Vorzugsaktien

Vorzugsaktien

Vorzugsaktien sind Anteile an einem Unternehmen, deren Besitzer meist nicht mitbestimmen dürfen, dafür aber bei der Gewinnausschüttung bevorzugt werden. Sie sind das Gegenstück zur gewöhnlichen Stammaktie, die ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung mitbringt.

Wer eine Aktie kauft, kauft einen kleinen Anteil an einem Unternehmen. Normalerweise sind damit zwei Dinge verbunden: ein Anspruch auf einen Teil des Gewinns und eine Stimme bei wichtigen Entscheidungen. Diese Entscheidungen fallen auf der Hauptversammlung, dem jährlichen Treffen aller Anteilseigner. Vorzugsaktien trennen diese beiden Dinge voneinander. Ihre Besitzer verzichten in der Regel auf die Stimme, bekommen dafür aber mehr oder zuverlässiger vom Gewinn ausgezahlt. Die Auszahlung des Gewinns an die Anteilseigner nennt man Dividende.

Warum Firmen auf Stimmen verzichten lassen

Ein Unternehmen, das wachsen will, braucht Geld. Es kann sich Geld leihen, oder es kann neue Anteile ausgeben und verkaufen. Der zweite Weg hat einen Haken: Wer neue Anteile ausgibt, verteilt auch die Macht neu. Eine Gründerfamilie, die bisher die Mehrheit hielt, kann nach der Ausgabe plötzlich überstimmt werden.

Vorzugsaktien lösen genau dieses Problem. Das Unternehmen sammelt frisches Geld ein, ohne die Kontrolle abzugeben. Als Ausgleich für das fehlende Stimmrecht bekommen die Käufer einen finanziellen Vorteil. In Deutschland ist das gesetzlich vorgeschrieben: Ohne Stimmrecht muss es einen Vorzug bei der Dividende geben. Sonst wäre der Anteil einfach schlechter als ein normaler.

Für Anleger ergibt sich daraus eine einfache Rechnung. Wer nur wenige Anteile besitzt, hat auf der Hauptversammlung ohnehin kaum Einfluss. Eine einzelne Stimme unter Millionen ändert nichts. Für solche Anleger ist die höhere Dividende attraktiver als ein Stimmrecht, das sie nie sinnvoll einsetzen könnten. Große Investoren dagegen zahlen für Stimmrechte gern mehr.

Was der Vorzug konkret bedeutet

Der häufigste Vorzug ist ein Aufschlag auf die Dividende. Zahlt ein Unternehmen auf die gewöhnliche Aktie zum Beispiel zwei Euro, bekommt die Vorzugsaktie vielleicht 2,06 Euro. Der Unterschied wirkt klein, gilt aber Jahr für Jahr. Bei manchen Unternehmen ist der Vorzug ein fester Betrag, bei anderen ein prozentualer Zuschlag.

Wichtiger ist oft die zweite Regel: der Nachholeffekt. Kann ein Unternehmen in einem schlechten Jahr keine Dividende zahlen, bleibt der Anspruch der Vorzugsaktionäre bestehen. Im nächsten guten Jahr wird zuerst dieser Rückstand beglichen, erst danach bekommen die Stammaktionäre etwas. Man spricht dann von kumulativen Vorzugsaktien. Fällt die Zahlung zwei Jahre hintereinander aus, leben die Stimmrechte in Deutschland sogar wieder auf.

Ein verbreiteter Irrtum: Vorzugsaktien seien sicherer als Stammaktien. Das stimmt nur begrenzt. Geht das Unternehmen pleite, stehen beide Aktienarten ganz hinten in der Reihe der Gläubiger. Wer dem Unternehmen Geld geliehen hat, wird zuerst bedient. Der Vorzug wirkt bei der Gewinnverteilung, nicht im Insolvenzfall.

Vorzüge und Stämme an der Börse

In Deutschland sind Vorzugsaktien besonders bei traditionsreichen Familienunternehmen verbreitet. Bekannte Beispiele sind Volkswagen, Henkel, Porsche und Sartorius. Bei manchen dieser Firmen sind beide Aktienarten getrennt an der Börse handelbar. Im Kürzel steht dann oft ein „Vz“ für Vorzugsaktie und ein „St“ für Stammaktie.

Interessant ist der Preisunterschied zwischen beiden. Meistens sind Vorzugsaktien etwas billiger, weil das Stimmrecht fehlt. Diese Lücke nennt man Spread. Sie kann sich stark verändern, wenn ein Übernahmeversuch im Raum steht. Dann werden Stimmrechte plötzlich wertvoll, und die Stammaktien steigen deutlich stärker.

In Börsennachrichten taucht der Begriff deshalb häufig bei Meldungen über Machtkämpfe in Konzernen auf. Auch bei jungen Technologiefirmen begegnet man verwandten Konstruktionen, dort meist unter dem englischen Namen Preferred Shares. Wer eine Aktie kaufen will, sollte in jedem Fall genau hinschauen, welche Variante gemeint ist. Kurswerte in Tabellen beziehen sich nicht immer auf dieselbe Aktienart.

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