Very Large Online Search Engine

Very Large Online Search Engine

Very Large Online Search Engine ist ein rechtlicher Begriff der Europäischen Union für Suchmaschinen mit sehr vielen Nutzern in der EU. Wer so eingestuft wird, muss strengere Regeln erfüllen als kleinere Anbieter, etwa zu Risiken, Werbung und Kontrolle von außen.

Die Europäische Union hat 2022 ein Gesetz für das Internet beschlossen, das Digital Services Act heißt, auf Deutsch Gesetz über digitale Dienste. Darin werden Anbieter nach ihrer Größe in Gruppen eingeteilt. Eine dieser Gruppen sind Suchmaschinen mit besonders vielen Nutzern in Europa. Die englische Bezeichnung dafür lautet Very Large Online Search Engine, abgekürzt VLOSE. Die Schwelle liegt bei durchschnittlich 45 Millionen aktiven Nutzern pro Monat in der EU. Das entspricht ungefähr zehn Prozent aller Menschen in der Union. Wer darüber liegt, wird von der EU-Kommission offiziell benannt und bekommt zusätzliche Pflichten.

Warum die EU Suchmaschinen extra einsortiert

Eine Suchmaschine entscheidet mit, welche Informationen Millionen Menschen überhaupt zu sehen bekommen. Wer bei einer Suche nach einem Medikament, einer Wahl oder einem Kriegsereignis auf Platz eins steht, hat enormen Einfluss. Bei einem kleinen Anbieter fällt eine schlechte Sortierung kaum auf. Bei einem Dienst mit hunderten Millionen Suchanfragen täglich kann derselbe Fehler eine ganze Gesellschaft betreffen.

Deshalb gilt in dem Gesetz eine einfache Logik: mehr Reichweite bedeutet mehr Verantwortung. Kleine Blogs und Nischenportale müssen nur Grundpflichten erfüllen, etwa rechtswidrige Inhalte nach einer Meldung zu entfernen. Sehr große Dienste müssen zusätzlich systematisch prüfen, welchen Schaden sie anrichten könnten. Diese Prüfung nennt das Gesetz Risikobewertung.

Wichtig ist die Abgrenzung zu einem verwandten Begriff. Eine Very Large Online Platform, kurz VLOP, ist eine sehr große Plattform wie ein soziales Netzwerk oder ein Marktplatz. Dort stellen Nutzer selbst Inhalte ein. Eine Suchmaschine erstellt dagegen keine eigenen Inhalte, sondern verweist auf fremde Seiten. Weil diese Rolle anders ist, hat die EU für Suchmaschinen eine eigene Kategorie geschaffen.

Von der Nutzerzahl zur Benennung

Der Ablauf beginnt bei den Anbietern selbst. Sie müssen mindestens halbjährlich veröffentlichen, wie viele aktive Nutzer sie in der EU im Monatsdurchschnitt haben. Liegt diese Zahl über 45 Millionen, kann die EU-Kommission den Dienst per Beschluss als Very Large Online Search Engine benennen. Vier Monate nach der Benennung gelten die strengeren Regeln.

Danach muss der Anbieter jedes Jahr eine Risikobewertung erstellen. Untersucht wird zum Beispiel, ob die Suche gezielte Falschinformationen verbreitet, Minderjährige gefährdet oder Wahlen beeinflussen kann. Zu jedem erkannten Risiko braucht es Gegenmaßnahmen. Zusätzlich prüfen unabhängige Prüfstellen einmal jährlich, ob der Anbieter seine Pflichten wirklich erfüllt. Diese Prüfung zahlt das Unternehmen selbst, das Ergebnis wird aber veröffentlicht.

Weitere Pflichten kommen hinzu. Der Anbieter muss ein öffentliches Archiv aller geschalteten Werbung führen. Er muss Forschenden Zugang zu Daten geben, damit diese Risiken unabhängig untersuchen können. Und wenn die Ergebnisse persönlich zugeschnitten werden, muss es eine Alternative ohne solches Profiling geben. Verstöße kann die EU-Kommission mit Geldbußen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes ahnden.

Welche Dienste betroffen sind

Die Kommission benannte im April 2023 die ersten sehr großen Dienste. Bei den Suchmaschinen waren das Google Search und Bing. Beide erreichen in der EU deutlich mehr als 45 Millionen Nutzer pro Monat. Kleinere Suchmaschinen wie Ecosia oder Startpage liegen unter der Schwelle und gelten damit nicht als Very Large Online Search Engine.

In Nachrichten taucht der Begriff meist auf, wenn die EU-Kommission ein Verfahren eröffnet oder neue Auflagen macht. Häufig geht es dabei inzwischen um KI-Funktionen in der Suche, etwa automatisch erzeugte Antwortzusammenfassungen über den Trefferlisten. Solche Funktionen fallen unter dieselbe Risikoprüfung wie die klassische Trefferliste.

Ein verbreiteter Irrtum ist, der Status sei eine Auszeichnung für Qualität. Das Gegenteil trifft zu: Es handelt sich um eine Einstufung als besonders einflussreicher Dienst, verbunden mit Aufsicht und Kosten. Für dich als Nutzer wird der Unterschied vor allem an sichtbaren Details spürbar, etwa an Erklärungen dazu, warum ein Ergebnis angezeigt wird.

Subscribe free. Unsubscribe the second it sucks.

High-signal news across AI, business, UX, and tech. Every morning.