Schema des Tor-Netzwerks: Der Rechner des Nutzers schickt eine dreifach verschlüsselte Anfrage an einen Eingangs-Knoten, weiter an einen Mittel-Knoten und dann an den Exit-Knoten, der sie unverschlüsselt an die Zielseite übergibt. Bei jedem Schritt fällt eine Verschlüsselungsschale weg; unter jedem Knoten steht, welche Informationen er kennt.

Tor-Netzwerk

Das Tor-Netzwerk ist ein weltweites Netz freiwillig betriebener Rechner, das Internetverkehr über mehrere Zwischenstationen umleitet und dabei mehrfach verschlüsselt. So lässt sich kaum nachvollziehen, wer welche Seite aufgerufen hat.

Wenn du eine Internetseite aufrufst, sieht dein Internetanbieter, welche Seite das war. Und die Seite selbst sieht die Adresse deines Anschlusses, also einen Hinweis darauf, wo du gerade bist. Das Tor-Netzwerk soll genau das verhindern. Es schickt deine Anfrage nicht direkt zum Ziel, sondern über drei fremde Rechner, die freiwillig von Menschen und Organisationen auf der ganzen Welt betrieben werden. Jeder dieser Rechner kennt nur seinen direkten Vorgänger und seinen direkten Nachfolger. Niemand in der Kette kennt also gleichzeitig deinen Anschluss und die Seite, die du besuchst.

Wer auf Anonymität im Netz angewiesen ist

Für die meisten Menschen ist Tor kein Alltagswerkzeug. Für manche ist es überlebenswichtig. Journalistinnen in autoritär regierten Ländern nutzen es, um mit Informanten zu sprechen, ohne dass die Verbindung nachweisbar ist. Auch Whistleblower, also Menschen, die Missstände in ihrer Firma oder Behörde öffentlich machen, greifen darauf zurück. Große Medienhäuser betreiben eigene anonyme Briefkästen im Tor-Netzwerk.

Ein zweiter Grund ist Zensur. In einigen Staaten sind Nachrichtenseiten oder soziale Netzwerke gesperrt. Über Tor lassen sich solche Sperren oft umgehen, weil der Anbieter nicht erkennt, welches Ziel angesteuert wird. Das erklärt, warum Regierungen versuchen, den Zugang zum Tor-Netzwerk selbst zu blockieren.

Tor hat aber auch einen zweifelhaften Ruf. Die gleiche Technik schützt Marktplätze für Drogen und andere illegale Angebote. Das ist der Grund, warum der Begriff in Nachrichten häufig neben dem Wort Darknet auftaucht. Beides ist nicht dasselbe: Tor ist die Technik, das Darknet ist ein Teil der Inhalte, die darüber erreichbar sind.

Die drei Stationen und die Zwiebelschalen

Der ursprüngliche Name lautet The Onion Router, also Zwiebel-Router. Das beschreibt das Prinzip gut. Deine Anfrage wird dreifach verschlüsselt, wie eine Zwiebel mit drei Schalen. Der erste Rechner entfernt die äußere Schale und sieht darunter nur eine Adresse: die des zweiten Rechners. Der zweite entfernt die nächste Schale und sieht den dritten. Erst der dritte Rechner, der Exit-Knoten, entfernt die letzte Schale und schickt die Anfrage an die eigentliche Zielseite.

Das Ergebnis ist eine geteilte Unwissenheit. Der erste Rechner kennt dich, aber nicht dein Ziel. Der letzte kennt das Ziel, aber nicht dich. Der mittlere kennt keinen von beiden. Der Weg wird etwa alle zehn Minuten neu zusammengestellt, damit nicht dauerhaft dieselbe Kette entsteht.

Diese Umwege kosten Zeit. Seiten laden über Tor deutlich langsamer als über eine normale Verbindung, oft um mehrere Sekunden verzögert. Ein häufiger Irrtum ist außerdem, Tor mache alles automatisch sicher. Wer sich über Tor bei einem Konto mit echtem Namen anmeldet, gibt sich selbst preis. Und Daten, die die Zielseite nicht zusätzlich verschlüsselt, kann der Exit-Knoten mitlesen.

Tor-Browser, .onion-Adressen und Schlagzeilen

Am häufigsten begegnet man Tor über den Tor-Browser. Das ist ein kostenloses Programm, das aussieht wie ein normaler Browser und den Umweg über das Netzwerk automatisch einrichtet. Wer damit unterwegs ist, erkennt Tor-Seiten an der Endung .onion statt .de oder .com. Solche Adressen sind lange Buchstaben- und Zahlenfolgen und nur innerhalb des Netzwerks erreichbar.

Auch bekannte Anbieter sind dort vertreten. Die BBC, die New York Times und der Messenger-Dienst Brave betreiben oder betrieben eigene .onion-Versionen ihrer Angebote, damit Nutzer in Ländern mit Zensur sie erreichen können. Das Netzwerk wird von der gemeinnützigen US-Organisation Tor Project gepflegt und läuft je nach Zeitpunkt über einige Tausend freiwillige Knoten.

In Wirtschaftsnachrichten tauchen Tor und Kryptowährungen oft gemeinsam auf, etwa bei Ermittlungen gegen illegale Marktplätze. Interessant ist dabei, dass solche Fälle meist nicht durch einen Bruch der Verschlüsselung aufgeklärt werden. Die Betreiber machen fast immer Fehler außerhalb der Technik: eine unvorsichtige E-Mail, ein wiederverwendeter Benutzername, eine Zahlung, die sich zurückverfolgen lässt.

Subscribe free. Unsubscribe the second it sucks.

High-signal news across AI, business, UX, and tech. Every morning.