Flash Crash

Flash Crash

Ein Flash Crash ist ein extrem schneller Kurssturz an der Börse, der sich innerhalb von Minuten wieder weitgehend auflöst. Ausgelöst wird er meist nicht durch echte Nachrichten, sondern durch automatische Handelsprogramme, die sich gegenseitig hochschaukeln.

An der Börse werden Aktien und andere Wertpapiere gehandelt, und ihre Preise schwanken ständig. Meist geschieht das langsam und in kleinen Schritten. Bei einem Flash Crash passiert etwas anderes: Die Preise stürzen innerhalb weniger Minuten dramatisch ab, manchmal um mehrere Prozent, manchmal um fast den gesamten Wert. Kurz darauf erholen sie sich fast vollständig, als wäre nichts gewesen. Der Name sagt es: „flash“ heißt Blitz, „crash“ heißt Absturz. Das Besondere ist, dass dahinter keine schlechte Nachricht über ein Unternehmen steckt, sondern die Technik des Handels selbst.

Was ein Absturz in Minuten anrichtet

Der bekannteste Fall ereignete sich am 6. Mai 2010 in den USA. Der Dow-Jones-Index, ein wichtiger Durchschnittswert großer US-Aktien, verlor in rund fünf Minuten fast tausend Punkte. Auf dem Papier lösten sich kurzzeitig etwa eine Billion Dollar an Unternehmenswert auf. Einzelne Aktien wurden für einen Cent gehandelt, obwohl sie kurz zuvor noch Dutzende Dollar gekostet hatten. Nach etwa zwanzig Minuten war der Spuk vorbei.

Für Anleger ist das kein harmloses Zahlenspiel. Viele Depots enthalten sogenannte Stop-Loss-Orders, also automatische Verkaufsaufträge, die greifen, sobald ein Kurs unter eine bestimmte Marke fällt. Genau diese Aufträge werden bei einem Flash Crash ausgelöst. Wer so verkauft, realisiert einen echten Verlust, auch wenn der Kurs zehn Minuten später wieder normal ist.

Dazu kommt ein Vertrauensproblem. Ein Markt, dessen Preise plötzlich jeden Bezug zur Realität verlieren, wirkt unberechenbar. Aufsichtsbehörden beschäftigen sich deshalb intensiv mit dem Thema, und Flash Crashes gelten als Musterbeispiel dafür, wie automatisierte Systeme in der Summe Risiken erzeugen, die niemand einzeln geplant hat.

Wenn Algorithmen sich gegenseitig hochschaukeln

Der größte Teil des Börsenhandels läuft heute nicht mehr über Menschen, sondern über Computerprogramme. Diese Programme, oft Algorithmen genannt, folgen festen Regeln: Wenn ein Kurs eine bestimmte Grenze unterschreitet, verkaufe. Sie reagieren in Bruchteilen einer Sekunde, also tausendmal schneller als jeder Mensch. Beim Hochfrequenzhandel geht es sogar um Millionstel Sekunden.

Ein Flash Crash entsteht, wenn viele solcher Programme dieselbe Regel gleichzeitig anwenden. Ein großer Verkaufsauftrag drückt den Kurs. Das löst bei anderen Programmen die Verkaufsregel aus. Diese Verkäufe drücken den Kurs weiter, wodurch noch mehr Programme verkaufen. Man nennt das eine Rückkopplungsschleife: Die Wirkung verstärkt ihre eigene Ursache.

Verschärft wird das durch fehlende Käufer. Normalerweise gibt es Marktteilnehmer, die ständig Kauf- und Verkaufsangebote stellen und so für Ausgleich sorgen. Auch sie sind heute Programme. Erkennen sie ungewöhnliche Bedingungen, schalten sie sich zum Selbstschutz einfach ab. Dann fällt der Kurs ins Leere, weil auf der Gegenseite niemand mehr steht. Als Gegenmittel gibt es heute Circuit Breaker, also automatische Handelsunterbrechungen, die den Handel bei zu schnellen Kursbewegungen für Minuten stoppen.

Von der Börse bis zum Kryptomarkt

In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff auf, sobald ein Index oder eine einzelne Aktie ohne erkennbaren Grund einbricht. Betroffen waren schon Währungen, etwa das britische Pfund im Oktober 2016, und Staatsanleihen. Besonders häufig sind Flash Crashes bei Kryptowährungen, weil dort weniger gehandelt wird und schon mittelgroße Verkäufe große Kursbewegungen auslösen.

Wichtig ist die Abgrenzung zu einem normalen Börsencrash. Ein echter Crash hat eine Ursache in der Wirtschaft, etwa eine Finanzkrise, und die Kurse bleiben über Wochen unten. Ein Flash Crash ist ein technisches Ereignis und meist nach Minuten vorbei. Ein verbreiteter Irrtum ist, Flash Crashes würden von künstlicher Intelligenz verursacht. Die meisten beteiligten Programme sind schlichte Regelwerke ohne jedes Lernvermögen.

Mit dem wachsenden Einsatz lernender Systeme im Handel gewinnt das Thema aber neue Brisanz. Solche Modelle treffen Entscheidungen, die sich im Nachhinein schwerer nachvollziehen lassen als eine feste Wenn-dann-Regel. Genau deshalb wird der Flash Crash in Diskussionen über Regulierung so oft als Warnbeispiel angeführt.

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