
Doubleshot-Verfahren
Beim Doubleshot-Verfahren wird ein Kunststoffteil aus zwei getrennt eingespritzten Kunststoffportionen hergestellt, die fest miteinander verschmelzen. Bekannt ist es vor allem von Tastaturtasten, deren Buchstaben aus einem zweiten Kunststoff bestehen und deshalb nicht abnutzen können.
Viele Kunststoffteile werden gegossen: flüssiger Kunststoff wird in eine Hohlform gespritzt und erstarrt dort zur gewünschten Form. Beim Doubleshot-Verfahren passiert das zweimal hintereinander, mit zwei verschiedenen Kunststoffportionen. Zuerst entsteht ein Grundkörper, der absichtlich Lücken oder Aussparungen hat. Dann wird eine zweite Portion Kunststoff, meist in einer anderen Farbe, in diese Lücken gespritzt. Beide Teile verbinden sich dabei zu einem einzigen Stück. Der Name kommt aus dem Englischen und heißt wörtlich « zwei Schüsse », weil der Kunststoff in zwei Durchgängen eingeschossen wird.
Warum die Beschriftung nicht abnutzt
Am bekanntesten ist das Verfahren bei Computertastaturen. Die Buchstaben auf günstigen Tasten sind meist aufgedruckt oder mit Laser aufgebrannt. Diese Schicht ist dünn und liegt oben auf. Nach einigen Monaten intensiven Tippens verschwindet sie an den häufig benutzten Tasten. Wer viel schreibt, kennt Tastaturen mit blanken Stellen bei A, S, D und E.
Bei einer Doubleshot-Taste ist der Buchstabe kein Aufdruck, sondern ein Materialblock. Er reicht von der Oberfläche bis tief in die Taste hinein. Wenn sich die Oberseite abschleift, kommt darunter derselbe Buchstabe wieder zum Vorschein. Man kann die Beschriftung also nicht wegwischen, weil sie Teil des Bauteils ist. Deshalb gilt das Verfahren in der Tastatur-Szene als Qualitätsmerkmal.
Wirtschaftlich ist das ein Kompromiss. Doubleshot-Teile brauchen zwei Formen und eine aufwendigere Maschine. Das erhöht die Herstellungskosten pro Stück deutlich. Bezahlt wird das über einen höheren Verkaufspreis oder über die längere Lebensdauer des Produkts.
Zwei Schüsse in eine Form
Im ersten Schritt schließt sich eine Stahlform um einen Hohlraum. Geschmolzener Kunststoff wird unter hohem Druck hineingedrückt und kühlt ab. Der so entstandene Grundkörper bleibt in der Maschine und wird nicht entnommen. Er wandert nur in eine zweite Formhälfte, die etwas größer ist und neue Hohlräume freilässt.
Nun folgt der zweite Schuss mit dem anderen Kunststoff. Weil der erste Teil noch warm ist, verschmelzen die Oberflächen der beiden Portionen. Es entsteht keine Klebestelle, sondern eine echte Materialverbindung. Damit das gelingt, müssen die beiden Kunststoffe chemisch zueinander passen. Sonst haften sie nicht und das Teil fällt später auseinander.
Man verwechselt das Verfahren leicht mit dem sogenannten Dye-Sublimation-Druck, bei dem Farbe in die Oberfläche eines fertigen Teils eindringt. Der Unterschied ist grundlegend: Dort wird gefärbt, hier wird ein zweites Mal Material eingebaut. Auch die Grenze zum einfachen Zweifarbendruck ist klar. Druck liegt auf dem Bauteil, der zweite Schuss steckt darin.
Vom Tastenkeller bis zur Zahnbürste
Am häufigsten liest man den Begriff in Testberichten zu mechanischen Tastaturen. Hersteller werben dort mit « Doubleshot PBT », wobei PBT die Abkürzung für einen besonders harten Kunststoff ist. Solche Tastensätze kosten oft mehr als eine komplette Bürotastatur. Bastler kaufen sie einzeln und tauschen sie selbst aus.
Außerhalb der Tastaturwelt steckt das gleiche Prinzip in vielen Alltagsdingen. Zahnbürsten haben einen harten Griff mit weichen Gummizonen, Werkzeuggriffe und Autoschalter sind genauso aufgebaut. Dort spricht man meist von Zwei-Komponenten-Spritzguss oder kurz 2K-Spritzguss. Auch beleuchtete Autotasten nutzen das Verfahren: Das Symbol besteht aus durchsichtigem Kunststoff, der Rest ist schwarz und blockiert das Licht.
Für Anleger ist der Begriff vor allem ein Hinweis auf Fertigungstiefe. Firmen, die solche Teile in großen Mengen sauber produzieren, brauchen teure Maschinen und Erfahrung. Das schützt sie ein Stück weit vor billigerer Konkurrenz.