Schema einer Cyber Range: ein vom Internet abgeschottetes, virtuell nachgebautes Firmennetzwerk in der Mitte, daneben das rote Angreiferteam, das blaue Verteidigerteam und das weiße Team als Übungsleitung mit Auswertung.

Cyber Range

Eine Cyber Range ist eine nachgebaute Computerumgebung, in der Fachleute Angriffe auf IT-Systeme üben, ohne echte Systeme zu gefährden. Sie funktioniert wie ein Übungsgelände: Angriff und Verteidigung laufen unter realistischen Bedingungen ab, aber die Folgen bleiben im geschlossenen System.

Eine Cyber Range ist ein abgeschlossener Übungsplatz für Computerangriffe. Darin wird ein Firmennetzwerk künstlich nachgebaut: Server, Arbeitsrechner, Benutzerkonten, manchmal sogar Maschinen einer Fabrik. Alles ist echt genug, um sich wie der Ernstfall anzufühlen, aber vom richtigen Internet abgeschottet. Eine Gruppe spielt den Angreifer, eine andere verteidigt. Geht etwas kaputt, ist nur die Simulation betroffen. Der Name kommt vom englischen „shooting range“, also dem Schießstand: ein Ort, an dem man gefährliche Dinge gefahrlos trainiert.

Warum Ernstfälle nicht am echten Netz geprobt werden

Krankenhäuser, Stadtwerke und Banken können ihre Systeme nicht einfach abschalten, um einen Angriff zu simulieren. Ein Test am laufenden Betrieb könnte Patientendaten verlieren oder die Stromversorgung stören. Trotzdem muss geübt werden, denn im Ernstfall zählt jede Minute. Die Cyber Range löst diesen Widerspruch: Der Ernstfall findet in einer Kopie statt.

Dazu kommt ein handfestes Personalproblem. In Deutschland sind zehntausende Stellen in der IT-Sicherheit unbesetzt. Wer frisch aus der Ausbildung kommt, hat zwar Theorie gelernt, aber selten einen echten Angriff erlebt. In einer Cyber Range lässt sich Erfahrung sammeln, ohne dass jemand Schaden nimmt. Deshalb betreiben Bundeswehr, Bundesländer, Hochschulen und große Konzerne inzwischen eigene Anlagen.

Ein dritter Grund ist die Überprüfung von Abläufen. Oft scheitert die Abwehr nicht an der Technik, sondern an der Organisation: Niemand weiß, wer die Geschäftsführung informiert oder wann man die Polizei einschaltet. Solche Lücken fallen in einer Übung auf, bevor sie teuer werden.

Was in der Simulation tatsächlich läuft

Technisch besteht eine Cyber Range meist aus virtuellen Maschinen. Das sind Computer, die nur als Software auf einem starken Server existieren. Hunderte davon lassen sich in Minuten starten und nach der Übung wieder löschen. So kann dasselbe Szenario beliebig oft und immer im gleichen Ausgangszustand gespielt werden.

Die Teilnehmer werden traditionell in Farben eingeteilt. Das rote Team greift an und nutzt dieselben Werkzeuge wie echte Kriminelle. Das blaue Team verteidigt, wertet Warnmeldungen aus und versucht, den Eindringling zu stoppen. Ein weißes Team leitet die Übung, legt die Regeln fest und bewertet am Ende, was gut und was schlecht lief.

Damit die Umgebung glaubwürdig wirkt, erzeugt die Cyber Range künstlichen Alltagsbetrieb: simulierte Mitarbeiter schreiben E-Mails, öffnen Dateien und surfen im Netz. Ohne dieses Hintergrundrauschen wäre ein Angriff viel zu leicht zu erkennen. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine wachsende Rolle. Sie erzeugt diesen Datenverkehr, steuert automatische Angreifer und wertet hinterher aus, wie schnell das blaue Team reagiert hat.

Von Schulwettbewerben bis zu NATO-Manövern

Am bekanntesten ist die Cyber Range aus großen Übungen. Bei „Locked Shields“, einem jährlichen NATO-Manöver in Estland, verteidigen tausende Teilnehmer aus vielen Ländern gleichzeitig ein fiktives Land gegen einen simulierten Angriff. Solche Ereignisse tauchen regelmäßig in den Nachrichten auf, wenn über staatliche Hackerangriffe berichtet wird.

Im Kleinen begegnet einem dasselbe Prinzip bei Capture-the-Flag-Wettbewerben. Dort müssen Teilnehmer versteckte Codes in absichtlich unsicheren Systemen finden. Viele Schulen, Universitäten und Plattformen im Netz bieten solche Aufgaben an, teils kostenlos. Für den Einstieg in die IT-Sicherheit sind sie der übliche Weg.

Wirtschaftlich ist daraus ein eigener Markt geworden. Anbieter vermieten Cyber Ranges als Dienstleistung in der Cloud, also auf fremden Rechenzentren, die man stundenweise bucht. Eine Abgrenzung lohnt sich: Ein Penetrationstest prüft ein echtes System auf Schwachstellen, eine Cyber Range trainiert Menschen an einer Kopie. Ein verbreiteter Irrtum ist außerdem, dass es dabei nur um Technik gehe. Tatsächlich testen viele Übungen vor allem Kommunikation und Entscheidungen unter Zeitdruck.

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