Runder Silizium-Wafer, in ein Raster rechteckiger Chips zersägt: links viele kleine Dies mit hoher Ausbeute, rechts wenige große Dies, bei denen einzelne markierte Defektpunkte jeweils einen ganzen Chip unbrauchbar machen.

Die-Größe

Die-Größe bezeichnet die Fläche eines einzelnen Computerchips auf der runden Siliziumscheibe, aus der er herausgeschnitten wird. Sie wird in Quadratmillimetern angegeben und entscheidet maßgeblich darüber, wie teuer ein Chip in der Herstellung ist.

Computerchips entstehen nicht einzeln, sondern zu hunderten gleichzeitig auf einer runden Scheibe aus Silizium. Diese Scheibe heißt Wafer und hat meist 30 Zentimeter Durchmesser. Am Ende der Fertigung wird sie zersägt, und jedes herausgeschnittene Rechteck ist ein fertiger Chip. Dieses einzelne Rechteck nennt man im Fachjargon Die, gesprochen wie das englische Wort « dai ». Die Die-Größe ist schlicht die Fläche eines solchen Rechtecks, angegeben in Quadratmillimetern. Kleine Chips für Smartphones liegen bei etwa 100 mm², große Grafik- und KI-Chips erreichen über 800 mm².

Warum Quadratmillimeter über Milliarden entscheiden

Ein Wafer kostet in der Herstellung einen festen Betrag, unabhängig davon, was darauf produziert wird. Bei modernster Fertigung sind das mehrere zehntausend Dollar pro Scheibe. Der Preis pro Chip ergibt sich also fast direkt daraus, wie viele Chips auf die Scheibe passen. Halbiert man die Die-Größe, verdoppelt sich grob die Ausbeute und der Stückpreis sinkt entsprechend.

Dazu kommt ein zweiter Effekt, der oft unterschätzt wird. Auf jedem Wafer entstehen zufällig verteilte Defekte, winzige Fehler im Material oder in der Belichtung. Ein Defekt macht in der Regel den gesamten Chip unbrauchbar, in dem er sitzt. Bei kleinen Chips trifft ein Defekt nur ein kleines Stück Fläche. Bei einem sehr großen Chip ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass irgendwo ein Defekt landet.

Deshalb steigen die Kosten mit der Fläche nicht linear, sondern überproportional. Ein Chip mit doppelter Fläche kostet deutlich mehr als das Doppelte. Genau das erklärt, warum große KI-Beschleuniger fünfstellige Preise haben, während ein Handy-Chip im niedrigen zweistelligen Bereich liegt.

Was Ingenieure gegen zu große Chips tun

Die Fläche wird von der Anzahl der Transistoren bestimmt, also der winzigen Schalter, aus denen ein Chip besteht. Mehr Rechenleistung braucht mehr Transistoren, und mehr Transistoren brauchen Platz. Der klassische Ausweg ist eine feinere Fertigung: Bei jeder neuen Generation werden die Strukturen kleiner, sodass mehr Transistoren auf dieselbe Fläche passen. Bezeichnungen wie « 3-Nanometer-Prozess » verweisen auf diese Miniaturisierung, auch wenn die Zahl heute eher ein Marketingname als ein echtes Maß ist.

Diese Verkleinerung stößt an physikalische Grenzen und wird immer teurer. Deshalb setzt die Branche zunehmend auf eine zweite Strategie, das sogenannte Chiplet-Design. Statt eines riesigen Dies baut man mehrere kleinere und verbindet sie in einem gemeinsamen Gehäuse. Jedes einzelne Stück hat dann eine bessere Ausbeute, weil ein Defekt nur ein Teilstück ruiniert.

Es gibt allerdings eine harte Obergrenze. Die Belichtungsmaschinen können pro Vorgang nur ein Feld von etwa 26 mal 33 Millimetern abbilden, rund 858 mm². Dieses Limit heißt Reticle Limit. Wer größer bauen will, muss zwangsläufig mehrere Dies zusammensetzen.

Die-Größe in Produktmeldungen und Quartalszahlen

In Testberichten zu Prozessoren und Grafikkarten steht die Die-Größe meist direkt neben der Transistorzahl. Sie erlaubt einen fairen Vergleich zwischen Herstellern: Wer auf weniger Fläche gleich viel Leistung bringt, arbeitet effizienter. Fachleute rechnen dafür oft die Transistordichte aus, also Millionen Transistoren pro Quadratmillimeter.

Auch in Finanznachrichten taucht das Thema auf, wenn auch selten unter diesem Namen. Wenn ein Hersteller über sinkende Margen klagt, steckt häufig ein zu großer und damit teurer Chip dahinter. Umgekehrt gilt ein kompaktes Design als Wettbewerbsvorteil, weil aus derselben knappen Fertigungskapazität mehr verkaufsfähige Ware entsteht.

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass ein größerer Chip automatisch der bessere sei. Fläche allein sagt nichts über Leistung aus, sondern nur über Materialverbrauch. Entscheidend ist immer das Verhältnis von Leistung zu Fläche und Stromverbrauch.

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