Gig-Economy

Gig-Economy

Als Gig-Economy bezeichnet man einen Arbeitsmarkt, in dem Menschen einzelne kurze Aufträge erledigen, statt fest angestellt zu sein. Vermittelt werden diese Aufträge meist über Apps wie Uber, Lieferando oder Fiverr.

In der klassischen Arbeitswelt hat man einen Arbeitgeber, einen Vertrag und ein festes Monatsgehalt. In der Gig-Economy ist das anders. Hier nimmt jemand einzelne, meist kurze Aufträge an: eine Essenslieferung, eine Autofahrt, ein Logo-Entwurf, eine übersetzte Textseite. Jeder dieser Aufträge wird einzeln bezahlt und endet, sobald er erledigt ist. Der Name kommt aus der Musik: Ein « Gig » ist ein einzelner Auftritt einer Band, kein dauerhaftes Engagement. Vermittelt werden die Aufträge fast immer über eine App oder eine Internetseite, die Auftraggeber und Arbeitende zusammenbringt.

Ein Arbeitsmarkt ohne festen Vertrag

Die Gig-Economy ist kein Randphänomen mehr. Schätzungen gehen davon aus, dass in der Europäischen Union rund 28 Millionen Menschen zumindest zeitweise über solche Plattformen arbeiten. In Deutschland sind es vor allem Fahrdienste, Essenslieferungen, Paketzustellung und digitale Dienstleistungen wie Grafik oder Programmierung.

Der entscheidende Punkt ist der rechtliche Status. Wer über eine Plattform arbeitet, gilt dort meist als selbstständig und nicht als angestellt. Das bedeutet: kein bezahlter Urlaub, keine Lohnfortzahlung bei Krankheit, kein Kündigungsschutz. Auch die Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung muss man selbst zahlen. Die Plattform sieht sich nur als Vermittlerin, nicht als Arbeitgeberin.

Genau darüber wird seit Jahren gestritten. Gerichte in mehreren Ländern haben entschieden, dass manche Fahrer und Kuriere in Wahrheit Angestellte sind, weil die Plattform ihnen genau vorschreibt, wie sie arbeiten. Die EU hat 2024 eine Richtlinie beschlossen, die solche Scheinselbstständigkeit eindämmen soll. Für Anleger ist das relevant, weil eine Umstufung zu Angestellten die Kosten der Plattformen stark erhöhen würde.

Wie die App die Arbeit verteilt

Im Zentrum steht immer eine Vermittlungsplattform. Sie sammelt auf der einen Seite Aufträge von Kunden und auf der anderen Seite Menschen, die arbeiten wollen. Ein Computerprogramm entscheidet dann, wer welchen Auftrag bekommt. Meist zieht die Plattform eine Provision ab, oft zwischen 10 und 30 Prozent des Preises.

Die Zuteilung übernimmt kein Mensch, sondern ein Algorithmus, also eine feste Rechenvorschrift im Programm. Er berücksichtigt Standort, Wartezeit, bisherige Bewertungen und die aktuelle Nachfrage. Fachleute nennen das algorithmisches Management: Die Software übernimmt Aufgaben, die früher ein Schichtleiter erledigt hat. Sie verteilt Arbeit, misst Tempo und kann jemanden bei schlechten Bewertungen faktisch aussortieren.

Ein häufiger Irrtum ist, dass die Preise fest wären. Viele Plattformen nutzen dynamische Preise: Bei hoher Nachfrage steigt der Betrag, bei geringer sinkt er. Für die Arbeitenden heißt das, dass der Stundenverdienst stark schwanken kann. Die versprochene Freiheit, selbst zu entscheiden, wann man arbeitet, ist deshalb begrenzt. Wer gut verdienen will, muss oft genau dann fahren, wenn die App es gerade belohnt.

Von Lieferando bis Datenlabeling

Am sichtbarsten ist die Gig-Economy auf der Straße. Wer in einer größeren Stadt lebt, sieht täglich Kuriere mit Rucksäcken von Lieferando, Wolt oder Uber Eats. Auch Fahrdienste wie Uber und Bolt und Reinigungs- oder Handwerksvermittlungen gehören dazu. In den Wirtschaftsnachrichten tauchen diese Unternehmen regelmäßig auf, weil ihre Aktienkurse stark auf Gerichtsurteile zum Arbeitsrecht reagieren.

Weniger sichtbar ist die digitale Variante. Auf Portalen wie Fiverr oder Upwork verkaufen Menschen weltweit Texte, Übersetzungen, Videoschnitt oder Programmierarbeit als Einzelauftrag. Eng damit verbunden ist ein Bereich, der für die KI-Branche zentral ist: das Datenlabeling. Dabei markieren Menschen für wenig Geld Bilder und Texte, damit ein KI-System daraus lernen kann. Ohne diese unsichtbare Klickarbeit gäbe es viele bekannte KI-Produkte nicht.

Abzugrenzen ist die Gig-Economy von der klassischen Freiberuflichkeit. Ein selbstständiger Steuerberater sucht seine Kunden selbst und setzt eigene Preise. In der Gig-Economy bestimmt dagegen meist die Plattform den Preis und die Reihenfolge der Aufträge. Das ist der Grund, warum die Debatte um faire Bedingungen dort besonders hart geführt wird.

Subscribe free. Unsubscribe the second it sucks.

High-signal news across AI, business, UX, and tech. Every morning.