Legacy-SaaS

Legacy-SaaS

Legacy-SaaS bezeichnet Mietsoftware aus dem Internet, deren Aufbau und Geschäftsmodell aus der Zeit vor der aktuellen KI-Welle stammen. Der Begriff taucht vor allem an der Börse auf, wenn Anleger fragen, ob solche Anbieter durch KI überflüssig werden.

Viele Firmen kaufen ihre Software heute nicht mehr, sondern mieten sie. Das Programm läuft dann nicht auf dem eigenen Rechner, sondern in einem Rechenzentrum des Anbieters, und man zahlt monatlich pro Nutzer. Dieses Modell heißt Software as a Service, kurz SaaS. Bekannte Beispiele sind Salesforce für Kundendaten, Workday für Personalverwaltung oder Zendesk für den Kundensupport. Legacy-SaaS ist keine eigene Technik, sondern ein Werturteil: Gemeint sind Anbieter, deren Produkt vor dem KI-Boom entworfen wurde und dessen Aufbau nun als veraltet gilt. Das englische Wort „legacy“ bedeutet Erbe oder Hinterlassenschaft und wird in der Technikbranche für alles benutzt, was noch läuft, aber aus einer früheren Epoche stammt.

Der Streit um den Preis pro Nutzer

Der Begriff ist vor allem deshalb wichtig, weil an ihm sehr viel Börsenwert hängt. Klassische Mietsoftware verlangt einen festen Betrag pro Mitarbeiter und Monat. Dieses Modell funktioniert nur, solange Unternehmen viele Menschen beschäftigen, die vor dem Bildschirm sitzen und Daten eintippen. Genau diese Arbeit können KI-Programme heute teilweise übernehmen.

Daraus entsteht eine unangenehme Rechnung für die Anbieter. Wenn ein Kunde mit Hilfe von KI dieselbe Arbeit mit weniger Personal schafft, braucht er auch weniger Lizenzen. Der Umsatz des Softwareanbieters sinkt also genau dann, wenn seine Kunden produktiver werden. Anleger nennen das die Bedrohung des Seat-Modells, also der Abrechnung nach Arbeitsplätzen.

Man sollte das Urteil trotzdem nicht vorschnell fällen. Viele dieser Anbieter sitzen auf riesigen Datenbeständen ihrer Kunden, an die neue Konkurrenten nicht herankommen. Außerdem tauschen große Konzerne ihre Personalsoftware nicht innerhalb weniger Monate aus. Ob ein Anbieter wirklich „legacy“ ist, zeigt sich deshalb erst über Jahre.

Woran man alte Bauweise erkennt

Technisch steckt hinter Legacy-SaaS oft eine Software, die um Formulare und Tabellen herum gebaut ist. Der Mensch bedient sie: Er klickt sich durch Menüs, füllt Felder aus und speichert. Die Software selbst trifft dabei kaum Entscheidungen, sie verwaltet nur zuverlässig, was eingegeben wurde. Der Wert lag jahrelang genau in dieser Zuverlässigkeit.

Neuere Ansätze drehen das Verhältnis um. Dort beschreibt der Nutzer sein Ziel in normaler Sprache, und das Programm führt die nötigen Schritte selbst aus. Solche Systeme nennt man Agenten, weil sie eigenständig handeln statt nur auf Klicks zu warten. Für eine alte Anwendung ist so ein Umbau schwierig, weil die gesamte Bedienlogik daran hängt.

Hinzu kommt ein zweites Problem: der Programmcode selbst. Manche dieser Produkte werden seit fünfzehn oder zwanzig Jahren weiterentwickelt und tragen viele Altlasten mit sich. Jede Änderung muss Rücksicht auf tausende Bestandskunden nehmen, die nichts kaputt gehen sehen wollen. Ein junges Konkurrenzprodukt startet ohne diese Rücksichten und ist deshalb schneller.

Der Begriff in Quartalszahlen und Schlagzeilen

Am häufigsten liest man das Wort in Börsenberichten und Analystenkommentaren. Wenn eine Aktie nach guten Zahlen trotzdem fällt, lautet die Begründung oft, der Markt halte das Unternehmen für Legacy-SaaS. Gemeint ist dann nicht die aktuelle Lage, sondern die Sorge um die nächsten fünf Jahre.

Die Anbieter selbst wehren sich gegen das Etikett. Fast alle haben inzwischen KI-Funktionen eingebaut und rechnen sie teils getrennt ab, etwa pro erledigter Aufgabe statt pro Nutzer. Ob das reicht, ist offen. Ein typischer Irrtum ist übrigens, Legacy-SaaS mit schlechter Software gleichzusetzen. Viele dieser Programme funktionieren hervorragend, ihr Problem ist allein das Geschäftsmodell dahinter.

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