GitHub Star

GitHub Star

Ein GitHub Star ist ein Klick, mit dem Nutzer ein öffentliches Software-Projekt auf der Plattform GitHub markieren – ähnlich einem Lesezeichen. Die Zahl der Sterne gilt in der Tech-Branche als grober Popularitätsmesser für Open-Source-Projekte, sagt aber wenig über deren Qualität aus.

GitHub ist die weltweit größte Plattform, auf der Programmierer den Quelltext ihrer Software ablegen und gemeinsam daran arbeiten. Jedes einzelne Projekt hat dort eine eigene Seite, im Fachjargon Repository genannt. Auf dieser Seite gibt es oben rechts einen Knopf mit einem Stern. Wer ihn anklickt, vergibt einen Star: Das Projekt landet in einer persönlichen Merkliste, und der öffentlich sichtbare Zähler springt um eins nach oben. Ursprünglich war das nur als privates Lesezeichen gedacht. Heute wird die Zahl neben dem Stern von vielen Menschen wie eine Bewertung gelesen, obwohl sie das technisch gar nicht ist.

Sterne als Währung der Open-Source-Welt

Sehr viel Software ist quelloffen, also für jeden kostenlos einsehbar und nutzbar. Bei solchen Projekten gibt es keine Verkaufszahlen und keine Umsätze, an denen man den Erfolg ablesen könnte. Die Sternzahl ist deshalb oft die einzige Zahl, die sofort sichtbar ist. Sie hat sich zu einer Art inoffizieller Währung entwickelt.

Für Entwickler ist das handfest relevant. Wer zwischen zwei Werkzeugen wählen muss, schaut häufig zuerst auf die Sterne. Ein Projekt mit 60.000 Sternen wirkt sicherer als eines mit 30 – man nimmt an, dass viele Augen darauf schauen und Fehler schneller auffallen. Auch Firmen nutzen die Zahl: In Bewerbungen und Investorenpräsentationen tauchen Sternzahlen regelmäßig als Beleg für Reichweite auf.

Genau darin liegt aber auch das Problem. Ein Stern kostet nichts und verpflichtet zu nichts. Man kann ein Projekt markieren, ohne es je benutzt zu haben. Es gibt sogar einen Handel mit gekauften Sternen, bei dem gefälschte Konten massenhaft klicken. Forscher haben solche Kampagnen bei tausenden Repositories nachgewiesen. Ein hoher Sternstand beweist also Aufmerksamkeit, nicht Qualität.

Was beim Klick auf den Stern passiert

Technisch ist ein Star schlicht ein Eintrag in einer Datenbank: Nutzer X hat Projekt Y markiert. Man braucht dafür ein kostenloses GitHub-Konto. Ein Konto kann pro Projekt nur einen Stern vergeben, und man kann ihn jederzeit wieder entfernen. Der Zähler geht dann auch wieder nach unten.

Wichtig ist die Abgrenzung zu zwei ähnlichen Knöpfen daneben. Ein Fork erstellt eine eigene Kopie des Projekts, an der man selbst weiterarbeiten kann. Watch abonniert Benachrichtigungen über jede Änderung. Der Star tut beides nicht – er ist reine Markierung. Früher war er tatsächlich mit einem Abo verknüpft, seit 2012 sind die Funktionen getrennt.

Die Sterne fließen außerdem in die Ranglisten von GitHub ein. Projekte, die in kurzer Zeit viele Sterne sammeln, erscheinen im sogenannten Trending-Bereich auf der Startseite. Das erzeugt einen Schneeballeffekt: Sichtbarkeit bringt Sterne, Sterne bringen mehr Sichtbarkeit. Deshalb versuchen manche Teams gezielt, ihren Start dort zu platzieren.

Sternzahlen in KI-Schlagzeilen

Besonders auffällig ist das Phänomen bei künstlicher Intelligenz. Als das Bildprogramm Stable Diffusion und später Werkzeuge wie AutoGPT erschienen, sammelten sie innerhalb weniger Tage zehntausende Sterne. Tech-Medien meldeten das als Nachricht: « schnellstes Projekt aller Zeiten auf 100.000 Sterne ». Die Zahl wird also selbst zum Ereignis.

Auch auf Finanzseiten begegnet einem der Begriff. Wenn ein Start-up Geld einsammelt, steht in der Meldung oft die Sternzahl seines Open-Source-Projekts. Sie soll zeigen, dass es bereits eine Gemeinschaft von Nutzern gibt, bevor überhaupt Umsatz existiert. Bekannte Beispiele sind Datenbanken oder KI-Werkzeuge, die kostenlos verfügbar sind und ihr Geld mit einer bezahlten Zusatzversion verdienen.

Wer solche Meldungen liest, sollte die Zahl einordnen können. Sinnvoll ist ein Blick auf den Verlauf statt auf den Endstand. Wächst ein Projekt seit Jahren stetig, oder gab es einen einzelnen Ausschlag nach einem viralen Beitrag? Aussagekräftiger sind ohnehin andere Angaben: wie oft die Software heruntergeladen wird, wann zuletzt jemand daran gearbeitet hat und wie viele Menschen regelmäßig beitragen.

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