Schema: Drei Server (Mastodon, PeerTube, Pixelfed) sind über Pfeile miteinander verbunden. Ein Nutzer auf dem Mastodon-Server schreibt einen Beitrag; Kopien des Beitrags wandern als Datenpakete zu den beiden anderen Servern, wo Follower ihn sehen.

ActivityPub

ActivityPub ist eine gemeinsame Sprache, mit der verschiedene soziale Netzwerke Beiträge und Abos austauschen können. Wer bei einem Dienst angemeldet ist, kann damit Menschen bei einem ganz anderen Dienst folgen.

E-Mail funktioniert nach einer einfachen Idee: Es ist egal, bei welchem Anbieter du bist. Eine Adresse bei einem Anbieter kann jeder anderen Adresse schreiben, weil sich alle an dieselben Regeln halten. ActivityPub überträgt genau diese Idee auf soziale Netzwerke. Es ist ein festgelegter Satz von Regeln, wie Programme Beiträge, Likes und Abos untereinander weitergeben. Dadurch kann jemand bei einem Kurznachrichtendienst jemandem bei einer Videoplattform folgen, wenn beide diese Regeln unterstützen. Solche Regelwerke nennt man in der Technik ein Protokoll.

Warum es keinen Betreiber über allem gibt

Bei den großen sozialen Netzwerken gehört alles einer einzigen Firma. Sie bestimmt, welche Beiträge du siehst, welche Werbung eingeblendet wird und wer gesperrt wird. Wenn dir das nicht passt, kannst du nur gehen — und verlierst dabei alle Kontakte. Genau dieser Zwang fällt bei ActivityPub weg.

Denn hier betreibt nicht eine Firma einen riesigen Dienst, sondern viele Menschen und Vereine betreiben tausende kleine Server. Diese Server heißen Instanzen. Jede Instanz hat eigene Regeln, eigene Moderatoren und oft nur ein paar hundert Mitglieder. Trotzdem sind sie alle miteinander verbunden, weil sie dieselbe Sprache sprechen. Dieses Gesamtnetz aus verbundenen Instanzen nennt man das Fediverse.

Der praktische Vorteil: Du kannst deinen Server wechseln und deine Follower mitnehmen. Das erinnert an die Handynummer, die man beim Anbieterwechsel behalten darf. Für viele ist das der Hauptgrund, warum sie das Prinzip überhaupt interessant finden. Es ist der Versuch, soziale Netzwerke von einzelnen Konzernen unabhängig zu machen.

Was zwischen den Servern hin- und hergeschickt wird

Deine Adresse im Netz besteht aus zwei Teilen: dem Benutzernamen und dem Server, auf dem du bist. Sie sieht ungefähr aus wie eine E-Mail-Adresse. Wenn jemand von einem anderen Server dir folgen will, schickt sein Server eine Nachricht an deinen. Dein Server merkt sich diesen Abonnenten in einer Liste.

Schreibst du danach einen Beitrag, passiert Folgendes: Dein Server geht die Liste durch und schickt eine Kopie an jeden Server, auf dem einer deiner Follower sitzt. Jeder Beitrag ist dabei ein kleines Datenpaket mit festgelegten Feldern — wer hat was wann getan. Ein Like oder ein Teilen ist technisch dasselbe, nur mit einem anderen Eintrag im Feld für die Aktion. Deshalb versteht ein Videodienst auch die Kommentare aus einem Kurznachrichtendienst.

Ein häufiger Irrtum: Die Beiträge liegen nicht an einem zentralen Ort. Sie werden vielmehr vervielfältigt und über viele Server verteilt. Das hat einen Nachteil, den man kennen sollte. Löschst du einen Beitrag, muss dein Server allen anderen ein Löschsignal schicken. Ob die es befolgen, kannst du nicht erzwingen.

Mastodon, Threads und andere bekannte Namen

Der bekannteste Dienst mit ActivityPub ist Mastodon, ein Kurznachrichtendienst ähnlich wie X, früher Twitter. Daneben gibt es PeerTube für Videos, Pixelfed für Fotos und Lemmy für Diskussionsforen. Alle diese Dienste sehen unterschiedlich aus, tauschen aber dieselben Datenpakete aus. Von Mastodon aus kann man deshalb einen PeerTube-Kanal abonnieren.

In den Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff auf, seit Meta seinen Dienst Threads teilweise an ActivityPub angeschlossen hat. Damit wurde aus einem Nischenthema für Technikfans plötzlich eine Sache mit Millionen möglicher Nutzer. Auch die Europäische Kommission und einzelne Behörden betreiben eigene Mastodon-Server. Sie wollen ihre Mitteilungen nicht mehr allein über Plattformen privater Konzerne verbreiten.

Man sollte ActivityPub aber nicht mit anderen offenen Netzwerken verwechseln. Bluesky nutzt zum Beispiel ein eigenes Protokoll namens AT Protocol und ist deshalb technisch nicht direkt Teil des Fediverse. Verbindungen zwischen beiden Welten gibt es nur über zusätzliche Übersetzungsdienste, sogenannte Bridges.

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