AppKit

AppKit

AppKit ist Apples Baukasten für die Oberfläche von Mac-Programmen: Fenster, Menüs, Knöpfe und Textfelder kommen fertig aus dieser Sammlung. Es stammt aus den späten 1980er-Jahren und steckt bis heute in fast jedem klassischen Mac-Programm.

Wer ein Programm für Apples Mac-Computer schreibt, muss sich um vieles kümmern: um ein Fenster, das sich verschieben und in der Größe ändern lässt, um die Menüleiste oben am Bildschirmrand, um Knöpfe, Schieberegler und Textfelder. All das jedes Mal von Hand zu bauen, wäre eine enorme Arbeit. Deshalb liefert Apple diese Bausteine fertig mit, in einer Sammlung namens AppKit. Eine solche Sammlung wiederverwendbarer Bausteine nennt man in der Programmierung ein Framework. AppKit ist also das Framework, aus dem die sichtbare Oberfläche von Mac-Programmen zusammengesetzt wird. Der Entwickler sagt sinngemäß: Ich hätte gern ein Fenster mit einem Knopf darin — und AppKit kümmert sich um den Rest.

Warum Mac-Programme sich alle ähnlich anfühlen

Der wichtigste Effekt von AppKit ist Einheitlichkeit. Ein Knopf sieht in jedem Mac-Programm gleich aus, weil es überall derselbe Knopf aus derselben Sammlung ist. Auch die Tastenkürzel stimmen überein: Befehlstaste plus S speichert, Befehlstaste plus W schließt das Fenster. Wer ein Mac-Programm bedienen kann, kann deshalb die meisten anderen sofort mitbedienen.

Für Firmen ist das vor allem eine Frage von Zeit und Geld. Ein Team, das die Oberfläche komplett selbst programmiert, braucht Monate zusätzlich und macht dabei Fehler, die andere längst gelöst haben. AppKit bringt außerdem Dinge mit, an die kaum jemand von allein denkt: Unterstützung für Screenreader für blinde Nutzer, Übersetzung in dutzende Sprachen, den Dunkelmodus. Diese Funktionen erscheinen fast automatisch, wenn man die Standardbausteine verwendet.

Ein häufiger Irrtum: AppKit ist nicht dasselbe wie macOS. Das Betriebssystem ist die gesamte Software, die den Rechner steuert, also auch Dateiverwaltung, Netzwerk und Speicher. AppKit ist nur der Teil, der für die sichtbare Oberfläche von Programmen zuständig ist. Es ist ein Werkzeugkasten innerhalb des Systems, nicht das System selbst.

Fenster, Ansichten und die Reaktion auf Klicks

AppKit besteht aus vielen vorgefertigten Bauteilen, die aufeinander aufbauen. Ein Fenster enthält Ansichten, eine Ansicht kann wiederum weitere Ansichten enthalten. So entsteht eine Art Schachtelung: Fenster, darin ein Bereich mit Werkzeugen, darin einzelne Knöpfe. Der Entwickler setzt diese Teile zusammen, statt Pixel für Pixel zu zeichnen.

Klicks, Tastendrücke und Mausbewegungen wandern durch eine Kette von möglichen Empfängern. Zuerst bekommt das Bauteil unter dem Mauszeiger die Chance zu reagieren. Fühlt es sich nicht zuständig, reicht es das Ereignis nach oben weiter, an das umgebende Element und schließlich an das Programm selbst. Man kann sich das wie eine Firma vorstellen: Eine Anfrage geht zuerst an den Sachbearbeiter und wandert nur dann zur Chefin, wenn niemand darunter sie beantworten kann.

Programmiert wird AppKit heute meist in Swift, Apples aktueller Programmiersprache, früher überwiegend in Objective-C. Die Namen vieler Bauteile beginnen mit den Buchstaben NS, etwa NSWindow für ein Fenster. Das steht für NeXTSTEP, das Betriebssystem der Firma NeXT, die Steve Jobs nach seinem Weggang bei Apple gründete. Apple kaufte NeXT 1996 zurück, und dieser alte Baukasten wurde zur Grundlage von macOS.

Wo AppKit heute noch steckt

Praktisch jedes klassische Mac-Programm nutzt AppKit, ob direkt oder indirekt: der Finder, Mail, Safari, aber auch Programme anderer Hersteller wie Photoshop oder Microsoft Word in ihren Mac-Fassungen. Wenn ein Programm sich typisch nach Mac anfühlt, sieht man in aller Regel AppKit-Bauteile.

Wichtig ist die Abgrenzung zu zwei verwandten Namen. UIKit ist das Gegenstück für iPhone und iPad, gebaut für Finger statt Maus. SwiftUI ist Apples neueres Framework von 2019, das für alle Geräte gleichzeitig funktionieren soll. SwiftUI greift auf dem Mac in vielen Fällen im Hintergrund weiterhin auf AppKit zurück.

In Nachrichten taucht AppKit vor allem rund um Apples Entwicklerkonferenz WWDC auf, wenn über neue Oberflächenfunktionen berichtet wird. Ein wiederkehrendes Streitthema ist die Frage, ob Apple das inzwischen über 30 Jahre alte Framework langfristig zugunsten von SwiftUI aufgibt. Bisher pflegt Apple beides parallel weiter, weil zu viele große Programme darauf aufbauen.

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