Google Zero

Google Zero

Google Zero beschreibt ein Szenario, in dem Websites kaum noch Besucher über die Google-Suche bekommen, weil Google die Antworten direkt selbst anzeigt. Für Verlage, Ratgeberseiten und Online-Shops bedeutet das ein Geschäftsmodell in Gefahr.

Viele Websites leben davon, dass Menschen bei Google etwas suchen und dann auf einen Link klicken. Dieser Besucherstrom heißt in der Branche Traffic, und er bringt Werbeeinnahmen und Kunden. « Google Zero » ist das Schlagwort für den Fall, dass dieser Strom auf nahezu null sinkt. Der Grund: Google zeigt die gesuchte Information immer häufiger direkt auf der eigenen Ergebnisseite an. Wer dort schon alles erfährt, klickt gar nicht mehr weiter. Der Begriff wurde ab 2024 populär, als Google begann, von einer KI erzeugte Antworttexte über die klassischen Trefferlisten zu setzen.

Was für Verlage und Shops auf dem Spiel steht

Für sehr viele Seiten ist Google die wichtigste Eingangstür. Bei Nachrichtenportalen, Rezeptsammlungen oder Vergleichsseiten kommt oft mehr als die Hälfte der Besucher über die Suchmaschine. Fällt dieser Anteil deutlich, brechen Werbeeinnahmen weg. Manche Betreiber berichteten nach der Einführung der KI-Antworten von Einbrüchen um 30 bis 50 Prozent bei bestimmten Themen.

Besonders hart trifft es Inhalte, die eine kurze, klare Antwort haben. Wie viele Kalorien hat eine Banane? Wann wurde die Mauer gebaut? Solche Fragen beantwortet Google inzwischen selbst. Übrig bleiben komplexere Bedürfnisse: ein Produkt kaufen, ein Video ansehen, eine ausführliche Analyse lesen.

Dahinter steckt ein grundsätzlicher Konflikt. Google braucht die Inhalte der Websites, um überhaupt Antworten formulieren zu können. Gleichzeitig nimmt es diesen Websites den Anlass, sie zu besuchen. Genau darum streiten Verlage vor Gericht und bei Regulierungsbehörden, und einige verlangen Geld für die Nutzung ihrer Texte.

Wie die Antwort auf der Ergebnisseite entsteht

Google durchsucht mit automatischen Programmen das Netz und speichert Kopien der Seiten. Aus diesem Vorrat wählt ein Sprachmodell passende Stellen aus und formuliert daraus einen zusammenhängenden Text. Ein Sprachmodell ist ein Programm, das gelernt hat, sinnvolle Sätze zu bilden, indem es riesige Textmengen ausgewertet hat. Das Ergebnis erscheint als Kasten ganz oben, meist mit kleinen Quellenlinks am Rand.

Neu ist die Idee nicht. Schon vorher gab es Infokästen mit Wetter, Wechselkursen, Sportergebnissen oder Lexikonauszügen. Fachleute nannten das Zero-Click-Suche, also Suche ohne Klick. Die KI-Antworten dehnen dieses Prinzip nur auf fast jede Frage aus.

Wichtig ist eine Abgrenzung: Google Zero ist keine Technik und kein Produkt, sondern eine Prognose über eine Entwicklung. Ob der Traffic wirklich auf null geht, ist offen. Google selbst bestreitet dramatische Rückgänge und verweist auf angeblich hochwertigere Klicks. Belastbare Zahlen sind schwer zu bekommen, weil nur Google die vollständigen Daten hat.

Woran man den Effekt selbst merkt

Am deutlichsten sieht man ihn bei einer normalen Google-Suche. Oben steht oft ein längerer Text mit Zusammenfassung, darunter erst die blauen Links. Bei Handys füllt dieser Kasten manchmal den ganzen Bildschirm. Man muss aktiv scrollen, um überhaupt eine Website zu erreichen.

In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff auf, wenn Medienkonzerne wie Axel Springer, die New York Times oder Betreiber großer Ratgeberportale über sinkende Reichweite sprechen. Auch Aktienkurse von Firmen, die stark von Suchtreffern abhängen, reagieren darauf. Ein bekanntes Beispiel ist die Lernplattform Chegg, deren Nutzerzahlen nach dem Aufstieg von Chatbots massiv einbrachen.

Als Reaktion versuchen Websites, weniger abhängig zu werden. Sie bauen Newsletter, Apps, Podcasts und Communitys auf, in denen sie direkten Kontakt zum Publikum haben. Andere setzen auf Inhalte, die eine KI schlecht zusammenfassen kann: eigene Tests, Bewegtbild, Datenbanken, persönliche Beratung. Und es entsteht ein neues Arbeitsfeld, bei dem es nicht mehr darum geht, in der Trefferliste weit oben zu stehen, sondern in KI-Antworten überhaupt erwähnt zu werden.

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