Fingerprinting

Fingerprinting

Fingerprinting ist ein Verfahren, bei dem Webseiten aus vielen kleinen technischen Eigenschaften eines Geräts einen eindeutigen Erkennungswert berechnen. Damit lassen sich Nutzer wiedererkennen, ohne dass etwas auf dem Gerät gespeichert wird.

Jedes Gerät, mit dem man im Internet unterwegs ist, verrät nebenbei viele kleine technische Details. Dazu gehören die Bildschirmgröße, die eingestellte Sprache, die Zeitzone und die installierten Schriftarten. Einzeln ist keine dieser Angaben besonders aussagekräftig. Setzt man aber dreißig oder vierzig davon zusammen, entsteht eine Kombination, die fast nur bei einem einzigen Gerät so vorkommt. Genau das ist Fingerprinting: aus vielen unauffälligen Merkmalen wird ein Erkennungsmerkmal. Der Name stammt vom Fingerabdruck, weil das Ergebnis ähnlich eindeutig ist wie ein solcher.

Warum es sich Cookies nicht abschalten lässt

Die klassische Methode, Nutzer wiederzuerkennen, sind Cookies. Das sind kleine Textdateien, die eine Webseite auf dem Gerät ablegt. Cookies kann man löschen, blockieren oder über eine Abfrage ablehnen. Genau deshalb ist Fingerprinting für Werbefirmen interessant geworden. Es speichert nämlich gar nichts auf dem Gerät. Es liest nur aus, was ohnehin da ist.

Daraus folgt ein unangenehmes Problem: Man kann Fingerprinting nicht einfach wegklicken. Wer alle Cookies löscht, den privaten Modus des Browsers benutzt oder ein Werbeblocker-Programm einsetzt, bleibt für ein Fingerprinting-Skript oft trotzdem derselbe Nutzer. Auch ein Wechsel des Internetanschlusses hilft wenig, weil die Geräteeigenschaften gleich bleiben.

Für den Datenschutz ist das ein Streitthema. Die europäische Datenschutz-Grundverordnung behandelt einen solchen Erkennungswert als personenbezogenes Datum, weil er eine Person über viele Seiten hinweg verfolgbar macht. Firmen argumentieren dagegen, dass sie damit auch Betrug erkennen. Beides stimmt, und genau darin liegt die Schwierigkeit der Regulierung.

Wie aus Bildschirmgröße und Schriftarten eine Kennnummer wird

Beim Aufruf einer Webseite läuft im Browser meist ein kleines Programm mit, ein sogenanntes Skript. Dieses Skript fragt der Reihe nach Eigenschaften ab. Welches Betriebssystem läuft? Wie viele Prozessorkerne hat das Gerät? Welche Grafikkarte steckt darin? Welche Sprachen sind eingestellt? Die Antworten werden zu einer langen Zeichenkette aneinandergehängt.

Aus dieser Zeichenkette rechnet das Skript einen kurzen Code aus, den Fingerprint. Ruft dasselbe Gerät später eine andere Seite auf, ergibt sich derselbe Code. So lässt sich der Besuch zuordnen, ohne einen Namen zu kennen. Ein besonders wirksamer Trick heißt Canvas-Fingerprinting. Dabei lässt die Seite den Browser unsichtbar ein Bild oder einen Text zeichnen. Weil Grafikkarte und Treiber winzige Unterschiede in der Darstellung erzeugen, unterscheidet sich das Ergebnis von Gerät zu Gerät messbar.

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass Fingerprinting immer eindeutig funktioniert. Das stimmt nicht. Zwei frisch gekaufte iPhones desselben Modells mit gleichen Einstellungen sehen sich sehr ähnlich. Deshalb arbeiten die Verfahren mit Wahrscheinlichkeiten und aktualisieren den Fingerprint, wenn sich Details ändern. Je ungewöhnlicher die eigene Konfiguration ist, desto leichter ist man erkennbar. Wer sehr viele Schutzmaßnahmen kombiniert, fällt manchmal gerade dadurch auf.

Werbenetze, Banken und der Streit um Cookie-Banner

Am häufigsten begegnet man Fingerprinting in der Online-Werbung. Werbenetzwerke wollen wissen, welche Seiten dieselbe Person besucht, um passende Anzeigen auszuspielen. Weil Browser wie Safari und Firefox fremde Cookies inzwischen stark einschränken, verlagert sich dieses Geschäft auf Fingerprinting. In Nachrichtenmeldungen taucht der Begriff deshalb oft im Zusammenhang mit Bußgeldern von Datenschutzbehörden auf.

Es gibt aber auch Anwendungen, die kaum jemand kritisiert. Banken nutzen Fingerprinting, um zu erkennen, ob eine Anmeldung vom gewohnten Gerät kommt. Passt der Fingerprint nicht, wird eine zusätzliche Bestätigung verlangt. Auch Ticketshops setzen die Technik ein, um automatisierte Aufkaufprogramme zu erkennen.

Wer sich schützen will, hat begrenzte Möglichkeiten. Der Tor-Browser und der Privatmodus mancher Browser geben absichtlich vereinheitlichte Werte zurück, sodass viele Nutzer gleich aussehen. Apple und Mozilla verschleiern einzelne Merkmale gezielt. Vollständig verhindern lässt sich Fingerprinting damit nicht, aber die Genauigkeit sinkt deutlich.

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