Chromium

Chromium

Chromium ist ein frei verfügbares Browser-Projekt von Google, dessen Programmcode jeder einsehen und weiterverwenden darf. Es bildet den technischen Unterbau von Chrome, Microsoft Edge, Opera und vielen weiteren Programmen.

Chromium ist ein Programm zum Surfen im Internet, also ein Browser. Das Besondere daran: Der gesamte Bauplan des Programms ist öffentlich. Jeder darf ihn herunterladen, lesen, verändern und für eigene Produkte benutzen. Solche Software nennt man quelloffen. Gestartet und bis heute hauptsächlich bezahlt wird das Projekt von Google. Aus Chromium baut Google seinen bekannten Browser Chrome, indem es einige eigene Bestandteile hinzufügt. Wer von Chromium spricht, meint deshalb meist weniger einen Browser zum Selbstinstallieren als vielmehr die gemeinsame Grundlage, auf der fast alle heutigen Browser aufbauen.

Wenn fast alle Browser denselben Unterbau haben

Chromium ist zur Standardtechnik des Internets geworden. Chrome, Microsoft Edge, Opera, Brave und Vivaldi setzen alle darauf auf. Zusammen erreichen sie weltweit rund drei Viertel aller Browser-Nutzung. Ernsthafte Alternativen mit eigener Technik gibt es nur noch zwei: Firefox von Mozilla und Safari von Apple.

Das hat eine unangenehme Folge. Wenn eine Webseite in Chromium funktioniert, halten viele Entwickler ihre Arbeit für erledigt. Ob die Seite auch in Firefox oder Safari läuft, wird gar nicht mehr geprüft. Damit entscheidet faktisch ein einzelnes Projekt darüber, was im Web technisch möglich ist. Kritiker sehen darin eine Machtkonzentration, ähnlich wie in den späten Neunzigern beim Internet Explorer von Microsoft.

Ein Beispiel dafür lieferte 2024 der Streit um Manifest V3. Das ist eine Regeländerung für Erweiterungen, also kleine Zusatzprogramme im Browser. Sie schränkt ein, wie stark Werbeblocker eingreifen dürfen. Weil die Änderung in Chromium steckt, betraf sie sofort fast alle Browser gleichzeitig. Einzelne Anbieter wie Brave mussten die Regel aufwendig umgehen.

Rendering-Engine, JavaScript und die Grenze zu Chrome

Ein Browser hat zwei zentrale Bauteile. Die Rendering-Engine übersetzt den Code einer Webseite in ein sichtbares Bild aus Text, Bildern und Schaltflächen. Bei Chromium heißt sie Blink. Das zweite Bauteil führt Programme aus, die in der Sprache JavaScript geschrieben sind, etwa für Videoplayer oder Suchvorschläge. Dieser Teil heißt V8 und gilt als eine der schnellsten Software ihrer Art.

Der Programmcode liegt öffentlich auf Googles Servern. Etwa 90 Prozent der Änderungen stammen von Google-Angestellten, den Rest liefern Microsoft, Intel, Igalia und einzelne Freiwillige. Jede Änderung muss von Berechtigten geprüft und freigegeben werden. Google behält damit die Kontrolle über die Richtung des Projekts, auch wenn theoretisch jeder mitarbeiten darf.

Chrome ist Chromium plus geschlossene Zusatzteile. Dazu gehören die automatische Update-Funktion, die Anmeldung mit dem Google-Konto, das Abspielen kopiergeschützter Videos etwa bei Netflix und Bausteine, die Nutzungsdaten an Google senden. Wer Chromium pur installiert, bekommt also weniger Komfort, aber auch weniger Datenübertragung. Genau an dieser Trennlinie setzen Anbieter wie Brave an: Sie nehmen den offenen Kern und ersetzen die Google-Teile durch eigene.

Chromium in Apps, Autos und KI-Werkzeugen

Chromium steckt in weit mehr als in Browsern. Viele Desktop-Programme sind in Wahrheit Webseiten in einem versteckten Browserfenster. Möglich macht das ein Baukasten namens Electron, der Chromium mitliefert. Discord, Slack, Visual Studio Code und die Desktop-Version von Spotify funktionieren so. Das erklärt auch, warum solche Programme oft überraschend viel Arbeitsspeicher brauchen.

In den Tech-Nachrichten taucht Chromium besonders im Zusammenhang mit KI auf. Wenn ein KI-System selbstständig im Netz recherchiert, Formulare ausfüllt oder Preise vergleicht, steuert es dafür meist einen unsichtbaren Chromium im Hintergrund. Werkzeuge wie Playwright oder Puppeteer sind genau dafür gebaut. Auch Googles KI-Funktionen direkt im Browser werden zuerst in Chromium entwickelt.

Ein häufiger Irrtum ist die Gleichsetzung von Chromium und Chrome. Chromium ist der offene Bauplan, Chrome das fertige Produkt von Google. Ähnlich verhält sich Android zu den Smartphones verschiedener Hersteller. Und wenn US-Gerichte über eine mögliche Abspaltung von Chrome verhandeln, geht es um Googles Produkt und dessen Marktmacht, nicht um den offenen Code darunter.

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