
CLAUDE.md
CLAUDE.md ist eine einfache Textdatei in einem Softwareprojekt, die dem KI-Assistenten Claude von Anthropic erklärt, wie in diesem Projekt gearbeitet wird. Sie wird automatisch mitgelesen, sobald die KI im Projektordner startet, und ersetzt so Anweisungen, die man sonst jedes Mal neu tippen müsste.
Programmierer arbeiten heute oft mit KI-Assistenten zusammen, also Programmen, die auf Anweisung in normaler Sprache Text und Programmcode schreiben. Einer davon ist Claude von der Firma Anthropic. Damit ein solcher Assistent sinnvoll helfen kann, muss er wissen, wie das Projekt aufgebaut ist und welche Regeln dort gelten. Genau dafür gibt es CLAUDE.md: eine schlichte Textdatei, die im Projektordner liegt und diese Regeln in Worten festhält. Die KI liest sie automatisch, bevor sie an die Arbeit geht. Man kann sie sich als Zettel am Arbeitsplatz vorstellen, den jede neue Aushilfe zuerst durchliest.
Warum ein Zettel für die KI nötig ist
KI-Assistenten haben kein Gedächtnis über einzelne Gespräche hinaus. Jede neue Sitzung beginnt bei null. Ohne Vorwissen rät die KI: Sie erfindet Ordnernamen, benutzt die falschen Befehle oder schreibt im falschen Stil. Das Ergebnis muss der Mensch dann von Hand korrigieren.
CLAUDE.md löst dieses Problem, indem das Wissen im Projekt gespeichert wird und nicht im Chat. Dort steht zum Beispiel, mit welchem Befehl man das Programm testet, welche Bibliotheken erlaubt sind und welche Dateien niemals verändert werden dürfen. Diese Angaben stehen einmal da und gelten ab dann für jede Sitzung.
Weil die Datei im Projekt liegt, profitiert auch das ganze Team davon. Sie lässt sich wie jede andere Datei mit der Versionsverwaltung teilen, also mit dem System, das alle Änderungen an einem Projekt protokolliert. Neue Kolleginnen und Kollegen lesen sie ebenfalls gern, denn sie ist im Grunde eine kurze Bedienungsanleitung für das Projekt.
Aufbau und Reichweite der Datei
Die Endung .md steht für Markdown, eine sehr einfache Schreibweise für Textdateien mit Überschriften und Listen. Man braucht kein besonderes Programm dafür, ein Texteditor genügt. Inhaltlich ist die Datei frei gestaltbar, üblich sind aber Abschnitte wie „Befehle“, „Projektstruktur“ und „Stilregeln“. Kurze, klare Stichpunkte funktionieren besser als lange Aufsätze.
Startet Claude in einem Ordner, sucht er dort nach der Datei und stellt ihren Inhalt seinen eigenen Anweisungen voran. Der Text wird also Teil dessen, was das Modell bei jeder Antwort mitliest. Zusätzlich lassen sich CLAUDE.md-Dateien in Unterordnern anlegen, etwa eine eigene für einen bestimmten Programmteil. Und es gibt eine persönliche Variante im Benutzerverzeichnis, die für alle Projekte eines Nutzers gilt.
Wichtig ist eine Einschränkung: Alles in der Datei belegt Platz im sogenannten Kontextfenster, also in der begrenzten Menge Text, die das Modell gleichzeitig überblicken kann. Eine überladene Datei mit tausend Zeilen kostet daher Rechenzeit und Geld und wird schlechter beachtet. Erfahrene Nutzer halten sie deshalb bewusst knapp und streichen Veraltetes wieder heraus. Und noch ein Punkt: Die Datei ist eine Anweisung, keine technische Sperre. Die KI kann sich über Regeln hinwegsetzen, echte Verbote muss man anders erzwingen.
CLAUDE.md in der Praxis und in den News
Am häufigsten trifft man den Begriff im Umfeld von Claude Code, dem Werkzeug, mit dem Claude direkt in einem Projektordner auf dem Rechner arbeitet. Auf Plattformen wie GitHub, wo Programmcode öffentlich geteilt wird, findet man inzwischen zehntausende solcher Dateien. Viele Teams veröffentlichen ihre Version als Vorbild für andere.
Konkurrierende Anbieter nutzen dasselbe Prinzip mit anderen Namen, etwa Cursor mit eigenen Regeldateien. Weil das Nebeneinander verwirrend wurde, hat sich der neutrale Name AGENTS.md als gemeinsamer Standard etabliert, den mittlerweile auch Anthropic unterstützt. CLAUDE.md ist damit der bekannteste Vertreter einer ganzen Gattung.
In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff auf, wenn es um Produktivität durch KI im Programmieren geht. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Nutzen solcher Werkzeuge nicht nur am Modell hängt. Wer die Arbeitsumgebung sauber beschreibt, bekommt deutlich brauchbarere Ergebnisse als jemand, der dasselbe Modell ohne Vorbereitung benutzt.