
Decentralized Autonomous Organization
Eine Decentralized Autonomous Organization ist eine Gemeinschaft, die gemeinsames Geld und gemeinsame Regeln über ein öffentliches Computerprogramm verwaltet statt über eine Geschäftsführung. Entscheidungen fallen durch Abstimmungen der Mitglieder, und das Ergebnis wird automatisch ausgeführt.
Eine Decentralized Autonomous Organization ist ein Zusammenschluss von Menschen, der ohne Chefetage auskommt. Statt einer Geschäftsführung entscheidet die Gruppe gemeinsam, und zwar durch Abstimmungen. Die Regeln dafür stehen nicht in einem Vertrag auf Papier, sondern in einem Computerprogramm. Dieses Programm läuft auf vielen Rechnern gleichzeitig, sodass niemand es allein ändern kann. Alle Abstimmungen und alle Zahlungen sind öffentlich einsehbar. Der englische Name wird meist zu DAO abgekürzt und Da-O ausgesprochen.
Warum Menschen Organisationen ohne Chef bauen
Der Grundgedanke ist Misstrauen gegenüber zentralen Verwaltern. Wer bei einem Verein oder einer Firma mitmacht, muss darauf vertrauen, dass der Vorstand die Kasse korrekt führt. Bei einer DAO soll dieses Vertrauen überflüssig sein. Jede Überweisung aus der gemeinsamen Kasse braucht eine Mehrheit, und jeder kann die Kontostände nachprüfen.
Interessant ist das vor allem für Gruppen, die sich über Ländergrenzen hinweg bilden. Tausend Menschen aus dreißig Ländern können schwer gemeinsam einen deutschen Verein gründen. Eine DAO funktioniert dagegen überall dort, wo es Internet gibt. Manche DAOs verwalten dabei erhebliche Summen: Einzelne Projekte kamen in Spitzenzeiten auf Guthaben im Wert von mehreren Milliarden Euro.
Es gibt aber ein ungelöstes Problem: die Rechtslage. In vielen Ländern ist unklar, wer haftet, wenn eine DAO Schulden macht oder gegen Gesetze verstößt. Im schlimmsten Fall gelten alle Mitglieder als persönlich haftbar. Einige US-Bundesstaaten haben deshalb eigene Rechtsformen für DAOs geschaffen, in Deutschland fehlt so etwas bislang.
Abstimmung per Token und Smart Contract
Das Herzstück ist ein sogenannter Smart Contract. Das ist ein Programm, das auf einer Blockchain liegt. Eine Blockchain wiederum ist eine gemeinsame Datenbank, die von tausenden Rechnern parallel geführt wird. Einträge darin lassen sich nachträglich praktisch nicht mehr verändern. Deshalb kann auch niemand die Regeln der DAO heimlich umschreiben.
Mitglied wird man meist über Token. Ein Token ist eine digitale Marke, die man kaufen oder für Mitarbeit erhalten kann. Wer hundert Token hält, hat oft hundert Stimmen. Ein Vorschlag wird eingereicht, es folgt eine Abstimmungsfrist von zum Beispiel einer Woche. Erreicht der Vorschlag die nötige Mehrheit, führt der Smart Contract ihn selbst aus und überweist etwa das bewilligte Geld.
Ein häufiger Irrtum: Autonom heißt hier nicht, dass eine KI entscheidet. Autonom bedeutet nur, dass das Programm ohne menschlichen Verwalter ausführt, was die Abstimmung ergeben hat. Die Entscheidungen selbst treffen weiterhin Menschen. Und weil Stimmen an Token hängen, kann eine kleine Gruppe mit viel Geld eine DAO auch dominieren.
Von der Kryptoszene bis in die Wirtschaftsnachrichten
Am häufigsten trifft man DAOs im Umfeld von Kryptowährungen. Viele große Krypto-Projekte werden heute von einer DAO gesteuert, die über Software-Updates und Fördergelder abstimmt. Daneben gibt es DAOs, die gemeinsam Kunst kaufen, Spenden verteilen oder Computerspiele betreiben.
In den Nachrichten taucht der Begriff meist bei zwei Anlässen auf. Erstens, wenn eine DAO über etwas Spektakuläres abstimmt, etwa den Kauf eines seltenen Objekts. Zweitens, wenn etwas schiefgeht. Berühmt wurde der Fall der ersten großen DAO im Jahr 2016: Ein Fehler im Programmcode erlaubte es einem Angreifer, Guthaben im Wert von rund 50 Millionen Dollar abzuziehen.
Für dich im Alltag hat das bisher wenig Bedeutung. Wichtig ist die Abgrenzung: Eine DAO ist keine Firma und kein eingetragener Verein, auch wenn sie ähnliche Aufgaben erfüllt. Wenn in einem Text von einer DAO die Rede ist, geht es fast immer um eine Gruppe, deren Kasse und Regeln offen auf einer Blockchain liegen.