
DNS-Resolver
Ein DNS-Resolver ist der Dienst, der Internetadressen wie „tagesschau.de“ in die Zahlenadresse übersetzt, die Computer zum Verbinden brauchen. Er läuft meist beim Internetanbieter oder bei Anbietern wie Google und Cloudflare und wird bei fast jedem Klick im Netz benutzt.
Jeder Computer im Internet hat eine Nummer, über die man ihn erreicht. Sie heißt IP-Adresse und sieht etwa so aus: 93.184.216.34. Menschen merken sich lieber Namen wie « wikipedia.org ». Der DNS-Resolver ist der Dienst, der diesen Namen in die passende Nummer übersetzt. Er ist also so etwas wie die Telefonauskunft des Internets: Du nennst den Namen, du bekommst die Nummer. DNS steht dabei für Domain Name System, also für das weltweite Verzeichnis dieser Namen und Nummern.
Ohne Auskunft kein Aufruf
Ohne Resolver funktioniert praktisch nichts im Netz. Der Browser kann keine Verbindung aufbauen, solange er die Zahlenadresse nicht kennt. Deshalb steht am Anfang jedes Seitenaufrufs, jeder App-Anfrage und jeder E-Mail eine solche Übersetzung. Wenn der Resolver ausfällt, wirkt das für Nutzer wie ein Totalausfall des Internets, obwohl die Webseiten selbst noch laufen. Genau das ist die Ursache vieler großer Störungen, über die in den Nachrichten berichtet wird.
Der Resolver ist außerdem ein Ort mit viel Macht. Wer ihn betreibt, sieht, welche Namen du anfragst. Das ist zwar nicht der Inhalt deiner Seiten, aber eine sehr aussagekräftige Liste. Zugleich kann ein Betreiber Antworten verweigern. In vielen Ländern werden Sperren genau hier umgesetzt: Der Resolver gibt für bestimmte Namen einfach keine oder eine falsche Adresse zurück.
Auch die Geschwindigkeit hängt daran. Eine Antwort dauert oft nur wenige Millisekunden, bei einem langsamen Resolver aber auch mal eine halbe Sekunde. Weil moderne Webseiten Inhalte von vielen verschiedenen Domains laden, summiert sich das spürbar.
Der Weg von der Wurzel bis zur Domain
Der Resolver kennt die Antworten nicht selbst. Er fragt sich stufenweise durch, deshalb nennt man ihn auch rekursiven Resolver. Zuerst fragt er einen der weltweit verteilten Wurzel-Server, wer für Namen mit der Endung « .de » zuständig ist. Dann fragt er diesen zuständigen Server, wer für « beispiel.de » zuständig ist. Zuletzt fragt er dort nach der konkreten Adresse. Drei bis vier Fragen, und die Nummer steht fest.
Damit das nicht jedes Mal passiert, merkt sich der Resolver Antworten für eine Weile. Dieser Zwischenspeicher heißt Cache. Jede Antwort trägt eine Haltbarkeit, die sogenannte TTL, oft ein paar Minuten bis mehrere Stunden. Deswegen dauert es nach dem Umzug einer Webseite manchmal Stunden, bis wirklich alle Nutzer die neue Adresse bekommen.
Ein bekanntes Problem: Früher liefen diese Anfragen unverschlüsselt, jeder im selben Netz konnte mitlesen oder gefälschte Antworten einschleusen. Dagegen gibt es heute DNS over HTTPS, kurz DoH. Dabei werden die Anfragen so verpackt wie normaler Webverkehr und damit verschlüsselt. Ein verbreiteter Irrtum ist allerdings, das mache dich anonym. Der Betreiber des Resolvers sieht deine Anfragen weiterhin, nur andere Mitleser eben nicht.
Welcher Resolver auf deinem Gerät läuft
Standardmäßig benutzt du den Resolver deines Internetanbieters. Dein Router bekommt dessen Adresse automatisch zugeteilt und gibt sie an alle Geräte im Haushalt weiter. Du kannst das in den Netzwerkeinstellungen ändern. Bekannte Alternativen sind 8.8.8.8 von Google, 1.1.1.1 von Cloudflare und 9.9.9.9 von Quad9, das bekannte Schadsoftware-Adressen blockiert.
In der Praxis begegnet dir das Thema meist, wenn etwas schiefgeht. Die Fehlermeldung « Server-IP-Adresse konnte nicht gefunden werden » bedeutet fast immer ein Problem bei der Namensauflösung. Auch Werbeblocker fürs ganze Heimnetz, etwa Pi-hole, arbeiten als eigener Resolver: Sie beantworten Anfragen an bekannte Werbedomains einfach mit einer Sackgasse.
In den Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff bei großflächigen Ausfällen auf. Fällt der Resolver eines großen Anbieters aus, sind schlagartig Millionen Nutzer betroffen. Diese Konzentration auf wenige große Betreiber gilt vielen Fachleuten als Risiko für die Stabilität des Internets.