
Autonomous Vehicle Network Company
Eine Autonomous Vehicle Network Company betreibt eine Flotte selbstfahrender Autos als Dienstleistung: Nutzer bestellen per App eine Fahrt, das Fahrzeug kommt ohne Fahrer. Das Unternehmen verdient pro Fahrt, nicht am Verkauf von Autos.
Eine Autonomous Vehicle Network Company ist ein Unternehmen, das eine Flotte selbstfahrender Autos betreibt und deren Fahrten als Dienst verkauft. Der englische Name bedeutet wörtlich Firma für ein Netz autonomer Fahrzeuge. Man bestellt eine Fahrt über eine App, ein Auto ohne Fahrer holt einen ab und bringt einen ans Ziel. Bezahlt wird pro Fahrt, ähnlich wie bei einem Taxi. Das Unternehmen verkauft also keine Autos, sondern Kilometer. Bekannte Beispiele sind Waymo in den USA und Baidus Dienst Apollo Go in China.
Warum aus Autoverkauf ein Abo-Geschäft wird
Ein Autohersteller verdient einmal, wenn er ein Fahrzeug verkauft. Danach fährt der Kunde damit jahrelang, ohne weiter zu zahlen. Ein Flottenbetreiber dagegen kassiert bei jeder einzelnen Fahrt. Genau deshalb bewerten Investoren solche Firmen oft völlig anders als klassische Autobauer.
Dahinter steckt eine simple Rechnung. Ein Privatauto steht im Schnitt über 90 Prozent des Tages ungenutzt herum. Ein Robotaxi kann fast rund um die Uhr fahren, weil es keine Lenkzeiten und keinen Feierabend gibt. Die teure Technik verteilt sich dadurch auf sehr viele bezahlte Kilometer. Ob das am Ende billiger ist als ein Mensch am Steuer, hängt vor allem davon ab, wie viel die Sensoren und die Wartung kosten.
Wichtig ist die Abgrenzung zu einem reinen Fahrdienst wie Uber in seiner klassischen Form. Dort besitzen Fahrer die Autos und tragen das Risiko selbst. Eine Autonomous Vehicle Network Company besitzt Fahrzeuge, Software und Betriebszentrale meist selbst. Das kostet enorm viel Kapital, bindet aber den gesamten Gewinn im eigenen Haus.
Sensoren, Karten und die Leitstelle im Hintergrund
Jedes Fahrzeug trägt mehrere Sorten von Sensoren, also Messgeräten für die Umgebung. Kameras liefern Bilder, Radar misst Abstände über Funkwellen, Lidar tastet die Umgebung mit Laserpulsen ab. Ein Computer im Auto verbindet diese Daten zu einem Modell der Umgebung. Daraus berechnet er, wo andere Autos und Fußgänger gleich sein werden, und wählt eine Fahrspur und eine Geschwindigkeit.
Die meisten Anbieter arbeiten zusätzlich mit hochgenauen Karten. Darin sind Fahrspuren, Ampeln und Bordsteine zentimetergenau eingetragen. Das ist der Grund, warum solche Dienste nur in klar abgegrenzten Städten starten und sich dann langsam ausbreiten. Neue Gebiete müssen erst vermessen und ausgiebig getestet werden.
Zum Netzwerk gehört auch alles, was man von außen nicht sieht. Eine Leitstelle beobachtet die Flotte und kann bei einer festgefahrenen Situation Hinweise geben, etwa an einer Baustelle. Depots laden die Fahrzeuge, reinigen sie und prüfen die Sensoren. Software verteilt zudem die Aufträge so, dass Autos dort stehen, wo bald Nachfrage entsteht. Ein verbreiteter Irrtum ist, dass hier gar keine Menschen mehr arbeiten.
Von San Francisco bis in die Quartalszahlen
Im Alltag begegnet man dem Geschäftsmodell bisher vor allem in einzelnen Großstädten. In Phoenix, San Francisco und Los Angeles fahren Waymo-Fahrzeuge im regulären Betrieb, in Wuhan und Peking die Autos von Apollo Go. In Deutschland gibt es bislang nur Testbetriebe und Pilotstrecken. Die Zulassung ist hier deutlich strenger geregelt.
In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff meist bei zwei Themen auf. Erstens bei Milliardeninvestitionen, denn Flotte, Technik und Genehmigungen verschlingen viel Geld über viele Jahre. Zweitens bei Unfällen und Rückrufen, weil ein einzelner Vorfall eine ganze Stadt für den Dienst schließen kann. Genau das passierte 2023 dem Anbieter Cruise in Kalifornien.
Auch bei Autoherstellern lohnt es sich, genau hinzuhören. Wenn ein Konzern ankündigt, künftig ein Fahrzeugnetzwerk zu betreiben, verspricht er wiederkehrende Einnahmen statt einmaliger Verkäufe. Ob dieses Versprechen aufgeht, zeigt sich an nüchternen Kennzahlen: Wie viele Fahrten pro Auto und Tag? Wie oft muss ein Mensch eingreifen? Und in wie vielen Städten läuft der Dienst wirklich ohne Sicherheitsfahrer?