
Commodity
Eine Commodity ist ein Produkt, das überall praktisch gleich ist, sodass fast nur noch der Preis über den Kauf entscheidet. In der Tech- und KI-Branche ist es das Schlagwort dafür, dass eine einst besondere Technologie zur beliebig austauschbaren Massenware wird.
Manche Waren sind überall gleich. Ein Kilo Weizen aus Frankreich ist für einen Bäcker dasselbe wie ein Kilo Weizen aus Polen. Ob er in Frankreich oder Polen kauft, hängt deshalb kaum von der Qualität ab, sondern vom Preis. Solche Waren nennt man im Englischen Commodity, auf Deutsch etwa Massenware oder Standardware. Der Begriff kommt aus dem Rohstoffhandel, wird heute aber weit darüber hinaus benutzt. Wenn Journalisten schreiben, ein Produkt werde „zur Commodity“, meinen sie: Es verliert seine Besonderheit und wird austauschbar.
Was Austauschbarkeit mit dem Preis macht
Solange ein Produkt einzigartig ist, kann der Anbieter viel Geld dafür verlangen. Es gibt ja keine Alternative. Sobald mehrere Anbieter fast dasselbe liefern, ändert sich das. Kunden vergleichen dann nur noch Preise und wechseln beim ersten günstigeren Angebot. Der Gewinn pro verkauftem Stück schrumpft, oft dramatisch.
Für Unternehmen ist das eine Bedrohung, für Kunden meist ein Segen. Festplattenspeicher ist ein gutes Beispiel. In den 1990er Jahren war ein Gigabyte ein kleines Vermögen wert. Heute kostet Speicher so wenig, dass Anbieter ihn oft gratis dazugeben. Der technische Fortschritt war da, aber das Geld verdient man mit ihm kaum noch.
Deshalb ist „Commodity“ an der Börse ein Warnwort. Wenn Analysten sagen, das Hauptprodukt einer Firma werde zur Commodity, sagen sie damit: Die hohen Gewinnmargen dieser Firma sind in Gefahr. Der Aktienkurs reagiert auf solche Sätze oft heftig.
Wie aus einer Innovation Massenware wird
Meist läuft es in vier Schritten ab. Zuerst kann nur ein einziges Unternehmen etwas, und es verlangt hohe Preise. Dann kopieren Wettbewerber die Idee, weil sich das Wissen verbreitet. Anschließend nähern sich die Produkte einander so weit an, dass Kunden keinen echten Unterschied mehr spüren. Am Ende bleibt der Preis als wichtigstes Argument übrig.
Beschleunigt wird das durch offene Standards und durch frei verfügbare Software. Wenn jeder denselben Bauplan nutzen darf, sinkt die Hürde für neue Anbieter stark. Bei KI spielen dabei die sogenannten Open-Weight-Modelle eine Rolle: KI-Systeme, deren fertig trainierte Innereien jeder herunterladen und selbst betreiben kann. Sie drücken den Preis für alle anderen Anbieter mit.
Firmen wehren sich dagegen, indem sie etwas hinzufügen, das nicht kopierbar ist. Das kann eine Marke sein, ein besonders bequemer Zugang, exklusive Daten oder ein Netz aus Partnern. Ein häufiger Irrtum ist übrigens, dass eine Commodity billig hergestellt sei. Erdöl und Computerchips sind extrem aufwendig in der Produktion. Commodity heißt nicht „einfach“, sondern „überall gleich zu bekommen“.
Commodity im KI-Geschäft
Der Begriff fällt derzeit besonders oft bei Sprachmodellen, also KI-Programmen, die Texte schreiben und Fragen beantworten. Vor einigen Jahren gab es dafür nur eine Handvoll Anbieter mit hohen Preisen. Inzwischen existieren viele Modelle mit ähnlicher Leistung, und die Preise pro Anfrage sind stark gefallen. Viele Beobachter sagen deshalb, Sprachmodelle würden zur Commodity.
Nicht alles in der KI-Kette ist davon betroffen. Spezialisierte Rechenchips für KI kommen bislang fast nur von einem Hersteller. Solange das so bleibt, ist dieser Teil des Geschäfts das Gegenteil einer Commodity, und die Preise bleiben hoch. Genau darum wird an der Börse so gespannt beobachtet, ob Konkurrenten aufholen.
Auch außerhalb der KI begegnet dir das Wort ständig. Mobilfunktarife, Strom, Cloud-Speicher und Flüge sind weitgehend Commodities: Du vergleichst vor allem Preise. Wer dagegen Kopfhörer einer bestimmten Marke kauft, obwohl es billigere mit gleicher Technik gibt, zeigt, dass dieses Produkt eben keine Commodity ist.