Credit-System

Credit-System

Ein Credit-System ist eine Abrechnungsform, bei der man statt Geld eine interne Guthabenwährung kauft und diese Punkte beim Benutzen eines Dienstes verbraucht. Bei KI-Anbietern ist es die übliche Art, sehr unterschiedlich teure Aufgaben mit einem einzigen Preisschild zu verrechnen.

Ein Credit-System ist eine Art internes Guthaben. Der Kunde zahlt einmal Geld und bekommt dafür eine bestimmte Menge Punkte, die Credits heißen. Jede Aktion im Dienst kostet eine festgelegte Anzahl dieser Punkte. Ein kurzer Text kostet vielleicht einen Credit, ein erzeugtes Bild zwanzig, ein kurzes Video mehrere hundert. Ist das Guthaben leer, muss man nachkaufen oder bis zum nächsten Monat warten. Das Prinzip kennt man von Prepaid-Karten fürs Handy oder von Jetons im Freizeitpark: Man tauscht echtes Geld gegen eine Hauswährung und gibt dann diese Hauswährung aus.

Warum Anbieter nicht einfach eine Monatspauschale nehmen

Bei KI-Diensten schwanken die Kosten pro Nutzer extrem. Ein Gelegenheitsnutzer stellt zehn Fragen im Monat. Ein anderer lässt automatisch tausende Texte erzeugen. Beide für denselben Festpreis zu bedienen, wäre für den Anbieter riskant, weil die Rechenleistung im Rechenzentrum echtes Geld kostet. Credits koppeln den Preis deshalb an die tatsächliche Nutzung.

Für den Anbieter hat das noch einen zweiten Vorteil. Er kann die Preise einzelner Funktionen ändern, ohne den Abopreis anzufassen. Wird ein neues, teures Videomodell eingeführt, bekommt es einfach einen hohen Credit-Preis. Wird Rechenleistung billiger, senkt man die Credit-Kosten. Das wirkt weniger dramatisch als eine Preiserhöhung im Abo.

Für Kunden ist das ein zweischneidiges Geschäft. Wer wenig nutzt, zahlt fair. Wer viel nutzt, verliert leicht den Überblick, weil der Zusammenhang zwischen Credits und Euro nicht mehr direkt sichtbar ist. Kritiker sprechen deshalb von einer bewussten Verschleierung des echten Preises.

Vom Euro zum Punkt und wieder zurück

Technisch führt der Anbieter für jedes Konto einen Zähler. Beim Kauf oder zu Monatsbeginn wird er auf einen Startwert gesetzt. Bei jeder Anfrage prüft das System zuerst, ob genug Guthaben da ist. Danach wird die Aufgabe ausgeführt und der passende Betrag abgezogen. Manche Systeme rechnen erst nach der Antwort ab, weil die Kosten vorher nicht genau feststehen.

Wie viele Credits eine Aufgabe kostet, hängt meist an der verbrauchten Rechenzeit. Bei Textmodellen zählt man dafür oft Tokens, also Wortbausteine, aus denen Eingabe und Antwort bestehen. Eine lange Frage mit langer Antwort kostet mehr als eine kurze. Bei Bildern zählen Auflösung und Anzahl der Rechenschritte, bei Videos zusätzlich die Länge des Clips.

Wichtig ist die Abgrenzung zur direkten Abrechnung pro Token, wie sie Entwicklerschnittstellen nutzen. Dort steht der Preis in Cent und ist damit sofort vergleichbar. Credits sind eine Zwischenschicht darüber. Ein häufiger Irrtum ist außerdem, Credits seien immer unbegrenzt haltbar. Viele Anbieter lassen monatlich zugeteilte Credits am Monatsende verfallen, während zugekaufte Pakete länger gültig bleiben.

Credits in Abos, Bastelplattformen und Quartalszahlen

Am sichtbarsten sind Credit-Systeme in Bild- und Videowerkzeugen. Dienste wie Midjourney, Runway oder Adobe Firefly arbeiten mit Guthaben, das im Abo enthalten ist und dazugekauft werden kann. Auch Programmierhilfen und sogenannte No-Code-Baukästen, mit denen man Apps ohne Programmierkenntnisse zusammenklickt, rechnen häufig in Credits ab.

In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff aus einem anderen Grund auf. Verkaufte, aber noch nicht verbrauchte Credits sind für ein Unternehmen zunächst Geld auf dem Konto, aber noch kein Umsatz in der Bilanz. Analysten schauen deshalb genau hin, wie viele Credits ausgegeben und wie viele tatsächlich eingelöst wurden. Ein großer Berg ungenutzter Credits kann bedeuten, dass Kunden mehr kaufen als sie brauchen.

Praktisch lohnt sich vor dem Abschluss eine kurze Rechnung. Man teilt den Monatspreis durch die enthaltenen Credits und schätzt, wie viele Bilder oder Anfragen das ergibt. Oft zeigt sich dann, dass ein günstiger Tarif nach wenigen Tagen intensiver Nutzung erschöpft ist.

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