
Telematik
Telematik bezeichnet die Kombination aus Messen vor Ort und Übertragen der Messwerte über eine Funkverbindung, meistens bei Fahrzeugen. Ein kleines Gerät im Auto oder Lkw erfasst Position, Tempo und Fahrverhalten und schickt die Daten laufend an einen Server.
Telematik ist ein Kunstwort aus Telekommunikation und Informatik. Gemeint ist die Verbindung von zwei Dingen: Ein Gerät misst etwas an einem Ort, und die Messwerte werden über Funk an eine entfernte Stelle geschickt. Der häufigste Fall sind Fahrzeuge. Eine kleine Box im Auto oder Lastwagen erfasst dort Position, Geschwindigkeit, Bremsvorgänge und den Zustand des Motors. Diese Daten gehen über das Mobilfunknetz an einen zentralen Rechner, wo sie gespeichert und ausgewertet werden. Im Ergebnis weiß ein Unternehmen jederzeit, wo seine Fahrzeuge sind und wie sie bewegt werden.
Warum Versicherer und Speditionen so viel Geld dafür ausgeben
Für Firmen mit vielen Fahrzeugen war Planung lange Zeit Ratespiel. Ein Disponent wusste morgens, wohin er einen Lkw geschickt hatte, aber nicht, ob dieser gerade im Stau steht. Telematik macht aus dieser Unsicherheit laufende Information. Routen lassen sich kurzfristig ändern, Lieferzeiten realistisch zusagen, Leerfahrten vermeiden. Speditionen berichten regelmäßig von Kraftstoffeinsparungen im einstelligen Prozentbereich, was bei Flotten mit hunderten Fahrzeugen ins Gewicht fällt.
Der zweite große Anwender sind Versicherungen. Bisher berechnen sie Beiträge nach groben Merkmalen: Alter, Wohnort, Automodell, Schadenfreiheitsklasse. Das trifft den Einzelfall oft schlecht. Ein vorsichtiger Fahrer zahlt dasselbe wie ein rücksichtsloser, solange beide gleich alt sind. Mit Telematikdaten lässt sich stattdessen das tatsächliche Fahrverhalten bewerten. Wer selten nachts fährt, sanft bremst und Tempolimits einhält, bekommt Rabatt.
Genau hier liegt aber auch der Streitpunkt. Wer Fahrverhalten dauerhaft aufzeichnet, sammelt ein sehr genaues Bewegungsprofil. Daraus lässt sich ablesen, wo jemand arbeitet, wen er besucht und wann er zu Hause ist. Datenschützer fordern deshalb, dass solche Tarife freiwillig bleiben und die Daten nicht weiterverkauft werden. In der Europäischen Union gilt zusätzlich die Datenschutz-Grundverordnung, die für solche Aufzeichnungen eine ausdrückliche Einwilligung verlangt.
Von der Box im Auto bis zum Auswertungsserver
Am Anfang steht ein Steuergerät im Fahrzeug. Oft wird es in die OBD-Schnittstelle gesteckt, eine genormte Buchse, über die auch Werkstätten den Wagen auslesen. Manche Hersteller bauen das Gerät gleich ab Werk ein. Es enthält einen GPS-Empfänger für die Position, Beschleunigungssensoren für Brems- und Kurvenverhalten sowie ein Mobilfunkmodul zum Senden. Zusätzlich liest es Werte direkt aus der Fahrzeugelektronik aus, etwa Drehzahl, Tankfüllstand oder Fehlermeldungen.
Die Daten werden nicht roh in voller Menge verschickt, das wäre zu teuer. Stattdessen fasst das Gerät zusammen. Statt jeder einzelnen Positionsmessung sendet es zum Beispiel alle paar Sekunden einen Punkt, und bei einer starken Bremsung zusätzlich ein Ereignis. Auf dem Server laufen die Daten aller Fahrzeuge zusammen und werden auf einer Karte dargestellt.
Dort kommt zunehmend maschinelles Lernen ins Spiel, also Software, die Muster in großen Datenmengen selbst erkennt. Sie berechnet aus dem Fahrverhalten einen Punktwert, sagt aus Verschleißdaten einen bevorstehenden Defekt voraus oder schätzt die Ankunftszeit genauer als eine einfache Rechnung. Man sollte sich davon aber nicht zu viel versprechen: Ein Punktwert für Fahrsicherheit ist immer eine Bewertung durch Menschen gemachter Regeln, keine objektive Messung.
Telematik im Alltag und in den Wirtschaftsnachrichten
Am sichtbarsten ist Telematik in der Kfz-Versicherung. Viele große Anbieter werben mit Tarifen, bei denen eine App oder eine Box das Fahrverhalten bewertet. Junge Fahrer bekommen dort Nachlässe, die sonst schwer zu bekommen sind. In den Bilanzen der Versicherer tauchen diese Tarife als eigenes Geschäftsfeld auf, weshalb sie in Quartalsberichten erwähnt werden.
Ein zweiter Bereich ist die Logistik. Paketdienste verfolgen ihre Fahrzeuge in Echtzeit, weshalb du im Tracking sehen kannst, dass dein Paket das sechste von achtzehn ist. Auch der Lkw-Maut-Abrechnung liegt Telematik zugrunde. Und in der Medizin spricht man von Telematik, wenn Praxen, Apotheken und Kassen über ein gemeinsames Netz Daten austauschen, etwa beim elektronischen Rezept.
Ein häufiger Irrtum ist, Telematik mit selbstfahrenden Autos gleichzusetzen. Beides nutzt Sensoren, aber die Ziele sind verschieden. Telematik meldet Daten nach außen, damit Menschen oder Software anderswo Entscheidungen treffen. Ein autonomes Fahrzeug wertet seine Sensoren an Bord aus, um sofort zu lenken und zu bremsen. In Nachrichten zur Automobilbranche werden die Begriffe trotzdem oft in einem Atemzug genannt, weil dieselben Zulieferer beide Bereiche bedienen.