Fintech

Fintech

Fintech bezeichnet Finanzdienstleistungen, die vor allem über Software und Apps laufen statt über Bankfilialen und Papier. Der Begriff steht sowohl für die Technik selbst als auch für die jungen Unternehmen, die damit Banken und Versicherungen Konkurrenz machen.

Fintech ist eine Kurzform aus den englischen Wörtern für Finanzen und Technologie. Gemeint sind Angebote rund um Geld, die zuerst als Software gedacht sind. Ein Konto wird per Handy in wenigen Minuten eröffnet, eine Überweisung mit zwei Fingertipps ausgelöst, ein Kredit von einem Programm geprüft. Der Begriff meint zugleich die Unternehmen, die solche Angebote bauen. Viele davon sind junge Firmen ohne Filialen, ohne Schalter und oft ohne eigene Banklizenz. Klassische Banken bieten heute allerdings ähnliche Dienste an, weshalb die Grenze unscharf geworden ist.

Warum das Bankgeschäft dadurch unter Druck steht

Über Jahrzehnte war eine Bank ein Ort. Wer Geld wollte, ging hin, wartete und unterschrieb Formulare. Fintech-Anbieter haben diesen Ort durch eine App ersetzt. Das senkt die Kosten drastisch, denn eine Software bedient eine Million Kunden fast so günstig wie tausend. Filialen, Personal und Papier fallen dagegen jedes Jahr aufs Neue an.

Für Kunden bedeutet das vor allem Tempo und niedrigere Gebühren. Eine Auslandsüberweisung, die früher Tage dauerte und zweistellige Beträge kostete, läuft heute in Minuten und kostet oft weniger als einen Euro. Auch Menschen ohne festes Einkommen oder ohne Bankfiliale in der Nähe kommen leichter an Konten. In Ländern wie Kenia oder Indien haben Bezahl-Apps ganze Bevölkerungsgruppen erstmals an das Finanzsystem angeschlossen.

Für Anleger und Wirtschaftsredaktionen ist Fintech deshalb ein Dauerthema. Firmen wie Klarna, Revolut oder N26 wurden in wenigen Jahren Milliarden wert. Gleichzeitig sind viele davon lange defizitär, weil sie erst Kunden gewinnen und später Geld verdienen wollen. Wenn Zinsen steigen und Kapital teurer wird, geraten genau diese Geschäftsmodelle unter Druck.

Was technisch hinter der App steckt

Das Herzstück ist fast immer eine Schnittstelle, im Fachjargon API genannt. Das ist eine festgelegte Anschlussstelle, über die zwei Programme automatisch Daten austauschen. Eine Bezahl-App fragt so bei einer Bank den Kontostand ab, ohne dass ein Mensch etwas eintippt. Die europäische Regel dazu heißt Open Banking: Banken müssen ihre Daten auf Wunsch des Kunden an andere Anbieter herausgeben.

Viele Fintechs besitzen selbst gar keine Erlaubnis, Bankgeschäfte zu betreiben. Sie mieten sie bei einer Partnerbank im Hintergrund. Man kann sich das wie bei einer Fluglinie vorstellen, die Tickets verkauft, aber die Maschinen anderer Gesellschaften nutzt. Nach außen sieht der Kunde nur die Marke der App.

Künstliche Intelligenz spielt vor allem bei Entscheidungen und Kontrolle eine Rolle. Programme schätzen anhand vieler Datenpunkte, wie wahrscheinlich jemand einen Kredit zurückzahlt. Andere Systeme erkennen auffällige Muster bei Zahlungen und stoppen mutmaßlichen Betrug in Sekundenbruchteilen. Ein häufiger Irrtum ist, Fintech mit Kryptowährungen gleichzusetzen. Krypto ist nur ein kleiner Teilbereich, der Großteil der Branche arbeitet mit ganz normalen Euro und Dollar.

Fintech im Alltag und in den Schlagzeilen

Die meisten Menschen nutzen Fintech täglich, ohne den Begriff zu verwenden. Bezahlen mit dem Handy an der Supermarktkasse gehört dazu. Ebenso PayPal, das Aufteilen einer Restaurantrechnung in einer App oder das Kaufen von Aktien über einen Broker ohne Beratungsgespräch. Auch die Ratenzahlung beim Online-Shopping ist ein Fintech-Produkt.

In den Nachrichten taucht der Begriff in zwei Zusammenhängen auf. Erstens bei Finanzierungsrunden und Börsengängen, wenn ein Anbieter viel Geld von Investoren einsammelt. Zweitens bei Skandalen und Regulierung. Der Zusammenbruch des Zahlungsdienstleisters Wirecard 2020 hat gezeigt, wie viel Vertrauen und wie wenig Kontrolle in dieser Branche zusammenkommen können. Aufsichtsbehörden schauen seither deutlich genauer hin.

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