Gatekeeping

Gatekeeping

Gatekeeping bezeichnet die Macht, darüber zu entscheiden, wer oder was Zugang zu einem Markt, einer Plattform oder einer Öffentlichkeit bekommt. Im Tech-Bereich sind es meist große Konzerne, die als Torwächter kontrollieren, welche Apps, Inhalte oder Anbieter Nutzer überhaupt erreichen.

Gatekeeping heißt wörtlich « Torwächterei ». Gemeint ist die Macht, zu entscheiden, wer durch ein Tor darf und wer nicht. Ursprünglich stammt der Ausdruck aus der Medienforschung: Zeitungsredaktionen wählten aus, welche Nachrichten gedruckt wurden und welche nicht. Heute benutzt man das Wort vor allem für große Technikkonzerne. Sie kontrollieren die Wege, über die Nutzer und Anbieter zusammenkommen. Wer diese Wege kontrolliert, bestimmt mit, welche Firma Erfolg hat und welche unsichtbar bleibt.

Warum Torwächter über Erfolg und Scheitern entscheiden

Für ein junges Unternehmen kann ein einziger Torwächter über alles entscheiden. Wer eine App entwickelt, muss sie fast zwangsläufig in die Läden von Apple oder Google bringen. Es gibt kaum einen anderen Weg auf ein Smartphone. Wird die App abgelehnt, ist das Produkt praktisch tot. Der Torwächter hat also eine Macht, die weit über sein eigenes Geschäft hinausreicht.

Dazu kommt die Frage des Geldes. Apple und Google verlangen bei Verkäufen in ihren App-Läden lange Zeit bis zu 30 Prozent Provision. Das ist ein sehr großer Anteil an einem Umsatz, den ein anderer erwirtschaftet hat. Firmen wie Spotify und Epic Games haben deshalb jahrelang vor Gerichten und Behörden gestritten. Ihr Argument: Ein Torwächter darf sich seine Position nicht beliebig teuer bezahlen lassen.

Ein zweites Problem ist die Fairness gegenüber sich selbst. Viele Torwächter sind gleichzeitig Schiedsrichter und Mitspieler. Amazon betreibt einen Marktplatz und verkauft dort eigene Produkte. Google betreibt eine Suchmaschine und bietet dort eigene Dienste an. Der Verdacht liegt nahe, dass eigene Angebote bevorzugt werden. Genau das nennt man Selbstbevorzugung, und sie steht in Europa unter besonderer Beobachtung.

Womit sich ein Tor überhaupt bewachen lässt

Gatekeeping funktioniert nicht durch Verbote, sondern durch technische und wirtschaftliche Kontrolle. Wer das Betriebssystem eines Handys baut, legt fest, wie Programme installiert werden dürfen. Wer die Suchmaschine betreibt, bestimmt die Reihenfolge der Ergebnisse. Wer den Bezahlvorgang kontrolliert, sieht jede Transaktion und kassiert mit. Diese Kontrollpunkte nennt man auch Flaschenhälse.

Verstärkt wird das durch sogenannte Netzwerkeffekte. Ein Dienst wird für jeden Nutzer wertvoller, je mehr andere ihn benutzen. Ein soziales Netzwerk mit drei Mitgliedern ist nutzlos, eines mit drei Milliarden kaum zu ersetzen. Deshalb wachsen digitale Märkte oft zu wenigen sehr großen Anbietern zusammen. Ein Wechsel wird für Nutzer unattraktiv, selbst wenn sie unzufrieden sind.

Auch in der Künstlichen Intelligenz entstehen gerade solche Flaschenhälse. Leistungsfähige Modelle brauchen spezielle Chips, große Rechenzentren und riesige Datenmengen. Nur wenige Unternehmen weltweit besitzen das alles. Wer keinen Zugang zu diesen Ressourcen bekommt, kann bei der Entwicklung kaum mithalten. Das ist Gatekeeping auf einer Ebene, die Nutzer nie direkt zu sehen bekommen.

Der Digital Markets Act und andere Schlagzeilen

In den Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff seit 2023 besonders häufig auf. Grund ist der Digital Markets Act, ein europäisches Gesetz für digitale Märkte. Es stuft besonders große Plattformen offiziell als Gatekeeper ein. Dazu gehören unter anderem Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft und ByteDance. Für sie gelten strengere Regeln als für alle anderen Unternehmen.

Praktisch bedeutet das zum Beispiel: In Europa dürfen auf iPhones auch fremde App-Läden laufen. Messenger sollen sich untereinander verbinden lassen. Und Suchmaschinen dürfen eigene Dienste nicht mehr systematisch nach oben schieben. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden.

Im Alltag begegnet dir Gatekeeping ständig, meist unbemerkt. Es steckt in der Reihenfolge deines Instagram-Feeds, in den Videos, die YouTube dir vorschlägt, und in der Frage, welche App du überhaupt installieren kannst. Ein häufiger Irrtum ist, Gatekeeping mit Zensur gleichzusetzen. Zensur unterdrückt gezielt Inhalte, meist politisch. Gatekeeping ist breiter: Es geht um Zugang, Sichtbarkeit und Marktmacht, und oft entscheidet nicht ein Mensch, sondern ein Algorithmus.

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