Growth Engineer

Growth Engineer

Ein Growth Engineer ist eine Person, die in einem Unternehmen Software baut, damit ein Produkt mehr Nutzer gewinnt und behält. Die Rolle verbindet Programmieren mit Marketing und der Auswertung von Nutzungsdaten.

Ein Growth Engineer ist ein Programmierer, der an einer bestimmten Frage arbeitet: Wie bekommt ein Produkt mehr Nutzer, und wie bleiben diese Nutzer dabei? Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich etwa « Wachstums-Ingenieur ». Klassische Programmierer bauen die Funktionen eines Produkts, also zum Beispiel den Videoplayer einer Streaming-App. Ein Growth Engineer baut dagegen alles drumherum: die Anmeldeseite, die Einladungs-E-Mail, den Ablauf beim ersten Start der App. Er misst dabei ständig, ob seine Änderungen wirklich etwas bewirken. Die Rolle sitzt damit zwischen Technik und Marketing, gehört aber klar zur Technik, weil am Ende Programmcode entsteht.

Warum Firmen eigene Leute nur fürs Wachstum bezahlen

Viele digitale Produkte sind nicht deshalb erfolgreich, weil sie technisch besser sind. Sie sind erfolgreich, weil der Weg vom ersten Klick bis zur Nutzung reibungslos funktioniert. Jeder zusätzliche Schritt bei der Anmeldung kostet Nutzer. Wer hier ein paar Prozent gewinnt, gewinnt bei Millionen Besuchern sehr viel. Genau diese Prozente sind die Aufgabe eines Growth Engineers.

Für Unternehmen ist das auch eine Kostenfrage. Neue Nutzer über Werbung zu kaufen ist teuer, oft mehrere Euro pro Person. Wenn stattdessen bestehende Nutzer Freunde einladen, ist der Zuwachs fast kostenlos. Dropbox ist das bekannteste Beispiel: Wer jemanden einlud, bekam zusätzlichen Speicherplatz geschenkt. Dieses Einladungssystem musste jemand bauen, testen und immer wieder verbessern.

An der Börse und in Finanznachrichten interessieren genau diese Zahlen. Wie viele aktive Nutzer hat ein Dienst pro Monat? Wie viele springen wieder ab? Ein Growth Engineer arbeitet direkt an den Kennzahlen, die später in Quartalsberichten stehen. Das erklärt, warum die Rolle in Stellenanzeigen von Tech-Firmen oft überdurchschnittlich bezahlt wird.

Testen statt raten: der Arbeitsalltag

Das wichtigste Werkzeug ist der A/B-Test. Dabei bekommt eine Hälfte der Besucher die alte Version einer Seite, die andere Hälfte eine geänderte. Nach einigen Tagen vergleicht man, welche Gruppe sich häufiger angemeldet hat. So ersetzt man Meinungen durch Messwerte. Ein Growth Engineer baut sowohl die Testversionen als auch die Technik, die im Hintergrund zählt und auswertet.

Dazu kommt Arbeit an Datenwegen. Jeder Klick muss zuverlässig aufgezeichnet und in eine Datenbank geschrieben werden. Ist diese Messung fehlerhaft, sind alle Schlüsse daraus wertlos. Ein großer Teil des Jobs besteht deshalb aus unspektakulärer Sorgfalt beim Erfassen und Prüfen von Daten.

Typisch ist außerdem das hohe Tempo. Statt monatelang ein großes Feature zu bauen, laufen viele kleine Experimente parallel. Die meisten davon bringen nichts oder verschlechtern die Zahlen sogar. Das gilt nicht als Scheitern, sondern als normales Ergebnis. Ein verbreiteter Irrtum ist, Growth Engineering sei ein Trickkoffer für schnelle Erfolge. Tatsächlich ist es die geduldige Suche nach den wenigen Änderungen, die dauerhaft wirken.

Wo diese Arbeit bei dir ankommt

Du begegnest den Ergebnissen täglich, ohne es zu merken. Der Hinweis « Noch 2 Schritte bis zum Start » in einer App stammt aus dieser Ecke. Ebenso die E-Mail, die dich nach zwei Wochen Pause zurückholen soll. Auch der Empfehlungslink mit Rabatt für dich und einen Freund gehört dazu.

Bei KI-Produkten ist die Rolle gerade besonders gefragt. Anbieter von Chatbots konkurrieren hart um Nutzer, und viele probieren ein Werkzeug nur einmal aus. Growth Engineers bauen dort etwa kostenlose Einstiegsversionen oder Vorschläge, die den ersten Chat erleichtern. Zunehmend setzen sie KI auch selbst ein, um Texte für Tests automatisch in vielen Varianten zu erzeugen.

Grenzen gibt es dennoch. Datenschutzregeln wie die europäische DSGVO schreiben vor, welche Daten überhaupt erhoben werden dürfen. Manche Optimierung ist technisch möglich, rechtlich aber nicht erlaubt. Und wenn Hinweise zu aufdringlich werden, wandern Nutzer ab. Gute Growth Engineers achten deshalb auf langfristige Zufriedenheit, nicht nur auf die Zahl der nächsten Woche.

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