FMVSS

FMVSS

FMVSS sind die verbindlichen Sicherheitsvorschriften, die jedes Auto erfüllen muss, das in den USA verkauft wird. Für selbstfahrende Autos sind sie ein Problem, weil viele Regeln stillschweigend voraussetzen, dass ein Mensch am Steuer sitzt.

FMVSS ist die Abkürzung für Federal Motor Vehicle Safety Standards, auf Deutsch etwa: bundesweite Sicherheitsstandards für Kraftfahrzeuge. Es handelt sich um eine Sammlung von Vorschriften, die in den USA gelten. Sie legen fest, was ein Auto können und haben muss, damit es dort überhaupt verkauft werden darf. Geregelt wird zum Beispiel, wie hell Scheinwerfer leuchten, wie stark Bremsen verzögern und wie ein Airbag auslösen muss. Zuständig ist die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA, eine Bundesbehörde für Straßenverkehr. Anders als in Europa prüft dort keine Behörde jedes Modell vorab: Die Hersteller bestätigen selbst, dass ihre Fahrzeuge die Standards einhalten.

Der Türsteher des amerikanischen Automarkts

Die USA sind einer der größten Automärkte der Welt. Wer dort nicht verkaufen darf, verliert einen erheblichen Teil seines möglichen Umsatzes. Deshalb entscheidet die Einhaltung der FMVSS mit darüber, ob sich die Entwicklung eines Fahrzeugmodells überhaupt rechnet. Für Anleger und Wirtschaftsnachrichten ist das Thema damit keine reine Technikfrage, sondern eine Geldfrage.

Besonders brisant wird es bei Fahrzeugen ohne Lenkrad und Pedale. Viele FMVSS-Regeln sind nämlich in einer Zeit entstanden, in der ein Mensch selbstverständlich fuhr. Sie schreiben etwa vor, wie ein Airbag den Fahrer auf dem Fahrersitz schützt oder wo Warnleuchten im Sichtfeld des Fahrers sitzen. Ein Robotaxi ohne Fahrerplatz kann solche Vorgaben schlicht nicht erfüllen, obwohl es nicht unsicherer sein muss.

Ein Hersteller kann deshalb eine Ausnahmegenehmigung beantragen, eine sogenannte Exemption. Die Zahl solcher Genehmigungen war lange auf wenige tausend Fahrzeuge pro Hersteller und Jahr begrenzt. Wenn in den Nachrichten steht, ein Unternehmen warte auf eine Freigabe der NHTSA, geht es fast immer um genau diesen Punkt.

Selbstzertifizierung statt Vorabprüfung

Die FMVSS bestehen aus nummerierten Einzelstandards. FMVSS 208 behandelt zum Beispiel den Insassenschutz bei einem Aufprall, FMVSS 111 die Sicht nach hinten, etwa über Kameras. Jeder Standard beschreibt ein Testverfahren und einen Grenzwert, den das Fahrzeug einhalten muss. Ein Beispiel: Ein Auto wird mit einer festgelegten Geschwindigkeit gegen eine Barriere gefahren, und Messpuppen dürfen dabei bestimmte Belastungswerte nicht überschreiten.

Der Hersteller führt diese Tests selbst durch oder lässt sie durchführen. Danach bringt er eine Plakette am Fahrzeug an, mit der er die Einhaltung bestätigt. Diese Selbstbestätigung nennt man Selbstzertifizierung. Die Behörde kontrolliert stichprobenartig nach und kann Rückrufe anordnen, wenn etwas nicht stimmt.

Ein häufiger Irrtum: FMVSS regeln nicht die Software eines Fahrassistenten. Ob ein Spurhalteassistent gut oder schlecht arbeitet, steht in keinem der Standards. Solche Systeme werden bislang eher über allgemeine Regeln zu Sicherheitsmängeln und über Meldepflichten für Unfälle erfasst. Genau diese Lücke ist der Grund, warum über eine Modernisierung der FMVSS diskutiert wird.

FMVSS in Meldungen über Robotaxis und Importe

Am häufigsten taucht der Begriff auf, wenn Unternehmen wie Zoox, Waymo oder Tesla neue Fahrzeuge ohne klassische Bedienelemente ankündigen. Dann folgt fast immer der Hinweis, dass eine Ausnahme von den FMVSS nötig ist. Verzögert sich diese Entscheidung, verschiebt sich der Marktstart – und das bewegt Aktienkurse.

Der Begriff begegnet einem auch beim Autoimport. Ein in Europa zugelassener Wagen erfüllt die europäischen Vorschriften, nicht automatisch die FMVSS. Wer ihn dauerhaft in die USA einführen will, muss ihn umbauen lassen oder auf eine Sonderregel für Fahrzeuge ab 25 Jahren warten. Umgekehrt gilt das genauso: Ein US-Modell braucht für Europa oft andere Blinker und Scheinwerfer.

Zur Einordnung hilft der Vergleich mit Europa. Dort heißen die entsprechenden Regeln UN-ECE-Vorschriften, und eine Behörde erteilt vorab eine Typgenehmigung. Erst danach darf gebaut und verkauft werden. Beide Systeme verfolgen dasselbe Ziel, gehen aber unterschiedliche Wege dorthin.

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