keinen Stimmen. So sammeln sie Geld ein, ohne die Kontrolle zu verlieren. Bei Alphabet, der Muttergesellschaft von Google, haben die Gründer über eine Sonderklasse jahrelang die Mehrheit der Stimmen gehalten, obwohl ihnen nur ein kleiner Teil des Unternehmens gehörte.
Für Anleger ist das ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite kann eine stabile Führung langfristig denken, statt auf schnelle Quartalszahlen zu schielen. Auf der anderen Seite können normale Aktionäre eine schlechte Führung nicht abwählen. Viele Fondsgesellschaften kritisieren solche Strukturen deshalb offen.
Was die Buchstaben bedeuten
Es gibt keine allgemeine Regel, was A, B oder C heißt. Der Buchstabe ist nur ein Etikett aus der Satzung des Unternehmens. Bei Meta zum Beispiel sind Class-A-Aktien die frei handelbaren Aktien mit einer Stimme. Die Class-B-Aktien liegen bei Mark Zuckerberg und Vertrauten und haben zehn Stimmen. Bei Berkshire Hathaway ist es genau umgekehrt herum gedacht: Dort ist die Class-A-Aktie die teure Ursprungsaktie mit vollem Stimmrecht, die Class-B-Aktie eine billigere Variante mit stark reduziertem Einfluss.
Ein Vergleich hilft beim Verstehen. Stell dir einen Sportverein vor, in dem Gründungsmitglieder zehn Stimmen haben und neue Mitglieder je eine. Alle zahlen denselben Beitrag und bekommen dieselben Leistungen. Aber bei der Wahl des Vorstands entscheidet praktisch die kleine Gruppe der Gründer. Genau so funktioniert eine Struktur mit mehreren Aktienklassen.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Dividende, also zum ausgeschütteten Gewinnanteil. Der ist bei beiden Klassen meist gleich hoch. Der Unterschied liegt fast immer beim Stimmrecht, nicht beim Geld. Trotzdem kosten die Klassen an der Börse oft leicht unterschiedlich viel, weil Einfluss und Handelbarkeit ihren eigenen Preis haben.
Wo dir die Klassen bei Tech-Aktien auffallen
Wer bei einem Broker nach Alphabet sucht, findet zwei Einträge: GOOGL und GOOG. Das sind keine zwei Unternehmen, sondern zwei Klassen desselben Unternehmens. GOOGL hat eine Stimme pro Aktie, GOOG gar keine. Die Kurse liegen fast immer sehr nah beieinander. Wer das nicht weiß, wundert sich beim Kauf über den doppelten Treffer.
Auch in Nachrichten taucht das Thema regelmäßig auf. Wenn es heißt, ein Gründer kontrolliere sein Unternehmen trotz kleiner Beteiligung, steckt fast immer eine Mehrklassenstruktur dahinter. Besonders viele Tech-Firmen aus den USA sind so an die Börse gegangen. In Deutschland ist das seltener, weil das Aktienrecht Mehrstimmrechte lange verboten hat und sie erst seit 2023 wieder eingeschränkt erlaubt.
Für dich als Leser ist die praktische Lehre kurz. Prüfe bei einer Aktie, welche Klasse du eigentlich vor dir hast. Der Buchstabe im Namen verrät den Unterschied nicht von allein. Die Details stehen im Wertpapierprospekt oder auf der Investorenseite des Unternehmens.