
Cash Burn
Cash Burn bezeichnet den Betrag, den ein Unternehmen pro Monat mehr ausgibt, als es einnimmt. Die Kennzahl zeigt, wie schnell die vorhandenen Geldreserven schrumpfen und wie lange ein Unternehmen ohne frisches Kapital noch durchhält.
Ein Unternehmen hat Geld auf dem Konto und bezahlt davon Gehälter, Miete, Server und Material. Gleichzeitig nimmt es Geld von Kunden ein. Wenn die Ausgaben größer sind als die Einnahmen, schrumpft das Guthaben jeden Monat. Genau dieses monatliche Minus heißt Cash Burn, auf Deutsch etwa Mittelabfluss. Der Begriff stammt aus der Start-up-Welt, wird aber auch bei großen Technologiefirmen benutzt. Er sagt nichts darüber aus, ob eine Firma gut oder schlecht ist, sondern nur, wie schnell ihr Geldvorrat kleiner wird.
Wie lange das Geld noch reicht
Aus dem Cash Burn ergibt sich eine zweite Zahl, die in der Praxis noch wichtiger ist: die Runway. Sie beschreibt, wie viele Monate das vorhandene Geld noch reicht. Die Rechnung ist einfach. Man teilt das Guthaben auf dem Konto durch den monatlichen Verlust. Wer 24 Millionen Euro besitzt und pro Monat 2 Millionen verbrennt, hat zwölf Monate Zeit.
Diese zwölf Monate sind eine harte Frist. Läuft sie ab, ohne dass neues Geld hereinkommt, kann das Unternehmen seine Rechnungen nicht mehr bezahlen. Deshalb beginnen Gründerinnen und Gründer meist schon sechs bis neun Monate vorher, mit Investoren über eine neue Finanzierungsrunde zu sprechen. Wer erst im letzten Monat anfängt, verhandelt aus einer schwachen Position und bekommt schlechtere Bedingungen.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Verlust und Cash Burn. Ein Verlust ist eine Buchhaltungsgröße und enthält auch Posten, bei denen gar kein Geld fließt. Cash Burn zählt nur echte Zahlungen. Eine Firma kann auf dem Papier Gewinn machen und trotzdem Geld verbrennen, etwa weil Kunden erst in drei Monaten zahlen.
Was in die Rechnung einfließt
Fachleute unterscheiden zwei Varianten. Der Gross Burn ist die Summe aller Ausgaben in einem Monat, also alles, was das Konto verlässt. Der Net Burn zieht davon die Einnahmen ab und ist deshalb die aussagekräftigere Zahl. Wenn in den Nachrichten von Burn Rate die Rede ist, ist fast immer der Net Burn gemeint.
Bei KI-Unternehmen ist der größte Posten meist die Rechenleistung. Das Training großer Sprachmodelle läuft über Wochen auf tausenden spezialisierten Grafikchips. Miete für solche Rechenkapazität kostet schnell zweistellige Millionenbeträge. Dazu kommen hohe Gehälter für Forscherinnen und Entwickler, die auf dem Arbeitsmarkt stark umkämpft sind.
Ein hoher Cash Burn ist nicht automatisch ein Alarmsignal. Entscheidend ist, was dafür entsteht. Wer Geld ausgibt und dabei schnell wachsende Umsätze aufbaut, investiert in die Zukunft. Wer viel ausgibt und stagniert, hat ein Problem. Investoren schauen deshalb immer auf Burn und Wachstum zusammen, nie auf eine Zahl allein.
Die Zahl in Nachrichten und Quartalsberichten
In Meldungen über Start-ups taucht der Begriff fast immer bei Finanzierungsrunden auf. Wenn eine Firma 500 Millionen Dollar einsammelt, folgt meist die Frage, wie lange dieses Geld bei ihrem aktuellen Burn reicht. Bei KI-Firmen sind Antworten von ein bis zwei Jahren üblich. Das erklärt, warum manche Unternehmen im Jahresabstand immer wieder neues Kapital aufnehmen.
Auch börsennotierte Konzerne veröffentlichen die zugrunde liegenden Daten. Im Quartalsbericht steht der freie Cashflow, also der Geldzufluss nach Investitionen. Ist er negativ, verbrennt der Konzern Geld. Das passiert selbst bei sehr großen Firmen, wenn sie gerade Rechenzentren bauen.
Ein typischer Irrtum ist die Annahme, Geldverbrennen bedeute Verschwendung. Der Begriff beschreibt nur die Richtung des Geldflusses. Amazon hat jahrelang Geld verbrannt und daraus ein riesiges Geschäft aufgebaut. Andere Firmen haben ihr Kapital ohne Ergebnis aufgebraucht. Die Kennzahl allein unterscheidet diese beiden Fälle nicht.