Ablaufschema: Links kauft ein Partner an der Heimatbörse Aktien eines ausländischen Unternehmens. In der Mitte sperrt eine US-Verwahrbank diese Aktien im Depot. Rechts gibt sie dafür ADRs aus, die an einer US-Börse in Dollar gehandelt werden; ein Rückpfeil zeigt die mögliche Auflösung der ADRs und Rückgabe der Aktien.

American Depositary Receipt

Ein American Depositary Receipt ist ein Wertpapier, das an einer US-Börse gehandelt wird und Aktien eines Unternehmens außerhalb der USA vertritt. Es erlaubt amerikanischen Anlegern, in Firmen wie SAP oder Alibaba zu investieren, ohne an einer ausländischen Börse kaufen zu müssen.

Wer in den USA lebt und Anteile an einer deutschen oder chinesischen Firma kaufen will, hat ein praktisches Problem. Diese Anteile werden in Frankfurt oder Hongkong gehandelt, in Euro oder Hongkong-Dollar, nach fremden Regeln. Ein American Depositary Receipt löst das. Eine große US-Bank kauft die Anteile im Heimatland der Firma und legt sie in einem Depot fest, also einem verwahrten Bestand, der nicht angerührt wird. Für diesen Bestand gibt die Bank in den USA neue Papiere aus, die man dort ganz normal in Dollar kaufen kann. Ein solches Papier ist der American Depositary Receipt, kurz ADR.

Was ADRs für Anleger und Unternehmen bringen

Für Anleger ist der Vorteil vor allem Bequemlichkeit. Ein ADR wird in Dollar abgerechnet, folgt den US-Handelszeiten und liegt im gewohnten Depot. Es fallen keine Gebühren für den Umtausch von Währungen beim Kauf an. Auch Dividenden, also die Gewinnausschüttungen der Firma, zahlt die Bank in Dollar aus.

Für das Unternehmen selbst geht es um Geld und Sichtbarkeit. Der US-Kapitalmarkt ist der größte der Welt. Viele amerikanische Fonds dürfen laut ihren eigenen Regeln nur Papiere kaufen, die in den USA notiert sind. Ohne ADR wären diese Käufer für eine deutsche oder taiwanische Firma unerreichbar. Deshalb nutzen Konzerne wie SAP, TSMC oder Novo Nordisk diesen Weg.

Ein Irrtum ist weit verbreitet: Ein ADR ist keine Kopie und keine Wette auf den Kurs. Dahinter liegen echte, hinterlegte Aktien. Trotzdem ist es rechtlich ein eigenes Papier. Man besitzt einen Anspruch gegenüber der Depotbank, nicht direkt den Anteil an der Firma.

Der Weg von der Heimatbörse zum US-Depot

Am Anfang steht eine Verwahrstelle, meist eine große US-Bank wie die Bank of New York Mellon oder die Citibank. Sie beauftragt einen Partner im Heimatland der Firma, dort Aktien zu kaufen. Diese Aktien bleiben im Ausland liegen und werden gesperrt. Gegen diesen Bestand gibt die US-Bank die ADRs aus.

Wichtig ist das Umtauschverhältnis. Ein ADR muss nicht genau einer Aktie entsprechen. Es kann fünf Aktien vertreten oder auch nur ein Zehntel einer Aktie. Das Verhältnis wird so gewählt, dass der Preis in Dollar für US-Anleger typisch aussieht, also grob zwischen 10 und 100 Dollar liegt. Bei einer sehr teuren japanischen Aktie steht ein ADR dann eben für einen Bruchteil.

Läuft der ADR-Kurs weit vom Kurs der echten Aktie weg, greifen Händler ein. Sie kaufen dort, wo es billiger ist, und verkaufen dort, wo es teurer ist. Banken können außerdem neue ADRs ausgeben oder bestehende auflösen und die hinterlegten Aktien zurückgeben. Dieser Mechanismus hält beide Preise dicht beieinander. Bleiben können aber kleine Abweichungen durch Wechselkurse und durch Verwahrgebühren, die jährlich vom Depot abgezogen werden.

ADRs in Börsennachrichten und bei Tech-Konzernen

In Finanznachrichten tauchen ADRs vor allem bei asiatischen Technologiefirmen auf. Wenn über den Kurs von Alibaba, Baidu oder dem Chipfertiger TSMC berichtet wird, ist oft das ADR in New York gemeint, nicht die Aktie in Hongkong oder Taipeh. Auch deutsche Konzerne wie SAP, Siemens oder die Deutsche Bank sind auf diesem Weg in den USA handelbar.

Politisch waren ADRs zuletzt ein Thema wegen chinesischer Firmen. US-Aufsichtsbehörden verlangen Einblick in die Prüfberichte der Unternehmen. Zeitweise stand im Raum, dass Dutzende chinesische ADRs von der Börse genommen werden. Für Anleger hätte das bedeutet, ihre Papiere in echte Hongkong-Aktien umtauschen zu müssen.

Für Anleger in Deutschland spielen ADRs seltener eine Rolle, denn hier gibt es meist einen direkten Handelsplatz. Man sollte aber genau hinsehen, ob man gerade ein ADR oder die Originalaktie kauft. Verwahrgebühren und die Verrechnung von Steuern auf Dividenden unterscheiden sich. Ein verwandtes Papier ist übrigens das Global Depositary Receipt, das nach demselben Prinzip funktioniert, aber an mehreren Börsen außerhalb der USA gehandelt wird.

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