
Level 4
Level 4 bezeichnet die vierte von fünf Stufen des automatisierten Fahrens: Das Fahrzeug fährt in einem klar festgelegten Einsatzgebiet vollständig allein, ohne dass ein Mensch eingreifen muss. Außerhalb dieses Gebiets fährt es gar nicht.
Autos, die selbst fahren, können das unterschiedlich gut. Fachleute unterscheiden deshalb fünf Stufen, von einfacher Unterstützung bis zum völlig selbstständigen Fahrzeug. Diese Einteilung stammt von einem internationalen Verband von Autoingenieuren, der SAE. Level 4 ist die vierte dieser Stufen. Ein Fahrzeug auf dieser Stufe fährt in einem vorher festgelegten Gebiet komplett allein: Es lenkt, bremst, beschleunigt und beobachtet die Umgebung. Kommt eine Situation vor, mit der es nicht klarkommt, muss trotzdem kein Mensch einspringen. Das Auto bringt sich dann selbst in einen sicheren Zustand, hält also zum Beispiel am Straßenrand an.
Der Sprung, bei dem der Fahrer wegfällt
Zwischen Level 3 und Level 4 liegt der eigentlich entscheidende Unterschied. Auf Level 3 darf man während der Fahrt zwar auf das Handy schauen. Man bleibt aber Rückfallebene: Wenn das System ruft, muss man innerhalb weniger Sekunden wieder übernehmen. Genau diese Pflicht fällt auf Level 4 weg. Deshalb kann ein solches Fahrzeug auch ganz ohne Insassen fahren, etwa leer zur nächsten Ladestation.
Wirtschaftlich ist das der Punkt, an dem sich Geschäftsmodelle ändern. Ein Taxi ohne Fahrer hat keine Personalkosten mehr, und Personal ist im Taxigeschäft der größte Kostenblock. Auch Lieferverkehr und Busse auf festen Strecken werden dadurch interessant. Genau deshalb stecken Konzerne wie Alphabet, Amazon oder chinesische Anbieter seit Jahren Milliarden in diese Technik.
Ein verbreiteter Irrtum: Level 4 heißt nicht „fährt überall“. Ein Level-4-Auto darf innerhalb seines Gebiets alles allein, außerhalb aber praktisch nichts. Erst Level 5 wäre ein Fahrzeug ohne solche Grenzen, das überall und bei jedem Wetter fährt. Level 5 gibt es bisher nirgendwo auf der Straße.
Sensoren, Karten und das festgelegte Einsatzgebiet
Das Fahrzeug erfasst seine Umgebung mit mehreren Sensortypen gleichzeitig. Kameras liefern Farben und Schrift, etwa Ampeln und Schilder. Radar misst Abstände und Geschwindigkeiten auch bei Nebel. Lidar tastet die Umgebung mit Laserstrahlen ab und erzeugt ein genaues 3D-Bild. Software fügt diese Datenströme zu einem einzigen Umgebungsmodell zusammen.
Dazu kommt eine hochgenaue Karte, die viel mehr enthält als ein Navigationssystem. Sie kennt jede Fahrspur, jeden Bordstein und jede Ampelposition auf wenige Zentimeter genau. Das Auto vergleicht permanent, was es sieht, mit dem, was die Karte erwartet. Genau deshalb funktioniert Level 4 nur dort, wo diese Karten vorher erstellt und gepflegt wurden.
Dieses Gebiet nennt man Betriebsbereich, englisch Operational Design Domain. Er umfasst nicht nur Straßen, sondern auch Bedingungen: bestimmte Stadtteile, Tempolimits, teils auch nur bestimmtes Wetter. Zusätzlich sind wichtige Bauteile doppelt vorhanden, etwa Bremsen und Stromversorgung. Fällt eines aus, übernimmt das zweite, und das Fahrzeug hält kontrolliert an.
Robotaxis in San Francisco, Shuttles in deutschen Vororten
Am bekanntesten sind fahrerlose Taxis. Waymo, eine Tochter des Google-Konzerns Alphabet, fährt so in mehreren US-Städten im regulären Betrieb. In China bieten Baidu und Pony.ai vergleichbare Dienste an. Man bestellt per App ein Auto, steigt ein, und vorne sitzt niemand. Diese Fahrzeuge sind das derzeit sichtbarste Beispiel für Level 4.
In Deutschland ist Level 4 seit 2021 gesetzlich erlaubt, allerdings nur auf genehmigten Strecken. Typisch sind kleine Shuttlebusse, die Vororte oder Klinikgelände anbinden. Auch auf Firmengeländen, in Häfen und im Bergbau fahren solche Fahrzeuge, weil dort die Umgebung überschaubar bleibt.
In Nachrichten begegnet dir der Begriff oft im Zusammenhang mit Aktienkursen und Unfällen. Beides hängt zusammen: Ein einziger schwerer Zwischenfall kann Genehmigungen kosten und Milliarden an Börsenwert. Wenn ein Hersteller mit „autonomem Fahren“ wirbt, lohnt deshalb der Blick auf die Stufe. Assistenzsysteme in normalen Neuwagen sind fast immer Level 2, nicht Level 4.