Ablaufschema des autonomen Fahrens in vier Stufen: Sensoren (Kamera, Radar, Lidar) liefern Daten an die Wahrnehmung, diese an die Vorhersage der Objektbewegungen, danach folgt die Fahrplanung und zuletzt die Ansteuerung von Lenkung und Bremse; ein Pfeil zurück zu den Sensoren zeigt den fortlaufenden Kreislauf.

Autonomes Fahren

Autonomes Fahren bedeutet, dass ein Fahrzeug seine Umgebung selbst erfasst und ohne menschliches Eingreifen lenkt, beschleunigt und bremst. Wie viel der Mensch dabei noch tun muss, beschreibt eine international genutzte Skala von Stufe 0 bis Stufe 5.

Autonomes Fahren heißt: Ein Auto fährt selbst, ohne dass ein Mensch lenkt oder bremst. Das Fahrzeug nimmt seine Umgebung über Kameras und andere Messgeräte wahr. Ein Computer im Auto wertet diese Daten aus und entscheidet, was als Nächstes passieren soll. Er erkennt also Fußgänger, Ampeln, Fahrbahnmarkierungen und andere Autos und reagiert darauf. Fachleute unterscheiden dabei sechs Stufen, von 0 bis 5. Bei Stufe 0 macht der Mensch alles selbst, bei Stufe 5 bräuchte das Auto theoretisch nicht einmal mehr ein Lenkrad.

Was auf dem Spiel steht: Sicherheit, Geld und ganze Berufe

Weltweit sterben jedes Jahr über eine Million Menschen im Straßenverkehr. Der weitaus größte Teil dieser Unfälle geht auf menschliche Fehler zurück: Ablenkung, Müdigkeit, zu hohes Tempo. Eine Maschine wird nicht müde und schaut nicht aufs Handy. Genau darauf gründet sich das große Versprechen der Technik. Ob autonome Autos in der Praxis wirklich sicherer sind, ist allerdings noch nicht abschließend bewiesen.

Wirtschaftlich geht es um enorme Summen. Bei einem Taxi macht der Lohn des Fahrers einen Großteil des Fahrpreises aus. Fällt er weg, könnten Fahrten deutlich billiger werden. Firmen wie Waymo, Tesla oder das chinesische Unternehmen Baidu investieren deshalb seit Jahren Milliarden. Für Anleger ist autonomes Fahren einer der Gründe, warum einzelne Autohersteller an der Börse zeitweise wie Technologiefirmen bewertet werden.

Gleichzeitig stellen sich harte rechtliche Fragen. Wenn ein selbstfahrendes Auto einen Unfall baut, wer haftet dann? Der Halter, der Hersteller oder der Programmierer? In Deutschland gibt es seit 2021 ein Gesetz, das fahrerlose Fahrzeuge unter engen Auflagen erlaubt. Die Debatte darüber ist trotzdem längst nicht beendet.

Vom Sensor zur Lenkbewegung

Der erste Schritt ist die Wahrnehmung. Kameras liefern Bilder, Radar misst Abstände und Geschwindigkeiten über Funkwellen. Viele Fahrzeuge nutzen zusätzlich Lidar, ein Verfahren mit Laserpulsen, das die Umgebung dreidimensional vermisst. Aus all diesen Quellen baut der Bordcomputer ein laufend aktualisiertes Modell der Umgebung. Ein neuronales Netz, also ein aus Beispielen trainiertes Computerprogramm, ordnet den erkannten Objekten Bedeutungen zu: Kind, Radfahrer, Plastiktüte.

Der zweite Schritt ist die Vorhersage. Das System schätzt ab, wohin sich jedes erkannte Objekt in den nächsten Sekunden bewegt. Erst danach folgt die Planung: Welche Spur, welches Tempo, welcher Abstand? Am Ende setzen elektronische Steuergeräte diese Entscheidung in Lenkbewegungen und Bremsdruck um. Der ganze Kreislauf läuft mehrmals pro Sekunde ab.

Die Schwierigkeit liegt nicht im Normalfall, sondern in den Ausnahmen. Fachleute nennen sie Edge Cases: eine Baustelle mit widersprüchlichen Markierungen, ein Polizist, der von Hand einweist, dichter Schneefall auf der Kamera. Ein Mensch improvisiert in solchen Lagen. Ein System, das nur gelernte Muster kennt, kann daran scheitern. Deshalb hängen Testfahrzeuge Millionen von Kilometern ab, bevor eine Funktion freigegeben wird.

Robotaxis, Assistenzsysteme und der Blick in die Nachrichten

Im Alltag begegnet dir die Technik meist in kleinen Portionen. Abstandstempomat, Spurhalteassistent und automatischer Notbremsassistent gehören zu Stufe 1 und 2. Der Mensch bleibt dabei voll verantwortlich und muss die Hände am Lenkrad lassen. Der Begriff Autopilot, den manche Hersteller verwenden, ist deshalb irreführend.

Echte fahrerlose Autos fahren bisher nur in abgegrenzten Gebieten. In San Francisco, Phoenix und mehreren chinesischen Städten kann man Robotaxis per App bestellen. Auf deutschen Straßen ist das noch Zukunftsmusik, einzelne Modelle dürfen aber im Stau auf der Autobahn zeitweise selbst fahren.

In den Finanznachrichten taucht der Begriff regelmäßig auf, wenn Zulassungen erteilt oder nach Unfällen wieder kassiert werden. Solche Meldungen bewegen Aktienkurse spürbar. Ein häufiger Irrtum dabei: Ein System, das auf einer sonnigen Vorstadtstraße perfekt funktioniert, ist noch lange nicht bereit für den europäischen Winter.

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