Vim
Vim ist ein Programm zum Schreiben und Bearbeiten von Text, das vollständig über die Tastatur bedient wird. Es gilt als extrem schnell für geübte Nutzer, aber als schwer zu erlernen, weil man Tasten je nach Modus unterschiedlich benutzt.
Vim ist ein Programm zum Schreiben und Ändern von Text. Vor allem Programmiererinnen und Programmierer nutzen es, um den Quelltext von Software zu tippen. Anders als in Word oder Google Docs gibt es keine Maus, keine Symbolleiste und keine Menüs. Alles läuft über die Tastatur. Vim ist über 30 Jahre alt und wurde 1991 von dem Niederländer Bram Moolenaar veröffentlicht. Es ist kostenlos, sein Quelltext ist offen einsehbar, und es läuft auf praktisch jedem Computer.
Warum ein Editor aus den Neunzigern noch benutzt wird
Wer viel programmiert, tippt stundenlang. Jede Handbewegung zur Maus kostet dabei Zeit. Vim wurde gebaut, damit die Finger auf der Tastatur bleiben können. Geübte Nutzer löschen einen ganzen Absatz oder tauschen Wörter mit zwei, drei Tastendrücken aus. Das klingt nach wenig, summiert sich über einen Arbeitstag aber deutlich.
Ein zweiter Grund ist Verfügbarkeit. Auf fast jedem Server, der irgendwo im Internet läuft, ist Vim oder sein Vorgänger vi bereits installiert. Server haben oft keine grafische Oberfläche, sondern nur eine Textkonsole. Wer dort eine Konfigurationsdatei reparieren muss, kann sich auf Vim verlassen. Deshalb lernen viele IT-Fachleute zumindest die Grundbefehle.
Vim hat allerdings einen Ruf als schwierig. Der häufigste Witz im Netz dreht sich darum, dass Anfänger das Programm nicht mehr beenden können. Der Befehl dafür lautet :q und ist nirgends sichtbar. Diese Lernhürde ist real: Die ersten Stunden mit Vim fühlen sich langsamer an als jeder andere Editor.
Die Sache mit den Modi
Der zentrale Unterschied zu normalen Textprogrammen sind die Modi. Ein Modus ist ein Zustand, in dem dieselbe Taste etwas anderes bewirkt. Im Normalmodus schreibt die Taste x kein x, sondern löscht ein Zeichen. Erst im Einfügemodus tippt man wie gewohnt Buchstaben. Man wechselt mit i hinein und mit der Escape-Taste wieder heraus.
Man kann sich das wie die Umschalttaste am Handy vorstellen, nur konsequenter. Weil die Buchstabentasten im Normalmodus frei sind, stehen sie als Befehle zur Verfügung. Diese Befehle lassen sich zudem kombinieren wie eine kleine Sprache. d steht für löschen, w für ein Wort, also löscht dw ein Wort. 3dw löscht drei Wörter. Wer die Bausteine kennt, kann sie neu zusammensetzen, ohne jede Kombination einzeln auswendig zu lernen.
Dazu kommt, dass sich Vim weitgehend umbauen lässt. In einer Einstellungsdatei legt man eigene Tastenkürzel fest oder installiert Erweiterungen, etwa zur automatischen Vervollständigung von Code. Manche Nutzer verbringen so viel Zeit mit dieser Konfiguration, dass daraus ein eigener Running Gag geworden ist.
Vim im Alltag und in der Tech-Branche
Am direktesten begegnet man Vim in einer Textkonsole, also einem Fenster, in dem man Befehle eintippt statt zu klicken. Auf Rechnern mit den Betriebssystemen Linux und macOS ist es meist schon vorhanden. Startet man dort ein Programm, das eine Texteingabe verlangt, landet man manchmal ungewollt in Vim.
Auch moderne Programmierumgebungen wie Visual Studio Code bieten einen Vim-Modus an. Damit übernimmt man die Tastenbefehle, behält aber die grafische Oberfläche. Beliebt ist außerdem Neovim, eine überarbeitete Abspaltung von Vim mit modernerer Technik. Sie taucht regelmäßig in Umfragen unter Entwicklern und in Diskussionen auf Plattformen wie GitHub auf.
Ein verbreiteter Irrtum ist, Vim sei ein Konkurrent zu KI-Werkzeugen für Code. Tatsächlich ergänzen sie sich: Es gibt Erweiterungen, die KI-Assistenten direkt in Vim einbinden. Der Editor bleibt dabei nur die Oberfläche, in der der Text entsteht. Deshalb bleibt Vim auch in einer Branche relevant, in der sich sonst fast jährlich alles ändert.