Kreisförmiges Schema einer Agenten-Schleife: Vom Ziel des Nutzers führt ein Pfeil zum Sprachmodell (Schritt „Überlegen\"), von dort zur Werkzeugauswahl (Suche, Rechner, Datei), weiter zur Ausführung und mit dem Ergebnis zurück zum Modell; ein Ausgang „Ziel erreicht\" verlässt den Kreis.

Agentische KI

Agentische KI bezeichnet Programme, die ein Ziel nicht nur beantworten, sondern in eigenen Schritten abarbeiten – inklusive Werkzeugen wie Websuche, Kalender oder Code. Statt einer einzelnen Antwort liefert das System eine Kette von Handlungen, die es selbst plant und überprüft.

Die meisten Chatprogramme funktionieren nach einem einfachen Muster: Du stellst eine Frage, das Programm schreibt eine Antwort, fertig. Ein agentisches System arbeitet anders. Es bekommt ein Ziel und darf mehrere Schritte hintereinander unternehmen, um dieses Ziel zu erreichen. Dabei darf es auch selbst entscheiden, welcher Schritt als Nächstes sinnvoll ist. Es kann zwischendurch im Internet nachschlagen, eine Datei öffnen oder eine Rechnung ausführen. Das Wort „agentisch“ leitet sich vom lateinischen agere ab, also „handeln“ – und genau darum geht es: nicht nur reden, sondern etwas tun.

Vom Antwortgeber zum Auftragnehmer

Der Unterschied klingt klein, verändert aber, wofür man solche Programme einsetzen kann. Ein reiner Textgenerator kann dir erklären, wie man einen Flug umbucht. Ein agentisches System soll den Flug tatsächlich umbuchen. Damit verschiebt sich die Aufgabe des Menschen: Er beschreibt nur noch das Ziel und kontrolliert das Ergebnis, statt jeden Zwischenschritt selbst zu machen.

Wirtschaftlich ist das der Grund für die aktuelle Aufmerksamkeit. Viele Bürotätigkeiten bestehen aus langen Ketten kleiner Handgriffe: Daten aus einer Tabelle holen, mit einer anderen Quelle abgleichen, eine Mail schreiben. Genau solche Ketten sind das Zielgebiet agentischer Software. Große Technologiefirmen investieren dort Milliarden, weil sie hoffen, damit ganze Arbeitsabläufe statt einzelner Aufgaben zu übernehmen.

Gleichzeitig steigt das Risiko. Eine falsche Antwort kann man ignorieren, eine falsche Handlung nicht immer. Wenn ein System eigenständig Geld überweist, Termine absagt oder Dateien löscht, sind Fehler teuer. Deshalb diskutieren Fachleute intensiv darüber, wie viel Freiheit man solchen Programmen überhaupt geben sollte.

Schleife aus Denken, Handeln und Nachschauen

Im Kern steckt fast immer ein Sprachmodell, also ein Programm, das gelernt hat, Text sinnvoll fortzusetzen. Um dieses Modell herum baut man eine Schleife. Das Modell überlegt zuerst, was zu tun ist. Dann wählt es ein Werkzeug aus, etwa eine Suchmaschine oder einen Taschenrechner. Das Ergebnis des Werkzeugs wird ihm zurückgegeben, und die Schleife beginnt von vorn – so lange, bis das Ziel erreicht ist.

Werkzeuge sind dabei nichts Geheimnisvolles. Es sind fest programmierte Funktionen, die das Modell aufrufen darf, ähnlich wie Apps auf einem Handy. Das Modell schreibt gewissermaßen einen Zettel: „Suche nach dem Zugpreis Hamburg–München.“ Ein umgebendes Programm führt das aus und liefert die Antwort zurück. Das Modell selbst geht nie wirklich ins Internet; es sagt nur, was geschehen soll.

Ein häufiger Irrtum ist, agentische Systeme hätten eigene Absichten. Das haben sie nicht. Sie verfolgen ein Ziel, das ein Mensch formuliert hat, und die Schleife endet, wenn eine Abbruchbedingung greift. Ohne solche Grenzen kann ein Agent sich verrennen und dieselbe erfolglose Aktion immer wieder versuchen. In der Praxis begrenzt man deshalb die Zahl der Schritte und lässt bei heiklen Aktionen einen Menschen bestätigen.

Agenten im Browser, im Code und in der Firmen-IT

Am sichtbarsten sind agentische Systeme beim Programmieren. Werkzeuge wie GitHub Copilot oder Claude Code bekommen eine Aufgabe beschrieben, ändern selbstständig mehrere Dateien, starten Tests und bessern nach, wenn ein Test fehlschlägt. Für Softwarefirmen ist das derzeit der wirtschaftlich wichtigste Anwendungsfall.

Daneben gibt es Agenten, die einen Browser bedienen: Sie klicken, tippen und scrollen wie ein Mensch, um etwa Preise zu vergleichen oder Formulare auszufüllen. In Unternehmen laufen agentische Systeme oft unsichtbar im Hintergrund und bearbeiten Support-Anfragen oder Rechnungen. In Börsen- und Techmeldungen taucht der Begriff meist als „Agentic AI“ auf, häufig verbunden mit Umsatzhoffnungen der Anbieter.

Beim Lesen solcher Meldungen lohnt eine skeptische Frage: Wie viele Schritte schafft das System wirklich ohne menschliche Hilfe? Viele Produkte, die als agentisch beworben werden, sind in Wahrheit stark vorgegebene Abläufe mit wenig eigener Entscheidung. Zuverlässigkeit über lange Ketten hinweg gilt derzeit als die größte offene Baustelle.

Produkten dorto

Aktuelle Narichten

Subscribe free. Unsubscribe the second it sucks.

High-signal news across AI, business, UX, and tech. Every morning.