ADS-B

ADS-B

ADS-B ist ein Funkverfahren, mit dem Flugzeuge ihre eigene Position, Höhe und Geschwindigkeit ständig selbst aussenden. Weil diese Signale unverschlüsselt sind, kann sie jeder mit einem günstigen Empfänger mitlesen – davon leben Flugverfolgungs-Seiten wie Flightradar24.

Ein Flugzeug weiß heute sehr genau, wo es sich befindet. Es bestimmt seine Position über Satelliten, so wie ein Handy mit Navigations-App. ADS-B ist die Technik, mit der das Flugzeug diese Position anschließend per Funk in die Umgebung hinausruft. Etwa zweimal pro Sekunde sendet es ein kurzes Datenpaket: Kennung, Position, Höhe, Geschwindigkeit, Steig- oder Sinkrate. Diese Meldung geht an alle, die zuhören – an die Flugsicherung am Boden, an andere Flugzeuge in der Nähe und an jeden Privatmenschen mit passendem Empfänger. Die Abkürzung steht für „Automatic Dependent Surveillance – Broadcast“: automatisch, weil kein Pilot etwas anstoßen muss, und Broadcast, weil das Signal ungerichtet an alle geht.

Vom Radarschirm zum offenen Datenstrom

Klassisches Radar arbeitet umgekehrt. Eine Bodenstation schickt Funkwellen aus und wartet, bis sie vom Flugzeug zurückgeworfen werden. Das ist aufwendig, braucht große Antennen und funktioniert schlecht über Ozeanen, Wüsten und Gebirgen. Dort steht einfach niemand, der eine Radarstation betreiben könnte.

ADS-B dreht die Verantwortung um: Das Flugzeug meldet sich selbst. Ein Empfänger ist dadurch viel billiger als eine Radaranlage. Genau deshalb haben die USA und die EU ADS-B über Jahre zur Pflicht gemacht. In Europa müssen größere Verkehrsflugzeuge seit Ende der 2010er-Jahre senden können. Die Flugsicherung sieht damit auch Gebiete, die früher Lücken waren.

Für die Tech-Welt ist noch etwas anderes entscheidend. Die Daten sind nicht verschlüsselt und nicht signiert. Damit ist die Bewegung fast jedes Verkehrsflugzeugs weltweit eine öffentlich zugängliche Datenquelle. Das hat eine ganze Branche von Flugverfolgungs-Diensten entstehen lassen – und regelmäßig Debatten darüber, wessen Privatjet man da eigentlich beobachtet.

Was in einem ADS-B-Paket steckt

Das Gerät an Bord heißt Transponder und funkt auf 1090 Megahertz. Es verschickt sehr kurze Nachrichten von 112 Bit Länge, also etwa 14 Zeichen an reiner Information. Weil so wenig Platz ist, wechseln sich verschiedene Nachrichtentypen ab: einmal die Kennung, dann die Position, dann die Geschwindigkeit. Ein Empfänger setzt diese Bruchstücke über einige Sekunden zu einem vollständigen Bild zusammen.

Man unterscheidet zwei Richtungen. ADS-B Out ist das Senden, ADS-B In das Empfangen. Nur Out ist vorgeschrieben. Flugzeuge mit In können die Nachbarn in ihrer Umgebung direkt im Cockpit anzeigen, ohne den Umweg über den Boden.

Der Buchstabe D in der Abkürzung steht für „dependent“, also abhängig – und er ist die eigentliche Schwachstelle. Das System hängt davon ab, dass das Flugzeug korrekte Daten liefert. Wer will, kann erfundene Pakete senden, sogenanntes Spoofing, oder das eigene Signal einfach abschalten. Radar erkennt ein Flugzeug dagegen auch dann, wenn es nichts sagen will. Deshalb ersetzt ADS-B das Radar nicht vollständig, sondern ergänzt es.

Flightradar24, Antennen im Garten und Jet-Tracking

Wer schon einmal nachgesehen hat, wo der Flug der Verwandtschaft gerade ist, hat ADS-B benutzt. Dienste wie Flightradar24, FlightAware oder das offene Projekt ADS-B Exchange bauen ihre Karten fast vollständig aus diesen Signalen. Die Empfänger stehen dabei oft nicht bei den Firmen selbst. Tausende Freiwillige betreiben eine kleine Antenne am Fenster und schicken die Daten weiter.

Die Hardware dafür kostet wenig. Ein USB-Stick, der ursprünglich für digitales Fernsehen gedacht war, plus ein Kleincomputer wie ein Raspberry Pi genügen. Genau diese Kombination hat ADS-B zu einem beliebten Einstiegsprojekt für Bastler gemacht. Über offenem Meer bleibt allerdings eine Lücke, weil dort keine Antennen stehen. Manche Anbieter kaufen deshalb zusätzlich Empfangsdaten von Satelliten ein.

In den Nachrichten taucht ADS-B meist über Privatjets auf. Journalisten und Aktivisten rechnen aus diesen Daten den Ausstoß einzelner Flüge aus oder verfolgen die Reisen von Milliardären und Politikern. Ein bekannter Fall war der Streit von Elon Musk mit einem Studenten, der Musks Jet automatisiert veröffentlichte. Auch Beobachter militärischer Konflikte nutzen ADS-B, um Transport- und Aufklärungsflüge zu erkennen. Der Grund ist immer derselbe: Das System wurde für Sicherheit entworfen, nicht für Geheimhaltung.

Subscribe free. Unsubscribe the second it sucks.

High-signal news across AI, business, UX, and tech. Every morning.