
Lyria
Lyria ist ein Musik-Modell von Google DeepMind, das aus einer Textbeschreibung fertige Musikstücke mit Instrumenten und teilweise Gesang erzeugt. Es steckt unter anderem hinter Googles Musikwerkzeugen MusicFX und dem Experiment Dream Track auf YouTube.
Lyria ist ein Computerprogramm von Google, das Musik erzeugt. Man tippt eine Beschreibung ein, zum Beispiel „ruhiger Jazz mit Saxofon und Regen im Hintergrund“. Wenige Sekunden später kommt ein Musikstück heraus, das es vorher nirgends gab. Entwickelt wurde es bei DeepMind, der KI-Abteilung von Google. Lyria erzeugt dabei nicht nur eine Melodie als Noten, sondern direkt fertigen Klang mit Schlagzeug, Bass, Instrumenten und in manchen Versionen auch Gesangsstimmen.
Was Lyria für die Musikbranche bedeutet
Musik war lange ein Bereich, in dem Maschinen schlecht abschnitten. Texte und Bilder konnten Programme schon länger passabel erzeugen. Musik ist schwieriger, weil sie über Minuten hinweg zusammenpassen muss. Ein Lied darf im dritten Refrain nicht plötzlich die Tonart wechseln. Genau dieses lange Gedächtnis ist es, was Modelle wie Lyria mittlerweile einigermaßen beherrschen.
Wirtschaftlich betrifft das vor allem einen bestimmten Markt: Hintergrundmusik. Millionen Videos auf YouTube, TikTok oder in Werbespots brauchen Musik, die niemandem auffällt. Bisher kaufte man dafür Lizenzen bei Anbietern für sogenannte Stockmusik. Solche Musik kann eine KI in Sekunden liefern, zu fast keinen Kosten. Für Komponisten, die von genau diesen Aufträgen leben, ist das eine ernste Bedrohung.
Gleichzeitig ist die rechtliche Lage ungeklärt. Trainiert wurden solche Modelle mit riesigen Mengen bestehender Musik. Ob Plattenfirmen dafür bezahlt werden müssen, ist Gegenstand mehrerer Gerichtsverfahren. Google hat deshalb früh Verträge mit Labels und einzelnen Künstlern geschlossen, statt einfach loszulegen. Das unterscheidet Lyria von manchen Konkurrenzprodukten, die ohne solche Absprachen gestartet sind.
Vom Trainingsmaterial zur fertigen Tonspur
Lyria hat aus sehr vielen Musikaufnahmen gelernt, welche Klänge typischerweise aufeinander folgen. Dabei ging es nie um Auswendiglernen ganzer Lieder. Das Modell speichert Muster: Wie klingt Reggae, wie ein Refrain, wie ein Übergang zwischen zwei Teilen. Aus diesen Mustern setzt es beim Erzeugen etwas Neues zusammen.
Technisch arbeitet das Modell nicht direkt mit der rohen Tonspur. Eine Sekunde Musik besteht aus zehntausenden einzelnen Messwerten, das wäre viel zu viel Rechenarbeit. Stattdessen wird Musik in kompaktere Bausteine übersetzt, eine Art Kurzschrift für Klang. Das Modell sagt Schritt für Schritt den nächsten Baustein voraus. Am Ende übersetzt ein zweites Programm diese Bausteine zurück in hörbaren Ton.
Jede erzeugte Datei bekommt zusätzlich ein unhörbares Wasserzeichen namens SynthID. Man kann es nicht heraushören, aber ein Prüfprogramm erkennt es wieder, selbst nach Komprimierung oder Umschneiden. Damit lässt sich später nachweisen, dass ein Stück von einer Maschine stammt. Das ist wichtig, weil sonst niemand mehr echte von erzeugter Musik unterscheiden könnte.
Lyria in Googles Produkten und in den Schlagzeilen
Am direktesten trifft man Lyria in MusicFX, einem kostenlosen Werkzeug in Googles Experimentelabor. Dort gibt man eine Beschreibung ein und bekommt kurze Stücke zurück. Eine Variante namens Lyria RealTime erzeugt Musik fortlaufend, während man an Reglern für Stimmung und Instrumente dreht. Das ähnelt eher einem Instrument als einem Bestellformular.
Bekannt wurde die Technik durch Dream Track, ein Experiment auf YouTube Shorts. Dort konnten ausgewählte Nutzer kurze Soundtracks erzeugen, die nach der Stimme bekannter Musiker klangen. Neun Künstler hatten dem ausdrücklich zugestimmt, darunter Charlie Puth und T-Pain. Das Projekt blieb klein, zeigte aber, wohin die Reise geht.
In Wirtschaftsnachrichten taucht Lyria meist im Vergleich mit Suno und Udio auf, zwei Start-ups mit ähnlichen Produkten. Beide wurden von großen Plattenfirmen verklagt. Ein häufiger Irrtum dabei: Lyria ist kein Produkt, das man kaufen kann, sondern ein Modell im Hintergrund. Nutzer sehen immer nur die Anwendung darüber, ähnlich wie ein Motor, der in verschiedenen Autos steckt.