Ablaufschema der CAR-T-Zelltherapie: T-Zellen werden aus dem Blut des Patienten entnommen, im Labor genetisch verändert und vermehrt, dann dem Patienten wieder infundiert, wo sie Krebszellen erkennen und angreifen.

CAR-T-Zelltherapie

Die CAR-T-Zelltherapie ist eine Krebsbehandlung, bei der körpereigene Immunzellen des Patienten im Labor genetisch so verändert werden, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und abtöten. Sie gilt als einer der bedeutendsten medizinischen Durchbrüche der letzten Jahrzehnte, wird aber bislang nur bei bestimmten Blutkrebsarten eingesetzt.

Das Immunsystem des Menschen bekämpft Krankheiten mithilfe spezieller Abwehrzellen, den sogenannten T-Zellen. Bei Krebs versagt dieses System oft, weil Krebszellen sich tarnen. Die CAR-T-Zelltherapie umgeht das Problem, indem sie T-Zellen eines Patienten im Labor genetisch umprogrammiert. Die veränderten Zellen erhalten dabei einen künstlichen Erkennungspunkt — den sogenannten chimären Antigenrezeptor, kurz CAR —, der gezielt auf ein Merkmal der Krebszellen passt. Zurück im Körper des Patienten suchen diese Zellen die Krebszellen auf und zerstören sie. Es handelt sich also um eine lebende Arznei: Nicht eine Chemikalie wirkt, sondern die veränderten Zellen selbst.

Warum CAR-T-Zelltherapie eine andere Kategorie von Behandlung ist

Klassische Krebstherapien wie Chemotherapie greifen oft alles an, was sich schnell teilt — also auch gesundes Gewebe. CAR-T-Zellen hingegen sind auf ein spezifisches Ziel programmiert. Das macht sie präziser und für bestimmte Patienten wirksamer, bei denen andere Behandlungen versagt haben.

Besonders eindrücklich ist die Dauerhaftigkeit der Wirkung. T-Zellen können sich im Körper vermehren und ein sogenanntes immunologisches Gedächtnis aufbauen. Das bedeutet: Tauchen Krebszellen erneut auf, kann der Körper schneller reagieren. Bei einigen Patienten mit bestimmten Formen von Blutkrebs, die als austherapiert galten, wurden nach einer CAR-T-Behandlung dauerhaft keine Krebszellen mehr gefunden.

Gleichzeitig handelt es sich um eine der teuersten Behandlungen, die es derzeit gibt. Ein einzelner Therapiezyklus kann umgerechnet mehrere Hunderttausend Euro kosten. Das liegt daran, dass die Zellen für jeden Patienten individuell hergestellt werden — Massenproduktion ist nicht möglich.

Vom Blut des Patienten zur maßgeschneiderten Zellwaffe

Der Prozess beginnt damit, dass dem Patienten T-Zellen aus dem Blut entnommen werden. Diese Zellen werden in ein spezialisiertes Labor geschickt, wo Wissenschaftler mithilfe eines Virus — der als Werkzeug dient, aber selbst harmlos gemacht wurde — ein neues Gen in die T-Zellen einschleusen. Dieses Gen enthält die Bauanleitung für den CAR-Erkennungspunkt.

Anschließend werden die veränderten Zellen im Labor vermehrt, bis Hunderte Millionen davon vorliegen. Dann werden sie eingefroren, zurück in die Klinik transportiert und dem Patienten per Infusion verabreicht. Vor der Infusion erhält der Patient meist eine milde Chemotherapie — nicht um den Krebs zu bekämpfen, sondern um Platz im Immunsystem zu schaffen, damit sich die CAR-T-Zellen besser ansiedeln können.

Die Behandlung birgt ernste Risiken. Wenn viele Krebszellen gleichzeitig angegriffen werden, kann das Immunsystem überreagieren und einen sogenannten Zytokinsturm auslösen — eine gefährliche Entzündungsreaktion im ganzen Körper. Patienten werden deshalb nach der Infusion engmaschig überwacht, oft tagelang auf einer Intensivstation.

CAR-T-Zelltherapie in Nachrichten und Produkten

Die ersten CAR-T-Medikamente wurden 2017 in den USA zugelassen, kurz darauf auch in Europa. Die Produkte tragen Namen wie Kymriah (Hersteller: Novartis) oder Yescarta (Hersteller: Kite Pharma, heute Gilead). Beide sind für bestimmte Formen von Leukämie und Lymphomen — also Krebsarten, die das Blut und das lymphatische System betreffen — zugelassen.

In Wirtschaftsnachrichten taucht CAR-T-Zelltherapie regelmäßig auf, wenn es um Zulassungsentscheidungen, klinische Studien oder Übernahmen im Biotech-Sektor geht. Viele Start-ups und große Pharmaunternehmen investieren in die nächste Generation dieser Therapien. Ein zentrales Ziel ist dabei, CAR-T-Zellen auch gegen solide Tumoren — also Krebsgeschwülste in Organen wie Lunge oder Darm — wirksam zu machen, was bislang kaum gelingt.

Daneben wird daran gearbeitet, sogenannte „Off-the-shelf“-Produkte zu entwickeln: CAR-T-Zellen, die nicht mehr vom Patienten selbst stammen, sondern aus gespendeten Zellen hergestellt und für viele Patienten eingesetzt werden können. Das würde die Kosten drastisch senken und die Behandlung für weit mehr Menschen zugänglich machen.

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