Vektorgrafik

Eine Vektorgrafik ist ein Bild, das nicht aus einzelnen Bildpunkten besteht, sondern aus Rechenanweisungen für Linien, Kurven und Flächen. Dadurch bleibt sie in jeder Größe gestochen scharf – vom Briefmarkenformat bis zur Hauswand.

Ein Foto auf dem Bildschirm besteht aus Millionen winziger farbiger Punkte, den Pixeln. Zoomt man weit hinein, sieht man irgendwann Klötzchen. Eine Vektorgrafik ist anders aufgebaut. Sie speichert keine Punkte, sondern Beschreibungen: ein Kreis mit diesem Mittelpunkt und diesem Radius, eine Linie von hier nach dort, diese Fläche in Rot. Der Computer rechnet das Bild bei jeder Anzeige neu aus. Deshalb bleibt es scharf, egal wie stark man es vergrößert.

Warum Logos fast immer Vektoren sind

Ein Firmenlogo muss auf sehr unterschiedlichen Flächen funktionieren. Es steht auf einer Visitenkarte, auf einer Website, auf einem Werbeplakat und manchmal auf einem LKW. Läge es nur als Punktbild vor, bräuchte man für jede Größe eine eigene Datei. Und wer es zu stark vergrößert, bekommt unscharfe Kanten. Als Vektorgrafik reicht eine einzige Datei für alle Fälle.

Dazu kommt die Dateigröße. Ein einfaches Logo mit zwanzig Formen braucht vielleicht ein paar Kilobyte. Dasselbe Motiv als Punktbild in Plakatgröße kann mehrere Megabyte belegen. Für Websites ist das ein handfester Vorteil, weil kleine Dateien schneller laden.

Ein dritter Punkt wird oft übersehen: Vektorgrafiken lassen sich nachträglich verändern. Man kann eine Farbe austauschen oder eine Form verschieben, ohne das Bild neu zu zeichnen. Bei einem Punktbild müsste man einzelne Pixel übermalen.

Kurven aus Zahlen statt Punkte aus Farbe

Die wichtigsten Bausteine einer Vektorgrafik sind sogenannte Bézierkurven. Das sind Kurven, die durch wenige Kontrollpunkte festgelegt werden. Man kann sich das wie einen biegsamen Draht vorstellen, an dem man an einigen Stellen zieht. Aus solchen Kurven setzt man Buchstaben, Symbole und ganze Illustrationen zusammen. Jede Form bekommt zusätzlich Angaben zu Füllfarbe, Randstärke und Reihenfolge.

Damit ein Bildschirm die Grafik anzeigen kann, muss sie am Ende doch in Pixel umgewandelt werden. Diesen Schritt nennt man Rastern. Er passiert aber erst beim Anzeigen und immer in der gerade benötigten Auflösung. Die gespeicherte Datei selbst bleibt frei von Pixeln.

Daraus ergibt sich auch die Grenze des Verfahrens. Ein Porträtfoto besteht aus unzähligen feinen Farbverläufen ohne klare Kanten. Diese Struktur in Formeln zu beschreiben wäre aufwendig und würde schlecht aussehen. Fotos speichert man deshalb weiter als Pixelbilder, etwa im Format JPEG. Vektoren spielen ihre Stärke bei klaren Formen aus: Logos, Schrift, Diagramme, Karten, Bedienelemente.

SVG-Dateien, Karten-Apps und KI-Bildwerkzeuge

Das verbreitetste Vektorformat im Internet heißt SVG. Die Abkürzung steht für Scalable Vector Graphics, also skalierbare Vektorgrafiken. Fast jedes Symbol auf modernen Websites – das Lupensymbol für die Suche, das Menüzeichen aus drei Strichen – ist eine SVG-Datei. Öffnet man sie in einem Texteditor, sieht man tatsächlich lesbaren Text mit Koordinaten. Für Druck und Grafikdesign sind außerdem die Formate PDF, EPS und AI üblich.

Auch abseits von Symbolen begegnet man dem Prinzip täglich. Digitale Karten in Navigations-Apps sind vektorbasiert. Nur deshalb kann man stufenlos hinein- und herauszoomen, während Straßennamen lesbar bleiben und sich mitdrehen. Schriftarten funktionieren nach demselben Prinzip: Jeder Buchstabe ist eine gespeicherte Kurvenform.

In den KI-Nachrichten taucht der Begriff an zwei Stellen auf. Bildgeneratoren wie Midjourney oder DALL·E liefern zunächst Pixelbilder, keine Vektoren. Deshalb bieten inzwischen mehrere Anbieter eine automatische Umwandlung an, das sogenannte Vektorisieren. Ein Programm sucht dabei Kanten im Pixelbild und legt Kurven darüber. Das Ergebnis ist brauchbar für einfache Motive, bei Fotos aber selten überzeugend. Parallel gibt es Modelle, die direkt SVG-Code erzeugen – ein Forschungsfeld, das sich gerade schnell entwickelt.

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