
Durbin Amendment
Das Durbin Amendment ist eine US-Gesetzesregel von 2010, die begrenzt, wie viel Geld Banken für eine Zahlung mit Debitkarte kassieren dürfen. Sie senkte diese Gebühr bei großen Banken von durchschnittlich rund 44 auf etwa 24 US-Cent pro Zahlung.
Wenn du in den USA mit einer Debitkarte bezahlst, also mit einer Karte, die das Geld sofort vom Girokonto abbucht, verdient die Bank daran mit. Der Laden zahlt bei jeder Zahlung eine kleine Gebühr, die bei der Bank des Kunden landet. Diese Gebühr heißt Interchange. Das Durbin Amendment ist eine Regel aus dem Jahr 2010, die genau diese Gebühr nach oben deckelt. Sie ist nach dem US-Senator Richard Durbin benannt und gehört zu einem großen Finanzgesetz, das nach der Finanzkrise von 2008 beschlossen wurde. Seit Oktober 2011 gilt sie für Banken mit mehr als zehn Milliarden Dollar Bilanzsumme, also für die großen Häuser.
Wer durch den Gebührendeckel gewinnt und wer verliert
Vor der Regel kassierten Banken im Schnitt etwa 44 US-Cent pro Debitkartenzahlung. Danach waren es rund 24 Cent. Bei Milliarden von Zahlungen pro Jahr ergibt das eine Verschiebung von mehreren Milliarden Dollar jährlich. Dieses Geld fließt von den Banken zu den Händlern.
Supermärkte und Handelsketten hatten jahrelang für diese Regel geworben. Ihr Argument: Die Gebühren seien künstlich hoch, weil ein Laden kaum wählen kann, welche Karten er akzeptiert. Die Banken hielten dagegen, dass sie mit den Einnahmen Betrugsschutz und kostenlose Girokonten finanzieren. Nach 2011 schafften viele US-Banken tatsächlich gebührenfreie Konten ab oder knüpften sie an Mindestguthaben.
Ein Streitpunkt ist bis heute, ob die Kunden etwas davon gemerkt haben. Studien zeigen, dass die Händler nur einen Teil der Ersparnis über niedrigere Preise weitergaben. Kleine Banken und Kreditgenossenschaften sind vom Deckel ausgenommen. Kreditkarten sind ebenfalls nicht betroffen, was mit ein Grund dafür ist, dass US-Banken seither stark für Kreditkarten werben.
Vom Gesetzestext zur Zwei-Netzwerk-Pflicht
Das Durbin Amendment steht als Abschnitt 1075 im Dodd-Frank Act, einem Reformgesetz für den Finanzmarkt. Es schreibt vor, dass die Gebühr angemessen sein muss und im Verhältnis zu den echten Kosten der Abwicklung steht. Die genaue Höhe legte aber nicht der Kongress fest, sondern die US-Notenbank Federal Reserve. Deren Ausführungsvorschrift heißt Regulation II.
Die Formel lautet seit 2011: maximal 21 Cent plus 0,05 Prozent des Kaufbetrags. Wer bestimmte Anforderungen an den Betrugsschutz erfüllt, darf einen weiteren Cent aufschlagen. Bei einem Einkauf über 50 Dollar ergibt das rund 24,5 Cent. Vorher war die Gebühr oft ein reiner Prozentsatz, was bei großen Beträgen deutlich teurer war.
Ein zweiter, oft übersehener Teil der Regel betrifft das Routing. Jede Debitkarte muss über mindestens zwei voneinander unabhängige Zahlungsnetzwerke laufen können. Der Händler darf dann wählen, über welches er die Zahlung schickt, und nimmt meist das billigere. Diese Wahlfreiheit setzt die Netzwerke Visa und Mastercard unter Preisdruck. Seit 2023 gilt die Pflicht ausdrücklich auch für Onlinezahlungen.
Warum Fintech-Nachrichten das Thema immer wieder aufgreifen
In Wirtschaftsnachrichten taucht das Durbin Amendment meist dann auf, wenn es um die Erträge von Banken oder Zahlungsdienstleistern geht. Anbieter wie Chime oder Cash App bauen ihr Geschäft stark auf Interchange-Einnahmen aus Debitkarten. Weil sie über kleine Partnerbanken unter der Zehn-Milliarden-Grenze arbeiten, gilt der Deckel für sie nicht. Dieser Umweg wird in der Branche offen diskutiert und regelmäßig kritisiert.
Aktuell ist außerdem ein Vorschlag der Federal Reserve von 2023, die Obergrenze weiter auf etwa 14,4 Cent zu senken. Banken wehren sich dagegen, Handelsverbände unterstützen ihn. Parallel läuft im Kongress ein Vorstoß, ähnliche Routing-Regeln auf Kreditkarten auszuweiten. Dieser Credit Card Competition Act wird oft als Durbin 2.0 bezeichnet.
Für Europa ist die Regel vor allem ein Vergleichsmaßstab. Die EU deckelt Interchange seit 2015 über eine eigene Verordnung, dort auf 0,2 Prozent bei Debitkarten. Ein häufiger Irrtum ist, das Durbin Amendment betreffe auch europäische Karten oder Kreditkarten allgemein. Es gilt ausschließlich für US-Debitkartenzahlungen.