Ascend-Chip

Ascend-Chip

Ascend ist eine Reihe von Spezial-Chips des chinesischen Konzerns Huawei, die für das Rechnen künstlicher Intelligenz gebaut wurden. Sie gelten als Chinas wichtigste eigene Antwort auf die dominierenden KI-Chips des US-Herstellers Nvidia.

Ein Ascend-Chip ist ein besonders spezialisierter Computerchip des chinesischen Technikkonzerns Huawei. Er ist nicht dafür gedacht, ein Betriebssystem oder Programme wie Word laufen zu lassen. Stattdessen erledigt er eine einzige Art von Aufgabe extrem schnell: gigantische Mengen einfacher Rechnungen mit Zahlenreihen, gleichzeitig und parallel. Genau diese Rechnungen stecken hinter allem, was heute künstliche Intelligenz heißt, also hinter Programmen, die aus Beispielen lernen statt festen Regeln zu folgen. Ohne solche Spezialchips wäre ein System wie ChatGPT technisch nicht bezahlbar. Die Ascend-Reihe ist Huaweis Versuch, in diesem Markt unabhängig vom Westen zu werden.

Chinas Ausweg aus der Chip-Blockade

Der Markt für KI-Chips wird seit Jahren von einer einzigen Firma beherrscht: dem US-Unternehmen Nvidia. Fast alle großen KI-Modelle der Welt wurden auf Nvidia-Hardware trainiert. Seit 2022 verbietet die US-Regierung den Export der leistungsfähigsten dieser Chips nach China. Der Grund ist politisch: Washington will verhindern, dass China militärisch nutzbare KI in großem Stil entwickelt.

Für chinesische Firmen entstand dadurch ein echtes Problem. Wer keine Spitzenchips kaufen darf, kann keine Spitzenmodelle trainieren. Genau in diese Lücke stößt Ascend. Die Chips sind Chinas ernsthaftester Versuch, eine eigene Grundlage für KI zu schaffen. Ob das gelingt, entscheidet mit darüber, wie stark die Technologiewelt in zwei getrennte Blöcke zerfällt.

Deshalb tauchen Ascend-Chips regelmäßig in Wirtschaftsnachrichten auf. Jede Meldung über eine neue Ascend-Generation ist zugleich eine Meldung über die Wirksamkeit der US-Sanktionen. Und sie bewegt Aktienkurse, weil Anleger daraus ablesen, wie sicher Nvidias Vorsprung noch ist.

Was im Inneren passiert

Ein normaler Hauptprozessor ist ein Alleskönner. Er arbeitet Aufgaben nacheinander ab und ist dabei sehr flexibel. Ein Ascend-Chip ist das Gegenteil: Er enthält tausende sehr einfache Recheneinheiten, die alle gleichzeitig loslegen. Man kann sich das wie den Unterschied zwischen einem hervorragenden Einzelhandwerker und einer Fabrikhalle mit tausend Arbeitern vorstellen. Für eine komplizierte Einzelanfertigung ist der Handwerker besser, für tausend identische Teile die Halle.

Die Rechnungen, die dabei anfallen, sind sogenannte Matrixmultiplikationen, also das massenhafte Multiplizieren und Addieren von Zahlentabellen. Huawei hat für diesen Zweck eine eigene Architektur namens Da Vinci entwickelt. Dazu kommt ein Software-Baukasten mit dem Namen CANN, über den Programmierer den Chip ansteuern. Selten arbeitet ein Ascend-Chip allein: Für das Training großer Modelle werden hunderte oder tausende davon zu einem Verbund zusammengeschaltet.

Ein häufiger Irrtum ist, dass allein die Rechenleistung eines Chips entscheidet. Genauso wichtig ist die Software drumherum. Nvidia hat mit seiner Plattform CUDA über fast zwanzig Jahre ein riesiges Ökosystem aufgebaut, das Entwickler kennen und dem sie vertrauen. Huaweis Werkzeuge sind jünger und gelten als sperriger. Hinzu kommt die Fertigung: Weil Huawei keine modernsten Maschinen aus dem Westen kaufen darf, sind die Chips schwerer in großen Stückzahlen herzustellen.

Wo Ascend im Einsatz ist

Direkt kaufen wird man einen Ascend-Chip als Privatperson nicht. Er steckt in Rechenzentren, in schrankgroßen Servern, oft in einem Komplettsystem namens Atlas. Chinesische Behörden, Universitäten, Banken und Telekomfirmen betreiben damit ihre KI-Anwendungen. Auch Huaweis eigenes Sprachmodell Pangu läuft auf dieser Hardware.

In den Nachrichten begegnet einem der Begriff meist in einem von drei Zusammenhängen. Erstens bei neuen Ausbaustufen wie dem Ascend 910B oder 910C, deren Leistung mit Nvidia-Modellen verglichen wird. Zweitens bei Sanktionsdebatten, wenn Washington über weitere Beschränkungen berät. Drittens, wenn ein chinesisches KI-Unternehmen ankündigt, von Nvidia auf Ascend umzusteigen.

Für Anleger ist das ein handfestes Thema. China war lange ein Milliardenmarkt für Nvidia. Jeder Prozentpunkt, den Ascend dort gewinnt, fehlt dem US-Konzern in der Bilanz. Wer solche Meldungen liest, sollte allerdings vorsichtig mit Herstellerangaben sein: Angekündigte Spitzenwerte sagen wenig darüber aus, wie viele Chips tatsächlich gefertigt und geliefert werden können.

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